Paläontologie Schon Frühmenschen starben durch Klimawandel aus

Ob Homo erectus oder Neandertaler - offenbar hatten schon die Vorgänger des modernen Menschen mit Klimawandeln zu kämpfen und sind ihnen letztlich zum Opfer gefallen. Das haben Klimamodelle und Fossiliendaten ergeben.

Frühmensch Aussterben
Bildrechte: imago/ZUMA Press

Der derzeitige und besonders der künftige Klimawandel sind die größten Herausforderungen für die Menschheit. Doch auch schon die Vorgänger des Homo sapiens hatten mit Veränderungen des Klimas zu kämpfen - die am Ende wahrscheinlich zu ihrem Aussterben führten. Das haben italienische Forscher um Pasquale Raia von der Universität Neapel herausgefunden. Ihre Studie dazu erschien im Fachmagazin "One Earth".

Konkurrenz mit Homo sapiens verschlimmerte Situation für Neandertaler

Die Experten nutzten 15 Klimamodelle, um Daten etwa zu Temperatur und Regen der vergangenen fünf Millionen Jahre zu erhalten. Die Informationen verknüpften sie mit insgesamt 2.750 archäologischen Aufzeichnungen, die ein Bild der jeweiligen klimatischen Nische unserer Vorfahren zeichnen ließen. Damit konnte untersucht werden, welches Klima die Frühmenschen bevorzugten und wie sie auf klimatische Veränderungen reagierten.

So konnte mit großer Sicherheit bewiesen werden, dass Homo erectus, Homo heidelbergensis und der Neandertaler ihre klimatische Nische verloren, bevor sie ausstarben. Dies ging wiederum einher mit Veränderungen im globalen Klima. Bei den Neandertalern wurde die Situation noch durch die Konkurrenz mit dem Homo sapiens verschlimmert. "Wir waren überrascht, wie regelmäßig sich die Auswirkungen des Klimawandels zeigten", erklärt Raia.

Auch technische Innovationen retteten Frühmenschen nicht

Für die jeweilige Spezies sei klar gewesen, dass die klimatischen Bedingungen irgendwann zu extrem wurden. Und das, obwohl unsere Vorgänger bereits teilweise technische Innovationen wie das Feuer und Steinwerkzeuge benutzten - und im Falle der Neandertaler sogar geklebte Speerspitzen, passende Kleidung und den genetischen Austausch mit Homo sapiens. "Als das Klima kälter wurde, haben die Frühmenschen wirklich intensiv nach wärmeren Orten gesucht", betont Raia. "Aber es hat am Ende einfach nicht gereicht."

Eine gewisse Unsicherheit gebe es etwa bei der Datierung von Fossilien und der Rekonstruktion von früheren Klimata, so der Experte, aber die wichtigsten Resultate der Studie seien gut belegt. Raia möchte sie auch als eine Warnung an die heutigen Menschen verstanden wissen, die ebenfalls mit einem bedeutenden Klimawandel konfrontiert sind - in diesem Fall sogar selbstverursacht.

Der Paläontologe Pasquale Raia
Pasquale Raia. Bildrechte: Pasquale Raia

Es ist beunruhigend, dass unsere Vorfahren, die nicht weniger mentale Stärke als andere Spezies hatten, nicht dem Klimawandel standhalten konnten. Dieser hat die Menschen bereits in der Vergangenheit verletzlich gemacht und das könnte gerade wieder geschehen.

Pasquale Raia, Studienautor

cdi

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