Künstliche Intelligenz So lernen Computer

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Doch was das konkret ist, wissen so ganz genau nur Informatiker und echte Technik-Fans. Was bedeutet es denn eigentlich, wenn davon die Rede ist, dass Computer denken können. Heißt das, dass Maschinen das leisten können, was unser menschliches Gehirn kann?

Künstliche Intelligenz (KI) bedeutet, dass Maschinen - also das, was wir heute als Computer oder Roboter bezeichnen - Daten in sinnvolle Zusammenhänge setzen und aus diesen Daten sogar lernen können. Im Gegensatz zu Software vorheriger Generationen sind bestimmte Ergebnisse also nicht von vorherein einprogrammiert. Sebastian Rudolph vom Institut für Künstliche Intelligenz an der Technischen Universität Dresden benutzt sogar die Formulierung, dass ein bestimmtes Verhalten nicht von vornherein vorprogrammiert ist: "Es ist eher so, dass man eine Menge von Beispielen für ein gewünschtes Verhalten sammelt."

Es gibt quasi eine Trainingsphase, wo der Computer selbst diese Daten verarbeitet und besser wird. Das heißt, der Computer lernt das Verhalten aus Beispielen und ist dann auch in der Lage daraus zu verallgemeinern und Situationen zu meistern, die genauso in den Beispielen nicht enthalten, aber ähnlich sind.

Prof. Sebastian Rudolph, TU Dresden

Um einen Lerneffekt zu erzielen, bilden Informatiker neuronale Netzwerke virtuell nach - ähnlich unserem Gehirn. Virtuelle Synapsen sozusagen, die sich verzweigen und deren Bedeutung je nach gewünschtem Erfolg oder Misserfolg verstärkt oder abgeschwächt wird. Das ist stark inspiriert von der Biologie, erklärt Rudolph: "So bekommt man das dann auch hin, dass der Computer schrittweise besser auf die eingegebenen Daten reagiert."

So entstehen Programme, die auf veränderte Details und je nach Bedarf reagieren. So wie beim Finden der optimalen Route in unseren Navigationssystemen oder bei den Sprachassistenten, die momentan die Haushalte erobern. Allerdings funktioniert dieses Lernen bisher immer innerhalb eng begrenzter Bereiche. Das Programm, der Computer braucht während der Lernphase ein klares Feedback, ob eine Entscheidung richtig oder falsch, gewünscht oder unerwünscht war, erklärt Thomas Ross vom IT-Unternehmen IBM den Lernvorgang von Computern.

Sie können noch nicht einfach so für sich lernen, sondern sie müssen für alles, was man ihnen beibringt explizit angelernt werden. Und die große Herausforderung ist, eben dieses Lernen zu beschleunigen.

Thomas Ross, IBM Deutschland

Um auf Bildern Hunde und Katzen voneinander unterscheiden zu können, brauchen Computer heute noch hunderte oder gar tausende Trainingsversuche und immer wieder die entsprechende Rückmeldung bis brauchbare Ergebnisse zustande kommen. Wohingegen Kinder nur drei Mal eine Katze sehen und dann Bescheid wissen. Es gibt Informatiker, die sagen: Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis künstliche Intelligenz uns ebenbürtig ist. Experten wie Thomas Ross von IBM sind da aber eher vorsichtig: "Ich würde argumentieren, dass wir es noch gar nicht wissen, ob das eine Frage der Zeit ist oder wie groß der Zeitraum ist."

Eine neue Form der Intelligenz

Dass wir auf dem Weg sind, eine neue Form von Intelligenz zu schaffen, das ist unstrittig. Wohin uns dieser Weg führt, weiß niemand. Die Hoffnungen und Visionen sind enorm

Künstliche Intelligenz
Werden menschliche und künstliche Intelligenz in Zukunft verschmelzen? Bildrechte: IMAGO

Prof. Sebastian Rudolph sieht in ganz ferner Zukunfunft eine Art Verschmelzung von menschlicher und künstlicher Intelligenz. Vorstellbar wäre ein besseres Erinnerungsvermögen, eine größere Verfügbarkeit und Abrufbarkeit von Informationen, oder aber dass uns die künstliche Intelligenz völlig neue Möglichkeiten erschließt, die Welt wahrzunehmen, sagt Rudolph: "Dass man eben bionische Wahrnehmungsorgane hat, wo man Licht im Ultraviolett-Spektrum sehen kann. So dass sich die Möglichkeit, die Welt zu erfassen, deutlich erweitert."

Das sind fast schon normale Szenarien innerhalb der Community der künstlichen Intelligenz. Vielleicht wird es uns eines Tages tatsächlich möglich sein, zu verstehen und zu spüren wie Wale oder Fledermäuse die Welt wahrnehmen.

So groß wie die Hoffnungen sind auch die Ängste davor, dass uns künstliche Intelligenz eines Tages überlegen ist oder uns sogar beherrschen könnte. Professor Sebastian Rudolph sieht so ein Vernichtungs- oder Unterwerfungsszenario nicht. Er wüsste nicht, woher das Bedürfnis einer künstlichen Intelligenz kommen sollte, uns beherrschen oder vernichten zu wollen. Für ihn liegt die Gefahr eher darin, dass KI von Menschen missbraucht wird - wie bei jeder anderen Technologie auch.

Also ich denke da an autonome Waffensysteme zum Beispiel oder die Analyse von Profilen in sozialen Netzwerken, um gezielt Wahlergebnisse zu beeinflussen. Da gab es ja auch diverse Beispiele in letzter Zeit.

Thomas Ross von IBM findet es wichtig, diese Risiken im Auge zu haben. Auch die Ängste sollte man Ernst nehmen, meint er. Nur dann könne man mit künstlicher Intelligenz verantwortungsvoll umgehen, so Ross. "Die Konsequenz kann nicht sein, dass wir uns dem Thema KI nicht stellen. Wir müssen uns dem Thema stellen, dann sind wir in der Lage die Risiken anzugehen, die Risiken zu begrenzen." Sicherheit und Ethik müssen dem Experten zufolge ein zentraler Forschungsschwerpunkt bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz sein.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 24. Januar 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2018, 12:56 Uhr