Tempolimit auf der A4 Bringt Tempo 100 auf der Autobahn weniger Unfälle?

Die A4 ist die am meisten befahrene Autobahn in Sachsen. Immer wieder kommt es zu Unfällen, besonders zwischen den Dreiecken Dresden-Nord und Dresden-West. In einem Pilotprojekt soll der Abschnitt nun entschärft und sicherer gemacht werden. Ab dem Frühjahr darf man dort nur noch 100 Kilometer pro Stunde fahren. Aber bringt das Tempolimit wirklich weniger Unfälle?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Je höher die Geschwindigkeit, desto stärker der Aufprall – das ist ein physikalisches Gesetz. Unfälle bei hoher Geschwindigkeit fallen deshalb meist auch schwerer aus. Also bringt ein Tempolimit gleich mehr Sicherheit? Ganz so einfach ist es dann doch nicht, sagt Henrik Liers, Leiter der Unfallforschung an der Technischen Universität Dresden: "Denn auf wenig befahrenen Strecken zum Beispiel oder zu Zeiten geringer Verkehrsdichte können Tempolimits möglicherweise auch kontraproduktiv sein, weil dann eine gewisse Monotonie der Strecke oder der Fahraufgabe an sich die Aufmerksamkeit des Fahrers reduziert."

Weniger Bremsen, weniger Aufmerksamkeit

Dagegen macht ein Tempolimit auf einer unbegrenzten Strecke Sinn, wo viele Fahrzeuge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind, erklärt der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann: "Das trägt schon dazu bei, dass ich die Unfallgefahren verringere, weil ich ja dann weniger Bremsmanöver habe zum Beispiel, weil ja sozusagen alle in der gleichen Geschwindigkeit hintereinander herfahren."

Jedoch plädiert er dafür, die Geschwindigkeit flexibel zu begrenzen – über Autobahnanzeigen und abhängig von der Wetter- und Verkehrslage, beispielsweise während des Berufsverkehrs. Das mache die Begrenzungen auch nachvollziehbar für die Autofahrer. Denn wenn die Verkehrsteilnehmer nicht einsehen können, warum die Geschwindigkeit begrenzt ist, sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Limits eingehalten würden, erklärt Experte Siegfried Brockmann.

Keine gesicherten Forschungsergebnisse

Fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen allerdings zum Thema. "Wir tappen da immer noch einigermaßen im Dunkeln. Weil ich sehr lange Zeiträume brauche, die ich dann miteinander vor- und nachher vergleichen kann", sagt Unfallforscher Brockmann. Zudem spielen verschiedene Faktoren hinein, ob ein Tempolimit erfolgreich ist: Handelt es sich beispielsweise um eine flache oder bergige Strecke? Fahren dort viele Lastwagen oder nicht?

Henrik Liers von der TU Dresden resümiert: "Man muss sehen, dass die Erfahrung vielleicht aus einem installierten Tempolimit auf einer Autobahn irgendwo in Deutschland nicht einfach auf alle anderen Autobahnen zu übertragen ist." Zudem habe die Bundesregierung entsprechende Studien in der jüngeren Vergangenheit auch nicht finanziert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Februar 2018 | 06:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2019, 15:28 Uhr