TU Chemnitz-Absolventen entwickeln Weltneuheit Wasserschwert statt Laserschwert

In Chemnitz haben Absolventen der Technischen Universität eine Anlage entwickelt, die mithilfe eines Wasserstrahls kleinste, filigrane Teile schneiden kann - bis hin zu Zahnrädern für Uhrwerke. Eine einzigartige Idee: Da es bisher nichts Vergleichbares gibt, glauben die Chemnitzer fest an ihren Erfolg.

Ganz so wie ein Laserschwert kann man sich die Anlage nicht unbedingt vorstellen, sagt der Chemnitzer Markus Dietrich. "Es geht um eine Anlagentechnik, mit der wir Bauteile mit Hilfe eines Wasserstrahls konturgenau fertigen können", ergänzt der Diplomingenieur. Die Pilotanlage in Chemnitz steht auf einer Fläche von vier Quadratmetern und ist eher unhandlich. Aber sie vereint neue Technologien.

Wir haben uns einem Strahlungsverfahren aus der Schwermaschinenindustrie bedient, das herunter skaliert und für eine Anlagentechnik entwickelt,  wo wir die Strahlerzeugung mit einer Werkzeugmaschine kombiniert haben, erstmals.

Markus Dittrich, Technische Universität Chemnitz

Die Wasserstrahltechnologie ist grundsätzlich nicht neu. Seit Ende der 80er Jahre werden Materialien mit Wasser getrennt. Die Schneidwirkung wird durch kleinste Partikel erzeugt, die dem Wasser beigemengt sind. Diese kleinsten Körner prallen mit unglaublicher Geschwindigkeit auf das Material und durchtrennen es. Die Chemnitzer haben es nun geschafft, diese Teilchen im Wasser noch mehr zu beschleunigen. Und zwar, indem sie die Partikel flexibel dem Wasserstrahl beimengen.

Bei den herkömmlichen Industrieanlagen (...) ist es so, dass die Schneidepartikel beschleunigt werden mit Hilfe des Wasserstrahls und da haben wir einen starken Energieverlust, das heißt, wir sprechen von einem Wirkungsgrad von 40, 50 Prozent bei herkömmlichen Anlagen und wir können mit 80 bis 90 Prozent schneiden.

Markus Dittrich, Technische Universität Chemnitz

Mit 500 Meter pro Sekunde trifft der Wasserstrahl auf das Material und zerschneidet es. Ein weiterer Vorteil der Technik sei, dass das Wasser kalt ist. "Das bedeutet, dass wir keine Wärme in das Material einbringen, wenn wir schneiden", sagt Dietrich. "Das ist ein ganz wichtiger Aspekt für bestimmte Anwenderkreise und es ist so, dass wir individuell schneiden können". Jede Form und jedes Material können die Chemnitzer schneiden. Mit einer Ausnahme: Diamanten knackt der Wasserstrahl nicht. Aber eine Goldmine könnte die neue Technik trotzdem werden. Maschinenbauer Florian Morczinek ist da optimistisch:

Wir stoßen in eine Lücke im Markt hinein, die bisher nicht besetzt ist und aus diesem Grund denke ich, dass wir erfolgreich sein werden.

Florian Morczinek, Technische Universität Chemnitz

Florian Morczinek ist Absolvent der TU Chemnitz. Markus Dietrich studierte in Dresden und kam dann ans Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik nach Chemnitz. Zusammen mit zwei weiteren Absolventen der Chemnitzer Universität planen sie 2019 eine Ausgründung und wollen dann auf dem freien Markt ihr Glück versuchen. Wie ein Laserschwert wird das Wasserschwert dann zwar nicht aussehen, aber das kann ja noch werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 17. Februar 2018 | 08:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 16:00 Uhr