Forschung in Bolivien Heizen Diesel-Partikel das Klima auf?

Ein Forschungs-Zufallsfund beleuchtet die Rolle von Diesel-Abgasen für die Umwelt neu: Ein autofreier Tag in Bolivien zeigte, wie die Luft durch Ruß aus dem Straßenverkehr belastet wird. Annegret Faber berichtet.

Blick auf die Stadt La Paz, im Hintergrund ein Berg, dazwischen dreckige Luft
Bildrechte: Ever Veimar Huanca Lucero

Was für Teilchen schweben eigentlich da oben über den Wolken? Und kommen auch Rußpartikel aus dem Auspuff so hoch? Bisher sind Forscher davon ausgegangen, dass die es nicht schaffen. Allerdings fehlten auch die Daten, sagt der Leipziger Forscher Dr. Markus Hermann vom Leibnitz-Institut für Troposphärenforschung.

Also in Reiseflughöhe und in höheren Höhen gibt es, außer in unserem Flugzeug, keine Messungen. Sie müssen ja da erstmal hinkommen.

Wie messen, in 5.000 bis 15.000 Metern Höhe? Das Leibnitz-Institut für Troposphärenforschung gewinnt regelmäßig mit Hilfe eines Passagierflugzeuges Daten. Ein mit Messinstrumenten bestückter, ganz normaler Linienflieger misst einmal im Monat unterwegs anderem CO2, Feinstaub und auch Ruß. Daten gibt es also, aber nicht die Verbindung zu Dieselruß.

Lächelnder Mann mit Brille
Alfred Wiedensohler Bildrechte: Tilo Arnhold/TROPOS

Eine Studie des Leibniz-Instituts weist nun den Zusammenhang auf. Professor Alfred Wiedensohler, Leiter der Abteilung Experimentelle Aerosol- und Wolkenmikrophysik, sagt: Rußpartikel aus Dieselmotoren tragen deutlich zur Klimaerwärmung bei. Die Daten bekam er letztlich durch einen Zufall. In einer Studie wollte er Langzeittrends verschiedener Partikel in der Luft aufzeigen und zwar nicht in Europa, sondern in der Süd-Hemisphäre, denn da fehlt es ihm zufolge noch an Daten.

Ein internationales Forschungsprojekt sammelt seit 2012  in Bolivien Daten auf Messstationen, die in 3.000 bis über 5.000 Metern Höhe liegen. Im selben Jahr fand in Bolivien eine Volkszählung statt. Am Tag der Zählung blieben die Menschen zuhause, es galt 24 Stunden lang absolutes Autofahrverbot. Dadurch sahen die Forscher, dass 95 Prozent der Rußpartikel  durch den Straßenverkehr entstehen.

Das Ergebnis war beeindruckend: Die Belastung durch Ruß ging an der Straße von etwa 20 auf unter einem Mikrogramm pro Kubikmeter zurück. Das entspricht etwa dem Rückgang von 100 auf vier Prozent. Deutlicher lässt sich die Belastung durch Ruß aus Straßenverkehr nicht demonstrieren.

Alfred Wiedensohler

Nun schaute Wiedensohler sich die Messdaten in den unterschiedlichen Höhen an und verfolgte, wie die winzigen Rußteilchen bis über die Wolken treiben. In Bolivien sei dieser Auftrieb vor allem der Wärme geschuldet.

Durch die Wärme und den Austausch von kalten und warmen Luftschichten  treibt der Ruß also nach oben und bleibt dann dort lange Zeit, so Wiedensohler. Bis zu einem Jahr. Denn da oben regnet es nicht. Die Luft wird nicht ausgewaschen. Das wäre alles kein so großes Problem, wenn Ruß nicht schwarz wäre. Denn die schwarzen Teilchen speichern die Wärme und könnten so den Treibhauseffekt ankurbeln, vermuten die Forscher. 

Bei CO2 und Methan weiß man das viel besser, weil man da bessere Daten hat. Bei schwarzen Kohlenstoff spekuliert man, wie groß der Effekt global ist.

Noch. Die Studie weist nun aber darauf hin: Ruß aus Dieselmotoren treibt bis in die freie Troposphäre, verteilt sich da oben über den gesamten Globus und wird somit zum globalen Problem. Damit könnte nun auch das letzte Argument für den Diesel dahin sein.

Blick auf Millionenstadt La Paz
Die Millionenstadt La Paz liegt auf 3.590 Metern Bildrechte: Kay Weinhold / TROPOS

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 18. Dezember 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2018, 12:06 Uhr

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