Kondensstreifen von Verkehrsflugzeugen am Morgenhimmel über Frankfurt
Kondensstreifen von Verkehrsflugezugen. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Fliegen Klimakiller Kondensstreifen: Schlimmer als Flugzeug-CO2

Flugzeuge haben schon heute einen großen Anteil an der globalen Erwärmung. Bis 2050 könnte sich der Effekt nochmal vervierfachen – wegen Kondensstreifen. Die werden bislang zu wenig beachtet, kritisieren Forscher.

Kondensstreifen von Verkehrsflugzeugen am Morgenhimmel über Frankfurt
Kondensstreifen von Verkehrsflugezugen. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Verschwörungstheoretiker wussten es schon lange: Kondensstreifen von Flugzeugen sind extrem gefährlich. Das bestätigen Wissenschaftler jetzt. Allerdings nicht, weil es sich vermeintlich um Chemtrails handelt. Wie ein Forscherteam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zeigt, tragen die Kondensstreifen erheblich zur Überhitzung des Weltklimas bei.

Vier Weltkarten in denen Farbige Linien von gelb über orange bis rot die Auswirkungen von Luftverkehr für das Weltklima zeigen.
Die Grafik illustriert die Auswirkungen von Kondensstreifen auf das Weltklima. a) zeigt das heutige Flugverkehrsaufkommen. b) steht für den für 2050 erwarteten Luftverkehr. c) zeigt den Strahlungshaushalt durch den für 2050 erwarteten Luftverkehr. d) zeigt den Strahlungshaushalt durch den für 2050 erwarteten Luftverkehr, wenn Kraftstoff effizienter genutzt und die Rußemissionen um 50 Prozent reduziert werden können. Bildrechte: Bock and Burkhardt, Atmos. Chem. Phys., 2019

Verkehrsflugzeuge sind oft in großer Höher unterwegs, wo die Luft sehr kalt ist. Ihre Abgase enthalten Wasserdampf und viele Rußpartikel, an denen das Wasser in der Kälte kondensiert und gefriert. Dadurch entstehen langlebige Eiswolken, die wir als Kondensstreifen sehen.

Diese Eiswolken halten die vom Boden aufsteigende Wärme in der Atmosphäre gefangen. Auf diese Weise kann die Energie nicht ins Weltall entweichen und facht stattdessen die globale Erwärmung an, berichtet das Team um Lisa Bock und Ulrike Burckhardt vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) im Journal Atmospheric Chemistry and Physics.

Große Flughöhe, mehr Kondensstreifen

Dadurch nimmt die überschüssige Wärme in der Atmosphäre stetig zu. Bis 2050 könnte sich dieser Effekt noch einmal verdreifachen. Grundlage davon sind Schätzungen, wonach der Flugverkehr weiterhin deutlich wächst. Deshalb müssen Flugzeuge in Ballungsräumen wie über Europa oder über den USA in größere Höhen ausweichen, um nicht miteinander zu kollidieren. Dort aber entstehen die Eiswolken noch einmal deutlich schneller.

In Plänen zur Reduzierung der Klimafolgen von Luftverkehr werden Kondensstreifen bislang nicht berücksichtigt, kritisieren die Forscher. Dabei seien ihre Effekte stärker, als die der CO2-Emissionen von Flugzeugen. "Es ist wichtig, die erheblichen Auswirkungen von Nicht-CO2-Emissionen zu berücksichtigen", sagt Lisa Bock, die Leiterin der Studie. Das sei etwa beim Corsia-Abkommen nicht der Fall, mit dem die UN einen Emissionshandel für den Luftverkehr einführen will, um dessen Klimaauswirkungen zu reduzieren.

Bessere Abgasreinigung nötig

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist vor allem eine bessere Abgasreinigung für Flugzeugtriebwerke nötig. Mindestens notwendig sei eine 50-prozentige Reduktion von Rußpartikeln. Allerdings würde sogar eine 90-prozentige Reduktion nicht ausreichen, um die Klimawirkung der Kondensstreifen auf die des Jahres 2006 zu begrenzen.

Eine andere Idee sieht vor, den Luftverkehr so umzulenken, dass Regionen umflogen werden, in denen besonders leicht Kondensstreifen entstehen können. Das würde aber wiederum zu höheren CO-2-Emissionen führen und sei deshalb keine Alternative, kritisieren die Forscher.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 15. April 2019 | 06:16 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2019, 16:54 Uhr

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