Auto wird mit Diesel betankt
Tanken mit Diesel - in einigen Bereichen werden Dieselmotoren noch lange eingesetzt werden, schätzen Experten. Bildrechte: IMAGO

Abgas-Skandal und Fahrverbote Pro und Kontra Dieselmotoren

Der VW-Abgasskandal hat ihren Ruf ruiniert: Gebrauchte Dieselautos sind Ladenhüter geworden. Aber kann man einfach auf Dieseltechnologie verzichten? Die Vor- und Nachteile im Überblick.

von Annegret Faber

Auto wird mit Diesel betankt
Tanken mit Diesel - in einigen Bereichen werden Dieselmotoren noch lange eingesetzt werden, schätzen Experten. Bildrechte: IMAGO

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt über mögliche Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Lange Zeit galten Dieselmotoren als die besseren Verbrenner, doch dieser Ruf hat durch das Bekanntwerden der Abgasmanipulation, etwa von Volkswagen, stark gelitten. Was sind die Vor- und Nachteile der Dieseltechnologie?

Vorteile von Dieselmotoren

Dieselmotoren sind sparsam: Sie verbrennen deutlich besser als Otto Motoren. "Eine um bis zu 15 Prozent bessere Energieausbeute, manchmal auch mehr, sind gegenüber dem Otto Motor drin", sagt Professor Klaus Augsburg, Fachgebietsleiter Kraftfahrzeugtechnik an der Technische Universität Ilmenau. Manche sprechen sogar von 20 Prozent mehr Wirkungsgrad. "Das bedeutet geringste Verbräuche und uneinholbar in Bezug auf andere Verbrennungsmotoren", so der Experte. Fast 40 Prozent Wirkungsgrad schafft der Diesel. Der Benziner kaum mehr als 20. Daraus ergeben sich weitere Vorteile.

Greenpeace demonstriert auf einer Bundesstraße; Aktivisten fordern saubere Luft
Protest von Umweltschützern in Stuttgart gegen Diesel-Abgase. Bildrechte: IMAGO/Arnulf Hettrich

Geringer CO2-Ausstoß: Auf Grund des geringen Verbrauchs, ist auch der CO2-Ausstoß bedeutend geringer, als beim Benziner. "Über viele Jahre ist das CO2-Thema wichtig gewesen. Deswegen hat der Dieselmotor eine große Verbreitung erfahren", sagt Augsburg. Rund ein Drittel der PKW in Deutschland fahren mit Diesel. Im Schwertransportbereich ist er immer noch unschlagbar. 96 Prozent LKW fahren Diesel. Allerdings liegt das weniger am CO2 Ausstoß, sondern an der Kraft.

Dieselmotoren sind leistungsstark: Durch den höheren Wirkungsgrad hat der Motor mehr Kraft und er hält länger durch. LKW Motoren schaffen weit über 1 Million Kilometer. Manche gar zwei Millionen. Auch PKW knacken die 500.000 Kilometer-Grenze, während der Benziner vorher schlapp macht.

Trotz der Vorteile ist der Dieselboom im PKW-Bereich vorbei. Unter den Neuzulassungen waren im letzten Jahr nur noch 38 Prozent Dieselantriebe. Das ist ein Rückgang um zehn Prozent. Der Grund sind die:

Nachteile des Diesels

Dieselmotoren verpesten die Umwelt: Klaus Augsburg glaubt zwar, Dieselmotoren könnten deutlich sauberer sein. Partikelfilter seien heute so gut, dass sie Feinstaub zu 100 Prozent filtern könnten. Aber das kostet Geld. "Insofern ist ein Dieselmotor auch immer teuer."

Feinstaub aus Dieselmotoren ist gesundheitsschädlich: Feinstaub aus dem Diesel soll so klein sein, dass er in die Zellen eindringt und dort Krebs auslösen kann. Außerdem Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen.

Dieselmotoren haben hohe Stickoxid-Emissionen: Das Gas verursacht sauren Regen, Smog und beschleunigt die globale Erwärmung. Es soll im Diesel in größeren Mengen entstehen als im Benziner. Der Grund: Dieselmotoren verbrennen sehr effizient mit einem hohen Wirkungsgrad. Dabei entstehen Temperaturen bis zu 2.500 Grad und dadurch oxidiert Stickstoff zu Stickoxid.

Professor Klaus Augsburg, TU Ilmenau
Bildrechte: TU Ilmenau

Das heißt also, wenn ich den Motor Stickoxid-freier machen will, muss ich ihn ineffizienter machen. Außerdem muss ich danach irgendwelche Filter einschalten und die sind teuer und das ist der Punkt, weshalb es die Problematik mit dem Abgasskandal gegeben hat.

Prof. Klaus Augsburg, TU Ilmenau

Zusammenfassung: Dieselmotoren sind sparsam, langlebig, produzieren weniger CO2 als Benziner, haben mehr Kraft als Benziner, sind allerdings gesundheitsschädlich und schlecht fürs Klima.

Mit Geld könne man die Nachteile beseitigen, die Technik sei da. Letztlich wird es den Diesel noch lange geben, weil umweltfreundlichere Alternativen fehlen, schätzt Klaus Augsburg die Situation ein.

Vergleicht man den Verbrennungsmotor jedoch mit moderner Technik, zum Beispiel mit einem Motor, der über eine Brennstoffzelle mit Strom versorgt wird, wäre er sofort aus dem Rennen. "Wenn ich es von der Umweltbilanz sehe, dann ist so eine Brennstoffzelle betrieben mit Wasserstoff schon in Richtung Non plus Ultra", sagt Augsburg.

Straße mit elektronischen Hinweisschildern, die zum Verzicht auf Autos aufrufen.
Feinstaubalarm in Stuttgart. Autofahrer werden aufgefordert, freiwillig auf ÖPNV umzusteige Bildrechte: IMAGO

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Fernsehen | 22. Februar 2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 20:00 Uhr