Chefin weibliche Führungskraft
In der aktuellen Studie investierten Teamleiterinnen mehr Zeit in ihre Leitungsaufgaben, als ihre männlichen Konterparts. Davon profitierten vor allem die Teammitglieder. Bildrechte: IMAGO/PhotoAlto

Führungspositionen Frauen als Chef: Und alle haben mehr Erfolg

Eine deutsch-italienische Unistudie zeigt: Unter weiblicher Führung leisten studentische Arbeitsgruppen mehr, als die von männlichen Chefs. Untergebene Männer sahen die Arbeit ihrer Chefinnen dennoch kritisch.

von Clemens Haug

Chefin weibliche Führungskraft
In der aktuellen Studie investierten Teamleiterinnen mehr Zeit in ihre Leitungsaufgaben, als ihre männlichen Konterparts. Davon profitierten vor allem die Teammitglieder. Bildrechte: IMAGO/PhotoAlto

Sind Frauen die besseren Chefs? Es gibt etliche Studien, die das bereits belegen. Jetzt kommt auch eine Untersuchung des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zu diesem Ergebnis: Bei einem Experiment an einer italienischen Universität durften 430 freiwillig teilnehmende Studenten einen Teil ihrer Prüfung im Team erledigen. Wer unter einer weiblichen Teamleitung arbeiten durfte, hatte Glück, die Teilnehmer schnitten signifikant besser ab.

Die Studenten hatten in Dreierteams gearbeitet, deren Zusammensetzung und Leitung ausgelost worden waren. Die Teamleiterinnen und –leiter sollten Arbeitstreffen organisieren und die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung koordinieren. Als besonderer Arbeitsanreiz wurden den Führungskräften zusätzliche Pluspunkte in Aussicht gestellt, sollte ihr Team gut abschneiden.

Gleiche Zeit - bessere Leistung

Sowohl weibliche als auch männliche Chefs investierten die gleiche Menge an Zeit in ihre Gruppen. Dennoch zeigten die Mitglieder weiblich geführter Teams die besseren Leistungen. Besonders Frauen profitierten offenbar von einer Chefin, sie liefen in dieser Konstellation fast immer zu besserer Form auf, als in männlich geführten Gruppen.

Die Chefinnen selbst blieben meist hinter den Leistungen ihrer weiblichen Teammitglieder zurück. Die Forscher erklären sich das damit, dass die Frauen mehr Zeit und Energie in ihre Arbeit als Teamleitung steckten. Darunter litt ihr eigenes Lernpensum. Sie empfanden den Zeitaufwand für die Gruppenarbeit auch als belastender als ihre männlichen Gegenparts. Zudem beurteilten sie die Leistungen ihrer Gruppenmitglieder kritischer.

Männer haben immer noch Vorbehalte

Die Männer wiederum bewerteten ihre Chefinnen tendenziell schlechter als ihre Chefs. "Männer scheinen immer noch Vorbehalte gegen weibliche Führung zu haben, obwohl – oder vielleicht gerade weil – diese sich als besonders effektiv erweisen kann", sagt Vincenzo Scoppa von der Universität Kalabrien, der als einer der Forscher an der Studie gearbeitet hat.

Er und seine Kolleginnen Maria De Paola und Francesca Gioia vermuten, dass Frauen mit ihrem Führungsstil besser motivieren können und mehr Organisationstalent haben. In kooperativ geprägten Umgebungen sei das ein Vorteil.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 05. Mai 2017 | 10:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2018, 17:15 Uhr