Chemische Analyse in der Kriminaltechnik Ausgeschaltet? Unser Handy verrät uns trotzdem

Was wir essen, wie gesund wir sind, welche Angewohnheiten wir haben: Anhand der Rückstände auf Mobiltelefonen haben US-amerikanische Chemiker Profile der Besitzer erstellt. Die Methode der Forscher soll Ermittlern helfen, Kriminelle zu überführen.

Eine Frau telefoniert im Urlaub mit ihrem Handy
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Versuchsperson zwei trinkt regelmäßig Tee oder Kaffee und nimmt ein Haarwuchsmittel. Sie hat ihre Frisur gefärbt und benutzt zahlreiche Hautpflegeprodukte. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Frau, schlussfolgert das Team um die Forensiker Amina Bouslimani und Pieter Dorrestein. All diese Erkenntnisse gewannen die Forscher der University of California in San Diego allein von Ablagerungen, die sie am Handy der Dame fanden.

Weil wir unsere Telefone täglich ständig berühren, etwa um Nachrichten zu schreiben, zu telefonieren, im Netz zu surfen oder den Wetterbericht anzusehen, hinterlassen wir jede Menge Spuren an ihnen. Selbst wenn die Geräte ausgeschaltet sind, können sie in einer Untersuchung viel über uns Preis geben, wie die Forschungsergebnisse von Bouslimani und ihren Kollegen zeigen.

Die Wissenschaftler wollten wissen, was die chemische Zusammensetzung der Anhaftungen über den Lebenswandel der Besitzer verrät. Bei 39 Probanden nahmen sie Proben von Händen und Handys. Ihre Erkenntnisse schildern die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Ein Mann mit Schürze sitzt an einem Küchentisch und bedient ein Smartphone, vor Ihm auf dem Tisch liegt Gemüse
Rückstände auf den Handys verraten unsere Lebensgewohnheiten. Auch, was wir kochen und essen. Bildrechte: Colourbox.de

In unserem Alltag lagern sich viele Substanzen auf unserer Haut ab, die aus unserer Umgebung und unserem Lebensumfeld stammen. Ihre chemische Zusammensetzung wird beeinflusst von Ernährung, Sport, Kleidung, Medikamenten und Kosmetik.

Pieter Dorrestein

Chemische Stoffe kommen einerseits von außen auf die Haut, beispielsweise Seife beim Händewaschen oder Salben, Sonnencremes oder Antimückenmittel. Andere Substanzen wiederum werden von unseren Körpern über den Schweiß ausgeschieden, darunter Rückstände von Medikamenten, Coffein aus Kaffee oder Tee, Alkohol oder Nikotin vom Tabakrauch. Besonders an den Rückseiten der Mobiltelefone, wo die Nutzer ihre Geräte anfassten, fanden die Forscher besonders viele chemische Substanzen.

Individuelle Profile

Anhand der Analyse der Hautpartikel erstellten die Forscher schließlich Profile, die erstaunlich viel über die Handybesitzer verrieten. Eine Person etwa nutzte vor allem Naturkosmetikprodukte. Die Reste von Mückenschutzmittel ließen den Schluss zu, dass sie gern campen geht. Bei einem anderen Probanden fanden die Forscher Rückstände von einem Mittel gegen Pilze, Überrest aus der Therapie einer Fußpilzerkrankung. Versuchsperson 32 wiederum hatte eine Vorliebe für Orangen und nutzte vor allem Reinigungsmittel auf Citrusbasis – nur an ihrem Handy fanden die Forscher bestimmte Moleküle, die auf Citrusfrüchte hinwiesen. “Die Kombination solcher alltäglicher Gewohnheiten schafft ein individuelles chemisches Profil der Haut“, schreiben die Forscher.

Die Erkenntnisse können Kriminaltechnikern und Ermittlern bei der Aufklärung von Verbrechen helfen, schreibt das Team von der kalifornischen Universität. Sie wollen nun ihre Untersuchung an weiteren Alltagsgegenständen wie Schlüsseln oder Portmonees wiederholen. Die Methode soll gängige Verfahren wie die DNA-Analyse oder das Sichern von Fingerabdrücken ergänzen.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 15:04 Uhr