Wegweiser mit der Aufschrift "Sommerzeit" durchgestrichen, "Winterzeit", Uhr
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Forscher warnen Forscher warnen: Bitte keine ewige Sommerzeit

Wegweiser mit der Aufschrift "Sommerzeit" durchgestrichen, "Winterzeit", Uhr
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4,6 Millionen Europäer haben abgestimmt und die Mehrheit ist gegen einen Wechsel und will die Sommerzeit. Die EU-Kommission sieht das als klares Signal und hat deshalb beschlossen, die Zeitumstellung abzuschaffen.

Die Mitgliedstaaten sollten selbst entscheiden, ob ihre Bürger in Sommer- oder Winterzeit leben sollen.

Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission

Wie das geschehen soll, dafür gibt die Kommission drei Eckpunkte vor:

1. Beendigung der Zeitumstellung in der EU ab 2019

2. Klarer Zeitplan für die Umsetzung der Änderungen

3. Konsultationen auf EU-Ebene, um das Verfahren für alle Länder abzustimmen

Jetzt kommt der Cloxit

Im Sommer eine Stunde vor, im Winter eine Stunde zurück – dass viele Menschen unter der Zeitumstellung leiden, belegen unter anderem Umfragen von deutschen Krankenkassen. Also zurück zur Einheitszeit. Aber welche sollen wir nehmen? Bloß nicht die Sommerzeit, warnen Wissenschaftler. Denn das könnte fatale Folgen haben.

Die drastischsten Worte dazu findet Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München gegenüber der dpa. Stelle man die Uhren ganzjährig auf Sommerzeit um, werde es "riesige Probleme geben", warnt er vor dem "Cloxit", wie die Änderung der Zeitumstellung mittlerweile bereits genannt wird.

Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme - das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger.

Till Roenneberg, Chronobiologe

Roenneberg prognostiziert außerdem: "Jedes Land, das das nicht macht, wird uns akademisch überholen." Denn vor allem Schüler und Studenten seien betroffen, weil Lernen und das Gelernte zu verarbeiten bei zu wenig Schlaf stark eingeschränkt werde. Eine französische Studie hatte erst im Jahr 2017 gezeigt, dass schlechter Schlaf sich in den Leistungen widerspiegelt. Bei dauerhafter Sommerzeit aber müsse man an deutlich mehr Tagen im Dunklen aufstehen, sagt Roenneberg: "Je nach Wohnort haben sie sechs Wochen mehr dunkle Schulwege morgens."

Winterzeit entspricht uns besser

"Wenn die Umfrage im Winter gewesen wäre, hätten wahrscheinlich viele für die Winterzeit plädiert", sagt Ingo Fietze von der Berliner Charité. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht sich für eine dauerhafte "Normalzeit" aus. "Die bisherige Winterzeit entspricht den Verhältnissen, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten ist", sagt der DGSM-Vorsitzende Alfred Wiater. "Wenn wir im Winter am Morgen länger der Dunkelheit ausgesetzt sind, werden wir schlechter wach", sagt Wiater. Das könne Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen und zu mehr Fehlern in der Schule und im Job führen sowie Unfälle begünstigen.

dpa/gp

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Fernsehen | 31. August 2018 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2018, 13:54 Uhr