Drohnenzentrum Forschung beginnt: DLR testet große Frachtdrohnen in Cochstedt

Forscher haben den Testbetrieb im neu eingerichteten Drohnenzentrum auf dem Flughafen Cochstedt begonnen. Getestet wurde eine rund 500 Kilo schwere, mittelgroße Drohne für den Frachttransport.

Forscher stehen neben dem Prototyp eines unbemannten Tragschraubers, der als Drohne für Fracht konzipiert ist.
Bildrechte: DLR

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat im Juli erstmals den Prototyp einer Frachtdrohne auf dem Flughafen in Cochstedt (Sachsen-Anhalt) getestet. Der umgebaute Tragschrauber flog in bis zu 150 Metern Höhe mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde um den Platz. Ein marktreifes Modell könnte eines Tages bis zu 200 Kilogramm über Distanzen von rund 500 Kilometern bringen.

Die Testflüge im Juli 2019 erfolgten zwar noch mit Funkfernsteuerung. Dabei sollte zunächst erprobt werden, ob alle Flugsysteme des Prototyps richtig arbeiten. In Zukunft aber soll er Schritt für Schritt automatisiert fliegen lernen.

Ziel: Frachttransport

"Wir entwickeln und erproben im Programm Luftfahrtforschung des DLR einen Demonstrator für den unbemannten Frachttransport", sagt Professor Rolf Henke, der Luftfahrtvorstand des DLR ist. Der solle künftig auf mittleren Distanzen in niedrigen Höhen Güter transportieren können. "Unterhalb des regulären Luftverkehrs ermöglicht das Konzept einen flexiblen Betrieb auf regionalen Strecken abseits besiedelter Gebiete", so Henke.

Das jetzt getestete Modell ist etwa 450 Kilogramm schwer. Ursprünglich wurde es als kleines Luftfahrzeug für eine Person konstruiert. Im Zuge des Umbaus rüsteten die DLR-Forscher zahlreiche Sensoren, einen Flugsteuerungsrechner und weitere Soft- und Hardwarekomponenten für den unbemannten Flug nach. Der automatisierte Flug soll nun Schritt für Schritt erprobt werden.

Wirtschaftlichkeit und Sicherheit

Das Prinzip von Tragschraubern eigne sich sehr gut für unbemannte Flüge, sagen die DLR-Ingenieure. "Tragschrauber haben den besonderen Vorteil einer inhärenten Sicherheit. Der frei drehende Rotor ermöglicht im Falle eines Fehlers eine sanfte Landung wie an einem Fallschirm", sagt Sven Lorenz. Er leitet am DLR-Institut für Flugsystemtechnik den Testbetrieb für den Prototyp. "Mit den Versuchsflügen konnten wir bereits zeigen, dass Tragschrauber eine geeignete Konfiguration für den unbemannten Lufttransport sind."

Bei ihren Experimenten wollen die Wissenschaftler nicht nur ein funktionsfähiges Modell erreichen. Untersucht wird auch, welche Regeln und Vorgaben für den rasch wachsenden Markt unbemannter Drohnenflüge in Deutschland nötig sind. Die Technologie soll dabei in der Praxis einerseits wirtschaftlich bleiben, andererseits einen sicheren Betrieb garantieren.

Cochstedt: Schnittstelle europäischer Forschung

Durch Flüge in geringen Höhen und das gezielte Umfliegen dicht besiedelter Gebiete sei eine Minimierung von Risiken und Kosten möglich, so das DLR. Theoretisch seien Flüge mit bis zu einer Tonne Fracht denkbar. Heute werden solche Drohnenflühe bereits in der Katastrophenhilfe und für den Transport von Medikamenten in entlegene Gebiete eingesetzt.

Das neu aufgebaute Erprobungszentrum am Flughafen in Cochstedt soll laut DLR die Aktivitäten verschiedener Länder auf dem Gebiet unbemannter Luftfahrzeuge zusammenführen. Das Drohnenzentrum solle eine Schnittstelle eines hochinnovativen europäischen Forschungsnetzwerks  werden.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 17. Juni 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2019, 18:00 Uhr