Künstlerische Darstellung zeigt den ersten interstellaren Asteroiden `Oumuamua.
Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

Interstellarer Besucher Möglicher Ursprung des rätselhaften Kometen "Oumuamua" gefunden

Vergangenes Jahr beobachteten Astronomen in unserem Sonnensystem zum ersten Mal einen Kometen, der von einem anderen Stern zu uns kam. Inzwischen gibt es erste Hinweise auf seiner Herkunft.

Künstlerische Darstellung zeigt den ersten interstellaren Asteroiden `Oumuamua.
Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

Es war eine Sensation und ein Rätsel zugleich: Im Oktober 2017 entdeckten Astronomen einen interstellaren Besucher in unserem Sonnensystem, ein Objekt, das von einem fernen Stern zu uns gereist war. Sie tauften den Himmelskörper "Oumuamua," hawaiianisch für "Botschafter aus weiter Ferne". Zunächst war unklar, ob es sich bei dem länglichen, zigarrenförmigen Felsbrocken um einen Asteroiden oder einen Kometen handelte. Und völlig offen war: Von wo kam "Oumuamua"?

Bei beiden Fragen sind die Forscher nun weiter. "Oumuamua" ist ein Komet und das ist entscheidend: Der Felsbrocken enthält gefrorenes Wasser, das sich in der Nähe von Sternen in Wasserdampf verwandelt. Dadurch hat er eine Art Raketenantrieb, der seine Flugbahn verändert. Erst als Forscher diese Eigenschaft in ihre Berechnungen einbezogen, konnten sie jetzt vier mögliche Ursprungssysteme identifizieren.

Vier mögliche Ursprungssterne

Unter der Leitung von Coryn Bailer-Jones vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg verfolgten die Wissenschaftler die Flugbahn von "Oumuamua" mehrere Millionen Jahre zurück. In ihre Rechnungen flossen die Effekte der Schwerkraft verschiedener Sterne ein, die der Komet im Lauf der Zeit wahrscheinlich passiert hatte. Um hier ein stimmiges Modell entwickeln zu können, griffen die Forscher unter anderem auf den Datensatz der ESA-Mission Gaia zurück. Die europäische Weltraumagentur hatte im April Daten über 1,3 Milliarden Sterne veröffentlicht, die die Sonde Gaia erfasst hatte.

Rund 4500 Sterne davon haben möglichweise auf die Flugbahn von "Oumuamua" gewirkt, sie nahmen die Wissenschaftler in die engere Auswahl für ihre Berechnung. Vier Systeme davon sind nun wahrscheinliche Kandidaten.

Millionen Jahre Reise

Andere Studien hatten schon zuvor dargelegt, warum "Oumuamua" wahrscheinlich während der dortigen Planetenentstehung aus seinem Heimatsystem geschleudert wurde. Dafür könnte ein Riesenplanet verantwortlich sein, dessen Schwerkraft den kleinen Kometen aus der Bahn warf. Interessanterweise seien alle vier Sterne, die Bailer-Jones und seine Kollegen gefunden haben, Zwergsterne.

Den roten Zwerg HIP 3757 passierte "Oumuamua" laut Berechnung vor über einer Million Jahre und zwar in einem Abstand von knapp zwei Lichtjahren. Etwas weiter könnte die Distanz zu HD 292249 gewesen sein, an dem der Komet wahrscheinlich vor 3,8 Millionen Jahren vorbeikam. HD 292249 hat in etwa die Größe unserer Sonne. Über die übrigen beiden Sterne ist wenig bekannt, sie hätte "Oumuamua" vor 1,1 beziehungsweise 6,6 Millionen Jahre verlassen.

Riesenplanet gesucht

Abgeschlossen ist die Suche nach "Oumuamuas" Ursprung damit noch nicht. Weitere Hinweise erhoffen sich die Astronomen von der für 2021 geplanten dritten Veröffentlichung von Gaia-Daten. Zudem könnten weitere Beobachtungen Hinweise auf den Riesenplaneten liefern, der wie ein Katapult auf den Planeten gewirkt haben muss.

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | 21. November 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 10:43 Uhr