Martin Männel (FC Erzgebirge Aue) verletzt, ein Arzt untersucht ihn.
Aues Torwart Martin Männl verletzte sich Anfang November in Heidenheim am Knie und musste einen Spieltag aussetzen. Bildrechte: imago/foto2press

Mehr Verletzungen Fußball wird gefährlicher

Sport ist Mord – sagt ein Sprichwort überspitzt. Eine englische Studie zeigt jetzt, dass die Gefahr von Verletzungen im Profifußball steigt. Inzwischen fallen Profis auf der Insel pro Saison zwei Mal verletzungsbedingt aus.

Martin Männel (FC Erzgebirge Aue) verletzt, ein Arzt untersucht ihn.
Aues Torwart Martin Männl verletzte sich Anfang November in Heidenheim am Knie und musste einen Spieltag aussetzen. Bildrechte: imago/foto2press

2001 gab es die bisher letzte Studie zu Verletzungen im britischen Profifußball. Zeit wieder nachzuschauen, sagten sich die Forscher der Leeds-Beckett-Universität in Yorkshire/Großbritannien. Unter dem Titel "Epidemiologie der Verletzungen bei englischen Profifußballspielern" starteten sie eine neue Studie und untersuchten in der Saison 2015/2016 insgesamt 243 Fußballprofis aus der 2. bis 4. englischen Fußballliga.

Das Ergebnis: Seit 2001 ist das Verletzungsrisiko um 40 Prozent gestiegen. Gab es vor 17 Jahren im Schnitt 1,3 Verletzungen pro Jahr und Spieler, so fallen die Spieler jetzt zwei Mal pro Jahr verletzungsbedingt aus.

Marco Hartmann (6, Dresden) musste wegen Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden.
Marco Hartmann von Dynamo Dresden mit einer Oberschenkel-Verletzung. Laut der britischen Studie die häufigste Fußballverletzung. Bildrechte: imago/Picture Point LE

Verletzungen in Zahlen Insgesamt zählten die Forscher 473 Verletzungen. Beim Training rund sieben Verletzungen pro 1.000 Stunden. Im Spielbetrieb 24 pro 1.000 Stunden. Jede dritte Verletzung betraf den Oberschenkel, so viele wie kein anderes Körperteil. Die meisten (41 Prozent) waren Muskelverletzungen. Die Spieler fielen dadurch insgesamt für 9.189 Tage aus.

Die meisten Verletzungen treten im Dezember und Januar auf. In England gibt es keine Winterpause. Und über die Feiertage gibt es sogar drei Termine in sechs Tagen. Je kürzer die Erholungsphasen, desto höher das Verletzungsrisiko, so erklärte Wolfgang Potthast, Professor für Biomechanik an der Deutschen Sporthochschule in Köln, die Zahlen gegenüber dem Deutschlandfunk.

Dort, wo der effektive Kader klein ist, man hohe Trainingsbelastung und hohe Spielbelastung hat, da hat man dann auch mehr Verletzungen pro Spieler pro Stunde. Das wissen wir sehr genau.

Wolfgang Potthast, Deutsche Sporthochschule Köln Dlf

Nach Angaben von Potthast gibt es in Deutschland keine vergleichbaren Studien. Er wünscht sich solche Untersuchungen nicht erst im Ligabetrieb, sondern schon beim Nachwuchs. Und da seien bisher nur wenige Bundesliga-Klubs dabei.

Wir wissen, dass es auch in den Jugendklassen inzwischen mehr Verletzungen gibt. Wenn wir wollen, dass die sich nicht verletzen und nicht mit 17 ausscheiden müssen, weil sie verletzt sind, dann müssen wir erst einmal verstehen, welche Arten von Verletzungen es gibt und welche Verletzungen wie häufig auftreten.

Wolfgang Potthast, Deutsche Sporthochschule Köln Dlf

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 24. November 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2018, 15:51 Uhr