Kampf gegen Lebensmittelverschwendung Mit dem Foodscanner gegen Lebensmittel-Verschwendung

Wissenschaftler in München haben ein kleines Gerät entwickelt, das helfen soll, verdorbene Lebensmittel richtig zu erkennen. Und all die zu retten, die problemlos verzehrt werden könnten.

Kleine grüne Box mit sichtbarer Platine und Fraunhofer-Logo an der Seite, ringsherum einige Rispentomaten.
Bildrechte: Fraunhofer IOSB

Zehn Jahre. So lange war die Dose Erbsen "drüber", die das ARD-Verbrauchermagazin Der beste Deal vor einigen Monaten im Ersten präsentiert hat. Zustand: in keinster Weise bedenklich. Aber, wer traut sich da schon ran, an zehn Jahre alte Erbsen? Oder die verschrumpelten Tomaten, von vorletzter Woche?

In seiner Studie Das große Wegschmeißen hat der WWF ermittelt, dass pro Minute 19 Tonnen Lebensmittel im Müll landen. Im Jahr sind das zehn Millionen Tonnen – nur in Deutschland. Wissenschaftler verschiedener Fraunhofer-Institute und zwei bayerischer Hochschulen haben nun unsinnig weggeworfenen Lebensmitteln den Kampf angesagt und ein smartes Grät entwickelt, mit dem sich der Verfall von Lebensmitteln schnell überprüfen lässt. Sie nennen es: Foodscanner - ein elektronisches Abtastgerät für Nahrungsmittel. Das ist nicht größer als eine Eieruhr und passt sogar auf die Küchenarmatur.

Das Gerät bestimmt mit einem Nahinfratot-Sensor den Reifegrad eines Nahrungsmittels:

Infrarotlicht wird punktgenau auf das zu untersuchende Produkt geschickt, anschließend misst man das Spektrum des reflektierten Lichts. Die absorbierten Wellenlängen lassen Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung der Ware zu.

Dr. Robin Gruna Projektleiter und Wissenschaftler am Fraunhofer IOSB

Auf diese Weise arbeiten bereits Labor-Sensoren, die es eben jetzt auch für die Hosentasche gibt. Ein weiterer Einsatzbereich sei der Verbraucherschutz: Ob wirklich das drin ist, was drauf steht, ließe sich ermitteln, sobald das Gerät entsprechend trainiert sei. Hilfreich sei das, um etwa festzustellen, ob ein hochwertiges Öl auch wirklich rein ist oder es sich wirklich im Lachs handelt – statt Lachsforelle.

Pizza kann noch nicht getestet werden

Die Daten werden von dem Scanner an eine App gesendet, die nicht nur die Haltbarkeit anzeigt, sondern auch Tipps gibt, wie ein Lebensmittel verwendet werden kann, dessen Haltbarkeit schon abgelaufen ist.

Demnächst soll getestet werden, wie Verbraucher das Gerät annehmen. Ohnehin besteht noch Pontenzial im Funktionsumfang: Bei Mischprodukten aus verschiedenen Zutaten wie Pizza oder fertigen Gerichten lässt sich die Genießbarkeit noch nicht zuverlässig bestimmen. Die dafür notwendige Technologie befindet sich derzeit in der Erforschung.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 02. Januar 2019 | 10:38 Uhr