Entbindung Sanfte Geburt für Frühchen durch neuen Geburtstisch

Frühchen kommen oft per Kaiserschnitt zur Welt, werden sehr schnell abgenabelt und von der Mutter getrennt, um weiterversorgt zu werden. Dabei sind die ersten Minuten mit der Mutter sehr wichtig für die Entwicklung des Kindes und für ihre Bindung zueinander. Außerdem birgt ein zu frühes Abnabeln auch Gefahren für Schädigungen. Ein neuartiger Geburtstisch ermöglicht die Versorgung des Frühchens direkt bei der Mutter. Er wird in der Uniklinik Dresden erstmals in Deutschland getestet.

Erblickt ein Baby das grelle Licht der Welt, ist es noch durch die Nabelschnur mit der Mutter verbunden und wird darüber mit Sauerstoff versorgt. Abgenabelt wird es normalerweise erst, wenn es selbständig die ersten Atemzüge gemacht hat. Bei Frühchen, die meist durch einen Kaiserschnitt entbunden werden, ist das leider nicht der Fall. Weil sie noch so klein und "unreif" sind, muss meist schnell gehandelt werden. Sie werden sofort abgenabelt und an einem anderen Ort weiterbehandelt. Eine ausreichende Atmungsaktivität stellt sich aber oft erst nach einigen Minuten ein. Das Frühchen wird also nun weder über die Nabelschnur noch über die eigenen Lungen versorgt. Das kann Gefahren für das Neugeborene bergen und zu langfristigen Schäden führen.

Notwendige Versorgung direkt bei Mama

Diese Schäden sollen künftig durch eine bessere Erstversorgung im Kreißsaal minimiert bzw. vermieden werden. Möglich macht das ein neuartiger Geburtstisch, der jetzt erstmalig in Deutschland am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden getestet wird. Der "Concord Birth Trolley" wurde im niederländischen Leiden von einer Arbeitsgruppe um Prof. Arhan te Pas entwickelt. Der Tisch ermöglicht es, dem Frühchen die notwendige medizinische Versorgung zuteilwerden zu lassen, während es noch durch die Nabelschnur mit der Mutter verbunden ist.

Zwei Männer in Ärztekitteln stehen in einem Gang in einem Krankenhaus vor einem Tisch mit einer Plastikpuppe darauf.
Prof. Mario Rüdiger (r.) und Oberarzt Dr. Cahit Birdir zeigen den Geburtstisch "Concord Birth Trolley" Bildrechte: UKD/Marc Eisele

Diese neue Methode ist ein Meilenstein in der perinatalen Medizin. Die innovative Infrastruktur ermöglicht mit dem interdisziplinären Team auch den unreifen Frühgeborenen einen optimalen Start ins Leben.

Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand Universitätsklinikum Dresden

Diesen optimalen Start hatte die kleine Maira am 19. März 2021. Sie kam in der 34. Schwangerschaftswoche mit einem Gewicht von 1.975 Gramm zur Welt.

Puneet (l.) und Soni präsentieren stolz Maira, auf Papas Arm, und Avik.
Puneet (l.) und Soni präsentieren stolz Maira (auf Papas Arm) und Avik. Bildrechte: UKD/Annechristin Bonß

Ihr Zwillingsbruder Avik wog 2.040 Gramm. Beide wurden durch einen Kaiserschnitt entbunden. Während Avik in einem Nebenraum des Kreissaals versorgt wurde, blieb Maira auf dem Geburtstisch direkt bei der Mutter und wurde dort stabilisiert. Dass Maira in diesen ersten Minuten noch mit ihr verbunden war, ist nicht nur schön für die beiden. Auch Andrea Ramsell vom Deutschen Hebammenverband begrüßt das sehr.

Grundsätzlich wissen wir, dass der Kontakt zur Mutter immens wichtig ist, für jedes Neugeborene. Auch reifen Neugeborenen, die von der Geburt gestresst sind, tut es gut, später abgenabelt zu werden. Das sind Beobachtungen aus der Praxis. Ich kann ich mir gut vorstellen, dass es eine erfolgversprechende Methode ist.

Andrea Ramsell, Hebammenverband

In den nächsten Jahren werden die Dresdner Geburtsmedizinerinnen und -mediziner den Einsatz des Tisches dokumentieren und herausfinden welche Vorteile er konkret bringt. Studien zeigen jedenfalls, wie wichtig der erste Kontakt ist. Das Stillen klappt dann deutlich besser. Für die Bindung zu den Eltern soll es eine große Rolle spielen, für das Nervensystem und auch für die Organisation des motorischen Systems. Und den Müttern und Vätern soll es der Studie zufolge auch besser gehen. Statt Angst vor dem Inkubator und Hilflosigkeit, weil das Frühchen nicht gleich bei den Eltern sein kann, hätten sie ein größeres Gefühl der Sicherheit.

Nähe ist wesentlich

Auch Yvonne Haase hat ihre kleine Tochter Mathilda auf dem neuen Geburtstisch entbunden. 1.800 Gramm – damit gehört sie zu den reifen Frühgeborenen.

Dann war sie neben mir. Auf meiner linken Seite der Tisch, also haben die Ärzte mit ihr Halt gemacht und ich konnte ihr gefühlt fünf Minuten lang den Nacken streicheln und sie spüren. Das war für mich ganz wesentlich.

Yvonne Haase, Mutter von Mathilda

Die Nähe zur Mutter hat Mathilda jetzt täglich. Sie ist zu Hause und lässt sich von zwei großen Schwestern bestaunen. Noch bekommt sie das Fläschchen, weil sie zum Stillen noch zu schwach ist, aber bald wollen sie damit beginnen. Das ist der nächste große Schritt für das kleine Mädchen. Den ersten, die Geburt, hat Mathilda schon gemeistert und vielleicht hat der kleine Unterschied eines Tisches eine große Auswirkung auf sie gehabt.

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