Rückkehr der Superschnellen? NASA zahlt 247,5 Millionen Dollar für neues Überschallflugzeug

Seit dem Ende der Concorde gibt es keine Passagierflugzeuge mehr, die mit Überschallgeschwindigkeit fliegen. Das soll sich nun ändern. Nach privaten Unternehmen gab nun auch die NASA den offiziellen Startschuss für ihr neues Jet-Projekt.

Überschallflugzeug
Ein Prototyp des Überschallflugzeuges "X-Plane" soll erstmals 2022 abheben. Bildrechte: imago/ZUMA Press

15 Jahre nach dem letzten Flug der Concorde macht die NASA ernst: die US-Behörde, die für Raumfahrt und Flugwissenschaft zuständig ist, beauftragte am Dienstag den Rüstungskonzern Lockheed Martin mit dem Entwurf, Bau und Test des "X-Plane". Mit dem Jet soll erprobt werden, wie Passagier-Luftfahrt wieder möglich werden kann, bei der die Fluggeschwindigkeit schneller ist als die Schallausbreitung in der Luft.

Die Concorde war neben der russischen Tupulew Tu-144 bislang das einzige Überschall-Passagierflugzeug der Welt. Die Maschinen dieses Typs sind seit 2003 ausgemustert. Eine Concorde war zuvor im Jahr 2000 kurz nach dem Start in Paris abgestürzt, dabei starben alle Insassen. Für den Flug über den Atlantik hatte ein Jet zuvor nur knapp dreieinhalb Stunden benötigt. Maschinen mit gewöhnlichen Triebwerken sind für diese Strecke zwischen acht und neun Stunden unterwegs.

Fliegen ohne "Überschallknall"

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Das "X-Plane" soll in 16.000 Metern Höhe fliegen – mit 1.500 Kilometern pro Stunde Bildrechte: imago/UPI Photo

Lockheed Martin arbeitet schon eine Weile am Konzept des neuen Flugzeugs, das mit Überschallgeschwindigkeit fliegen soll, allerdings ohne dabei den typischen Überschallknall zu verursachen. Der entsteht, weil die Schallwellen bei diesen Geschwindigkeiten vor dem Jet verdichtet werden. Der laute Knall, der nicht nur beim Durchbrechen der Schallmauer sondern während des gesamten Überschallflugs auftritt, war bislang ein entscheidendes technisches Problem. Überschallflug über bewohntem Gebiet ist deshalb bislang in den meisten Staaten verboten.

Das Unternehmen bekommt für das Projekt "X-Plane-" 247,5 Millionen Dollar von der NASA. Es soll einmal in 16.000 Metern Höhe mit rund 1.500 Kilometern pro Stunde fliegen können. Seine spezielle Bauform soll verhindern, dass die Schallwellen miteinander verschmelzen. Stattdessen soll der Schallschock in kleine Stücke zerteilt werden, statt einem lauten Knall entsteht dann nur ein Rumpeln. Die Ingenieure hoffen, dass es nicht lauter wird als eine zufallende Autotür.

Erster Prototyp für 2022 geplant

Ein erster Prototyp soll 2022 abheben und bei Flügen in Testgebieten über den USA weitere Daten sammeln. Neben Lockheed und der NASA arbeitet unter anderem das Unternehmen Boom an einem neuen Überschall-Passagierflugzeug. Ob auch Russland wieder ins Geschäft einsteigt, ist derzeit noch offen. Präsident Wladimir Putin hatte im Januar 2018 erklärt, dass das Land unbedingt wieder ein ziviles Überschallflugzeug brauche. OAK – der staatliche Luftfahrtkonzern – gab kurz darauf bekannt, dass bereits daran gearbeitet werde.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lexi TV | 09. Juni 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2018, 17:31 Uhr