Warum wir Frühjahrsputz machen Der Dreck muss weg

Im Frühjahr gibt es eine schöne Tradition - und die heißt Frühjahrsputz. Das heißt, es wird viel intensiver und gründlicher saubergemacht als sonst. Frühjahrsputz bedeutet, es findet ein General-Reinemachen statt. Nicht nur das Klo ist dran, sondern auch auf dem Schlafzimmerschrank wird gewischt - und in vielen Ecken mehr, in die sonst eher selten mal ein Lappen hinkommt.

Hände und Wischlappen beim Fensterputzen
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Frühjahrsputz gibt es wahrscheinlich so lange wie sich die Menschen Häuser gebaut haben. Die nachvollziehbarste These ist die, dass mit den wärmeren Temperaturen Fenster und Türen endlich wieder geöffnet werden konnten und der ganze Ruß und Dreck von den offenen Feuerstellen entfernt worden ist. Diese These teilt auch Claudia Forster-Bard, Vorsitzende vom Bundesverband Hauswirtschaftlicher Berufe:

Das ist auch die logische Erklärung, dass zum einen der Schmutz raus muss, der sich durch die Feuerstellen, das Heizen angesammelt hat. Es war ja auch noch lange, dass die Menschen noch mit Kohle geheizt haben.

Im Süden, dort, wo es eher warm wird als bei uns, begann der Frühjahrsputz früher. Die Römer fingen im Februar an. Der Monat wurde nicht ohne Grund nach dem Reinigungsfest Februa genannt.  

Da liegt wahrscheinlich der Ursprung des Rituals, das dazu führte, dass noch unsere Eltern und Urgroßeltern im Frühjahr die Schränke von den Wänden rückten, den Teppich in den Schnee legten und ausklopften.

Eine völlig neue Dimension und einen völlig neuen Sinn bekam das Saubermachen im 19 Jarhundert, mit der Entdeckung der Bakterien, der Keime, sagt der Medizinhistoriker Prof. Florian Steger:

Also diese epochale Wende - 19. Jahrhundert: Hygiene wird eine öffentliche Aufgabe, die weit über die Medizin hinausreicht. Eine Aufgabe von allen Bürgern für alle Bürger, damit Gesundheit zum Schluß rauskommt.

Junge Frau sitzt mit Staubsauger und Putzzeug vor einer Waschmaschine
Es ist ein gutes Gefühl, wenn der Frühjahrsputz endlich geschaftt ist - aber warúm eigentlich? Bildrechte: Colourbox.de

Ordnung und Sauberkeit als Bürgerpflicht. Wahrscheinlich nahmen es die Preußen damit genauer als andere. Denn seitdem gelten diese Tugenden als typisch deutsch. Es war die Zeit als sich die Kanalisationen in den Städten durchsetzten, genau wie die Straßenreinigung und der Kehrplan für das Treppenhaus. Ordnung bedeutet für viele von uns die Dinge im Griff zu haben, sagt Claudia Forster Bard:

Tatsächlich identifizieren sich viele Menschen über Sauberkeit, von sich selbst, ihres Hauses, ihrer Wohnung und demonstrieren damit: Ich bin ein guter Mensch. Ich glaub, das ist was typisch Deutsches.

Trotzdem verliert hierzulande der konzertierte, gesellschaftliche Höhepunkt Frühjahrsputz immer mehr an Bedeutung. Das hat mehrere Gründe. Zum einen heizt kaum noch jemand mit Kohle, zum anderen putzen und polieren wir das ganze Jahr, verfügen überall über fließend Wasser, leisten uns Putzfrauen, Staubsauger, Waschmaschinen, Kärcher und Co. Und wir werfen auch viele Dinge schneller weg. Wenn ein Teppich richtige Flecke hat, dann kommt ein neuer. Da war man früher nicht so schnell.

Die These wir Deutschen seien besonders reinlich gilt vielen als einer DER populären Irrtümer. Ja, auf die Toiletten legen wir großen Wert - außer auf den Autobahnen - und auf die Fußböden und die Fenster.

Aber die wahren Keimmetropolen - unsere Computertastaturen, die Knöpfe an den Kaffeemaschinen oder unsere Kühlschränke, die vernachlässigen wir oft stiefmütterlich, weiß Claudia Forster Bard, die Vorsitzende vom Bundesverband hauswirtschaftlicher Berufe:

Also vom Fußboden könnte man dann essen, aber der Kühlschrank ist höchst lebendig ... 

Das könnte ein kleiner Wink mit dem Zahlpfahl an die deutschen Männer sein, sich regelmäßig um den Kühlschrank zu kümmern bevor sie das Bier reinstellen. Rein statistisch verbringt bei uns eine Frau doppelt so viel Zeit für Hausarbeit wie ein Mann.