Internationaler Wettbewerb an der TU München Studenten testen Weltraum-Lifte

"European Space Elevator Challenge" – Europäischer Weltraumfahrstuhl-Wettbewerb. Klingt ein bisschen technisch, aber auch ein wenig nach "unendlichen Weiten“. Und was die Studenten in München erforschen, kann ein völlig neuer Weg in die Weiten des Weltalls sein. Mit dem Lift statt mit Raketen.

Es begann mit einem Turm

Russlands Raumfahrtpionier Konstantin Ziolkowski hatte vor 120 Jahren die Idee, einen Turm ins Weltall zu bauen. Das erwies sich als undurchführbar. Gut 60 Jahre später kam sein Landsmann, der russische Ingenieur Juri Arzutanow, auf die Idee, statt des Turms lieber einen Lift zu bauen. Seither ist der Gedanke in der Welt und überall tüfteln Ingenieure, wie sie ihn umsetzen könnten.  

Physikalisch ist das mittlerweile alles klar

sagt Andreas Battenberg, der Sprecher der TU München, an der der Wettbewerb stattfindet. Sogar ein möglicher Antrieb ist schon entwickelt. "Infrarotlaser, die auf Parabolspiegel am Boden der Liftkabine zielen liefern die Energie“, so Battenberg. Bei einem Test an der TU München haben die Wissenschaftler auf diese Weise eine Quadrocopter 12 Stunden in der Luft gehalten. "Und das hätte noch sehr viel länger gehen können“, so Battenberg. Jetzt liegt es noch an den "kleinen“ technischen Details, die aber wie so oft in Wirklichkeit die großen sind. Denn es gibt noch kein Material, das die enormen Belastungen aushält. Immerhin geht es um eine Länge von 140.000 Kilmetern. Kohlenstoffnanoröhren sind ein möglicher Kandidat. Oder Graphen – ebenfalls ein Material auf Kohlenstoffbasis, dessen Möglichkeiten aber noch gar nicht genug erforscht sind.

Nutzlast durch Gesamtmasse + Energie

Was dagegen bereits sehr praktisch erforscht wird, ist die Art, wie wir mit Kabinen, den sogenannten Climbern, am Aufzug hoch- und runterfahren. Bereits zum dritten Mal findet dazu der Wettbewerb in Deutschland statt. Student Michael Stark vom Team "last.minute Space Elevator“ der TU München erklärt die Aufgabe: An einem Ballon in 100 Meter Höhe hängt das Seil. Ziel ist es, die Climber mit möglichst viel Masse nach oben zu bringen. "Dafür gibt es eine Gewinnformel. Nutzlast durch Gesamtmasse + Energie“, sagt Michael Stark, der mit seiner Arbeitsgruppe "WARR“ den Wettbewerb organisiert. WARR steht für Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt.

Aus dem Weltall sind wir alle eins,

Juliana Söhnlein, TU München

Neben den drei deutschen Gruppen sind auch zwei japanische Teams am Start. Sie kommen von der Nihon Universität, Tokio. "Dort gibt es echte Kurse nur zum Thema Weltraumlift“, sagt Juliana Söhnlein vom Team der TU München begeistert. Die Studentin, die gerne Astronautin werden möchte, hofft, dass der Wettbewerb die internationale Zusammenarbeit fördert. "Denn aus dem Weltall sind wir alle eins.“ Eine Zusammenarbeit mit japanischen Weltraumlift-Experten könnte aber auch noch ganz praktische Vorteile haben. Denn in Japan gibt es sehr konkrete Pläne für einen Weltraumlift. 2050 soll er fertig sein. Die Chancen für eine internationale Kooperation stehen jedenfalls gut. "Wir sind hier, um unsere Ideen zu teilen", sagt Darren Coste, Team-Mitglied der Nihon-Universität. "Um den Aufzug je zu realisieren, müssen sehr viele Menschen weltweit zusammenarbeiten." Studentin Juliana ist jedenfalls fasziniert von diesen Möglichkeiten. "Die Nihon Uni hat uns eine Zusammenarbeit angeboten“, sagt sie, "mal sehen, was daraus wird.“ Aber jetzt muss sie sich aber erstmal auf den Wettbewerb konzentrieren. Denn am Donnerstag wird der Sieger gekürt. Und sie hofft ganz stark auf ihren "last.minute"-Climber.

10.000 Euro für ein Ticket ins All Weltraumlifte würden die Kosten für den Transport ins All dramatisch senken. Derzeit ist es rund 20.000 Dollar teuer, ein Kilo Nutzlast nach oben zu befördern. Mit dem Aufzug wären es etwa hundert Dollar, sagt Tobias Ortmann, stellvertretender Projektleiter des Wettbewerbs in Garching. Das böte neue Chancen auch für Weltraumtouristen. Für geschätzte 10.000 Euro ins All – "das wäre immer noch relativ günstig für ein Weltraumticket“.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 09:28 Uhr