Rote, gelbe und grüne Paprika
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Kennzeichnung Lebensmittel: Forscher empfehlen Ampel

Das Ende vom Etikettenschwindel? Die Lebensmittel-Ampel soll Verbrauchern auf den ersten Blick zeigen, wenn Essen zu viel Zucker oder Fett enthält. Kritiker halten die Ampel dagegen für grob vereinfachend. Sie werde unserer vielseitigen Ernährung nicht gerecht. Forscher aus Göttingen haben nun tausende zum Studien zum Thema betrachtet. Sie sagen: Die Ampel ist nicht perfekt, aber das beste Kennzeichungs-Instrument, das wir gerade haben.

Rote, gelbe und grüne Paprika
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Neues Jahr, neue Vorsätze - insbesondere zum Jahresbeginn achten wir beim Einkauf vermehrt auf Kalorien, Zucker und Fett. Viele Hersteller platzieren deshalb bestimmte Nährwertangaben prominent auf der Verpackung: Hinweise auf besonders hohen Fruchtanteil oder extra wenig Fett sind ein weitverbreitetes Vermarktungsinstrument geworden. Alle Inhaltsstoffe dürften allerdings die wenigsten Verbraucher prüfen - allein schon aus Zeitgründen.

Warum ist die Lebensmittel-Ampel so umstritten?

Lebensmittelampel mit Angabe der Nährstoffe pro 100 Gramm Nahrung.
So könnte sie aussehen: Die Ampel für Lebensmittel. Bildrechte: Uni Göttingen

Verbraucherschützer fordern deshalb seit Jahren eine einheitliche Kennzeichnung, die Kunden im Supermarkt möglichst schnell über die wichtigsten Inhaltsstoffe informiert. Allerdings bestehen Zweifel, welche Formate dafür am besten geeignet sind.

Ein häufig diskutierter Vorschlag ist die Lebensmittel-Ampel: Rot bedeutet zu viel des Guten, Gelb ist im Rahmen und Grün absolut unbedenklich. Forscher der Universität Göttingen sind nun zu dem Ergebnis gekommen, dass solche Ampeln, die also eine Farbkodierung mit Nährwertangaben verbinden, vielen Konsumenten am besten helfen, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen. Ihre Studie ist in der Fachzeitschrift "Nutrition Reviews" erschienen.

Kritik an der Ampel

Die Ampel für Lebensmittel ist in Deutschland seit Jahren im Gespräch, durchgesetzt hat sie sich nicht. Denn Kritiker mahnen: So einfach ist richtige Ernährung nicht in schlecht, okay und gut zu unterteilen. Der Einzelhandel hält die Ampel gar für irreführend.

Olivenöl in einer Glasschüssel und grüne Oliven.
Ampelzeichen Rot für Olivenöl Bildrechte: IMAGO

So würden ganze Produktgruppen wie etwa Süßwaren regelrecht gebrandmarkt. Zudem treffe es auch ernährungsphysiologisch wertvolle Lebensmittel wie Olivenöl, Nüsse und Butter. Diese würden einen roten Punkt für zu viel Fett bekommen, Vollkornbrot für einen zu hohen Salzgehalt und Obst für den großen Anteil an natürlichem Fruchtzucker. Sogar aus dem Bio-Lager gab es Widerstand gegen die Ampel-Kennzeichnung. Sie werde weder den Produkten noch dem Anspruch der Verbraucher auf wahrheitsgemäße Information gerecht.

Fast 5.000 Fach-Artikel zum Thema

Die Göttinger Forscher der Professur Marketing mit dem Schwerpunkt Konsumentenforschung untersuchten jetzt in einer Meta-Studie, welche persönlichen und situativen Faktoren die Verarbeitung von Nährwertinformationen beeinflussen.

Unsere Studie belegt, dass die Wirksamkeit von Nährwertkennzeichen von der jeweiligen Einkaufssituation abhängt.

Dr. Steffen Jahn, Uni Göttingen

Dafür berücksichtigten sie 4.780 veröffentlichte Fachartikel, von denen sie 59 systematisch auswerteten. Anschließend analysierten sie, was die gewonnenen Erkenntnisse für verschiedene Nährwertkennzeichen-Formate bedeuten.

Wie entscheiden Verbraucher eigentlich?

Bei ihrer Analyse wendeten sie so genannte Zwei-Prozess-Theorien der Informationsverarbeitung an. Diese Theorien formulieren Kriterien, wann Personen ihrer Intuition folgen und wann sie gründlich nachdenken, um eine Entscheidung zu fällen.

Motivierte Verbraucher ohne Zeitdruck nutzen demnach gern detaillierte Informationen, um gesündere Kaufentscheidungen zu treffen. Aber:

In der Mehrheit der Fälle möchten die Menschen keine aufwendigen Vergleiche anstellen oder gar Kopfrechnen. Es gibt nicht die perfekte Kennzeichnung, aber Ampelkennzeichen erleichtern die Informationsverarbeitung und sind daher in vielen Einkaufssituationen das wahrscheinlich am besten geeignete Format.

Dr. Steffen Jahn

Für Otto-Normal-Verbraucher also, so resümiert die Göttinger Studie, ist eine Ampel-Kennzeichnung ein gutes Mittel, um ein Bewusstsein für den Nährwert von Produkten zu schaffen - auch, wenn eine Unterteilung in Rot, Gelb und Grün die Komplexität der Inhaltsstoffe dabei stark vereinfacht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Januar 2018 | 04:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2018, 16:04 Uhr