Raumfahrt Leben auf dem Mars? Zwei Missionen wollen das herausfinden

Erst Anfang des Jahres sind drei Missionen am Mars angekommen. Nun sprechen japanische Wissenschaftler über eine Mission, die Marsproben zur Erde bringen soll: die "Martian Moons Exploration"-Mission. Aber auch die NASA und ESA arbeiten an einer Probenrückführungsmission, der "Mars Sample Return"-Mission. Bis spätestens 2030 sollen die Proben bei uns auf der Erde ankommen.

Eine Illustration des "Earth Return Orbiters" der europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Im Hintergrund sind Mars (l.) und Erde (r.) zu erkennen.
Eine Illustration des "Earth Return Orbiters" der europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Im Hintergrund sind Mars (l.) und Erde (r.) zu erkennen. Bildrechte: MDR, ESA, ATG

Gibt es Leben auf dem Mars? Noch in diesem Jahrzehnt könnten wir darauf eine Antwort erhalten. Zwei Raumfahrtmissionen sollen bis Ende der 2020er-Jahre Proben vom Planeten und dessen Mond Phobos zur Erde bringen. Zum einen ist es der Rover Perseverance von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Der hatte zwar beim ersten Versuch kein Glück, der Boden war offenbar zu porös, deshalb blieb der Probenbehälter leer. Aber bei den nächsten Versuchen rechnen die NASA-Forscher mit echtem Gestein. Wobei es beim Einsammeln der Proben erstmal bleibt. Derzeit gibt es keine Möglichkeit, um Proben von der Marsoberfläche in den Weltraum zu befördern.

Proben vom Mars: So sollen sie zur Erde gelangen

Die NASA arbeitet gemeinsam mit der europäischen Raumfahrtbehörde ESA an einer Lösung des Problems. Mit der "Mars Sample Return"-Mission (engl. Mars-Probenrückführung) soll ein Modul auf der Planetenoberfläche landen – ziemlich genau an dem Ort, wo auch der Perseverance-Rover der NASA am 18. Februar 2021 gelandet ist: im Jezero-Krater.

Der Jezero Krater auf dem Mars ist der Landeort der "Mars-2020" Mission. Es ist der eingefärbte Krater in der Mitte des Bildes.
Der Jezero Krater auf dem Mars: Es ist der eingefärbte Krater in der Mitte des Bildes. Bildrechte: Yvette Smith / NASA / JPL-Caltech / ASU

An Bord des Landers soll sich ein 150 Kilogramm schwerer "Fetch Rover" (engl. Abrufwagen) befinden, der die vom Perseverance-Rover abgelegten Marsproben einsammeln soll.

Anschließend wird Fetch zur Landerplattform zurückkehren und die Proben in einen großen Kanister auf dem "Mars Ascent Vehicle" (MAV; engl. Mars-Aufstiegsfahrzeug) laden. Dieses Fahrzeug soll den ersten Start vom Mars durchführen und den Behälter in die Marsumlaufbahn bringen. Das könnte mit einer kleinen Feststoffrakete passieren, wobei das noch nicht genau feststeht.

Künstlerische Darstellung einer Idee, wie eine kleine Rakete mit Gesteins- und Bodenproben von der Marsoberfläche starten könnte. Damit wäre ein zentraler Schritt der Probenrückführung zur Erde geschafft.
Künstlerische Darstellung einer Idee, wie eine kleine Rakete mit Gesteins- und Bodenproben von der Marsoberfläche starten könnte. Damit wäre ein zentraler Schritt der Probenrückführung zur Erde geschafft. Bildrechte: NASA/JPL-Caltech

Im Weltraum wird der "Earth Return Orbiter" der ESA auf die Probe warten und sie einsammeln. Daraufhin werden die Proben in einem Biocontainment-System versiegelt, um eine Kontamination auf der Erde zu verhindern. Wie die Mission genau ablaufen soll, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

In dieser künstlerischen Darstellung sieht man den "Earth Return Orbiter" und die Raumkapsel, in der sich eine Probe vom Mars befinden soll, im Hintergrund erkennt man die Erde (r.).
Eine Illustration des "Earth Return Orbiters" der europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Im Hintergrund kann man die Erde erkennen. Bildrechte: MDR, ESA, ATG

Japans Mission zum Marsmond Phobos

Die zweite Mission, die eine Probe vom Marsmond Phobos zur Erde bringen soll, ist noch nicht gestartet. Im September 2024 soll die "Martian Moons Exploration"-Mission (engl. Erforschung der Marsmonde) der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA von der Erde aus ins Weltall aufbrechen und im August 2025 auf dem Marsmond Phobos landen. Dort soll die Raumsonde bis zu 100 Gramm Gesteins- und Staubproben einsammeln. Anschließend soll sie mehrere Umrundungen um den zweiten und äußeren Marsmond Deimos machen, bevor die Probe 2029 auf der Erde ankommen soll. 

Die Biosignaturen und Biomarker, die möglicherweise im Phobos-Regolith enthalten sind, könnten die Vielfalt und Entwicklung einer potenziellen marsianischen Biosphäre widerspiegeln.

Ryuki Hyodo & Tomohiro Usui

Auf den beiden Marsmonden könnten sich Gesteinsmaterialien befinden, die bei einigen Asteroideneinschlägen auf dem Mars hinaus ins Weltall geschleudert und von den Monden eingefangen wurden. Nach bisherigem Wissensstand der Forscher wird es auf Phobos keine Wasserüberreste geben. Dennoch erhoffen sich die Forscher aufgrund der Mischung der verschiedenen Gesteine spannende Erkenntnisse.

Die Missionen könnten schließlich die Möglichkeit bieten, die unterschiedlichen Evolutionspfade des Lebens auf dem Mars und der Erde zu entschlüsseln.

Ryuki Hyodo & Tomohiro Usui

Beide Missionen können dabei helfen mögliches (mikrobiologisches) Leben auf dem Mars oder seinen Monden zu finden. Falls es denn Leben auf dem Mars je gab und selbst wenn nicht, erklären die japanischen Forscher in ihrer Veröffentlichung, "dann wären diese Missionen absolut wichtig, um zu enträtseln, warum der Mars leblos ist und die Erde Leben hat".