Exomars Trace Gas Orbiter Orbiter über dem Mars
Bildrechte: ESA/ATG medialab

2017: Jahr der Weltraum-Missionen Den Mond vor Augen - den Mars im Sinn

Die Raketen starten in diesem Jahr im Akkord. Wer bis Silvester auf dem Mond herum fährt, gewinnt den "Lunar X Prize". Dann sind da noch Milliardär Elon Musk und Boeing. Sie wollen endlich ernst machen mit dem Weltraum-Tourismus. Und China will eine eigene Weltraumstation bauen.

Exomars Trace Gas Orbiter Orbiter über dem Mars
Bildrechte: ESA/ATG medialab

Lunar X Prize: Wer schafft es 2017 zum Mond?

Den "kleinen Schritt für einen Menschen“, der "ein großer Sprung für die Menschheit“ war – den tat US-Astronaut Neil Armstrong 1969. Heute, fast fünfzig Jahre später, heißt es: Der Mond ist out – lang lebe der Mond! Öffentliche und private Weltraum-Missionen planen wieder mit unserem Erdtrabenten. So will das amerikanische Unternehmen "Moon Express" im Laufe des Jahres als erste Privatfirma auf dem Mond landen und einen Rover einen halben Kilometer über die Oberfläche fahren lassen. Gelingt dies bis zum 31.12.2017, kann das Team den mit dreißig Millionen Dollar dotierten Lunar X Prize gewinnen, den Google ausgelobt hat.
Aber die Konkurrenz ist groß - und die Ausschreibung global. Auch ein Projekt aus Deutschland beteiligt sich diesem Wettlauf.

Unter den Favoriten: Teilzeit-Wissenschaftler aus Deutschland

Das deutsche Projekt heißt "PT Scientists". PT steht dabei für Part Time. Diese "Teilzeit-Wissenschaftler" gehen äußerst professionell an die Sache und gelten mittlerweile als einer der Favoriten. Sie haben mit verschiedenen Partnern ein Landemodul und den Rover entwickelt. Das Landemodul ALINA ("Autonomous Landing and Navigation Module“) wird nicht nur der erste kommerzielle Lander auf dem Markt sein, sondern auch der erste, für den nur europäische Technologie und europäische Zulieferer zum Einsatz kommen. Die Ingenieure des Teams haben den Lander so konstruiert, dass er in verschiedene kostengünstige Trägerraketen passt, die derzeit buchbar sind.

Der Startvertrag für die Rakete wurde auch schon unterschrieben. Ob die Part Time Scientists den Preis gewinnen oder nicht: eines ist gewiss: Wir werden in diesem Jahr noch viel von ihnen hören. Wenn alles klappt, könnten die PTS aus Berlin-Mahlsdorf die Stars des Jahres werden.

Space X: Die Zeit des Weltraum-Tourismus beginnt

Wer zuerst fliegt, bekommt das Geld. Darum geht es auch dem kalifornischen Unternehmen SpaceX, das mit seinen Dragon-Kapseln bereits seit fünf Jahren die Internationale Raumstation mit Nachschub von der Erde versorgt. 2017 soll erstmals die Dragon V2 starten, die zweite Version des "Drachen“.
Mit diesem Vehikel will SpaceX bis zu sieben Passagiere ins All tragen. Es könnte an die Raumstation andocken oder einfach nur die Erde umkreisen und zurückkehren. Die Konfiguration ist ein wenig anders als bei den bisherigen Dragon-Raumschiffen: In den unbemannten Kapseln gibt es Regale für die Nutzlasten, in den bemannten wird es Sitze für die Astronauten geben.

Das Ziel von SpaceX ist es, ein Weltraum-Transportmittel bereitzustellen.

Elon Musk, Chef von SpaceX

Zweimal will SpaceX im neuen Jahr die neue Dragon starten – zunächst zu einem unbemannten Testflug, dann erstmals mit Astronauten. Damit will die Firma ihrem Hauptkonkurrenten, der Boeing Company, zuvor kommen, die ebenfalls in wenigen Monaten ihre neue Kapsel Starliner mit Astronauten Richtung Raumstation schießen will.

Der Weltraum-Tourismus ist für SpaceX-Chef Elon Musk aber nur eine leichte Fingerübung. Sein Ziel ist größer: er träumt vom Mars. Bereits in zwei Jahren will das Unternehmen eine unbemannte Sonde zum Roten Planeten schicken. Ab 2025, so Musks Pläne, sollen die ersten Menschen auf den Mars reisen.

Europa, USA, Rußland, China: Wer ist der Beste und warum ist das wichtig?

Neben der europäischen Raumfahrtagentur ESA, die zusammen mit der russischen Weltraumagentur Roskosmos das Exomars-Projekt vorantreibt, und selbstverständlich der NASA bringt sich jetzt auch China in Stellung als Wettbewerber in Sachen Raumfahrt. Der Weltraumhistoriker Roger Launius vom National Air and Space Museum in Washington D.C. beobachtet die Aktivitäten Chinas im All: "China versucht im Augenblick, langsam eine kleine, eigene Raumstation in der Erdumlaufbahn zu bauen. Vielleicht könnte das Land eines Tag auch Partner an Bord der Internationalen Raumstation werden."

Eine schöne Vision, aber einfach wird das nicht. Zu groß scheint die Konkurrenz zwischen China und den USA zu sein. Bevor die Großmächte wirklich bereit sind zusammenzuarbeiten, werden die nationalen Konflikte erst einmal im Weltraum forgesetzt - ganz in der Tradition des Kalten Krieges. Fragt sich, für wen das eigentlich wichtig ist.

Über diese Thema berichtet Guido Meyer bei MDR Kultur im Radio | 11.01.2017 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 16:07 Uhr