Klimawandel Überlebenskünstler Gecko

Heiß, heißer, Australische Wüste. Bis zu 50 Grad Celsius und sehr wenig Niederschlag - die Wüsten des Kontinents werden unter die sogenannten "Hot Deserts" gezählt, bieten also extrem heiße und damit auch lebensfeindliche Umweltbedingungen. Ein kleiner Gecko hat nun gezeigt, dass Wüstentiere widerstandfähiger sind als gedacht.

Großaufnahme eines Namibgeckos (Pachydactylus rangei)
Auch der Namibgecko - einen Verwandten der australischen Art Gehyra variegata - muss sich künftig an Umweltveränderungen anpassen. Bildrechte: IMAGO

Er ist nur ein kleiner nachtaktiver Gecko unter dutzenden: Gehyra variegata. Doch diese Art, die nur auf dem australischen Festland zu finden ist, macht Hoffnung, was das mögliche Aussterben von Tierarten durch den Klimawandel betrifft. Denn wenn die Erderwärmung weiter voranschreitet und Wüsten noch heißer und trockener werden, müssen Tier- und Pflanzenarten reagieren. Wie genau, ist da die Frage. Forscher sagen: Einige Arten werden ihr Verbreitungsgebiet wohl verschieben, andere vielleicht aussterben, weil sie die Anpassung nicht schaffen. Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ) wollten herausfinden, was mit einzelnen Tierarten passiert.

Wüstengecko Gehyra variegata
Bildrechte: IMAGO

Ihr Untersuchungsobjekt: ein kleiner Gecko in der australischen Wüste. Seit den 1980er Jahren untersuchen Wissenschaftler von der UFZ-Abteilung Naturschutzforschung Gehyra variegata. Im Kinchega Nationalpark im Osten Australiens haben sie mehr als 30 Jahre lang immer wieder Reptilien gefangen, vermessen, zu Identifikationszwecken fotografiert und - dann mit einer Markierung versehen - wieder freigelassen. Diese Informationen haben die UFZ-Forscherinnen und -forscher nun in Beziehung zu den Witterungsverhältnissen vor Ort, aber auch zu globalen Klimaphänomenen gesetzt - und sind dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen, die sie in der Zeitschrift "Ecological Monographs" veröffentlicht haben:

Wir hatten erwartet, dass sich sowohl höhere Temperaturen als auch größere Trockenheit negativ auf die Tiere und ihre Bestände auswirken würden. Bei unseren Geckos haben wir aber festgestellt, dass sie gerade in heißen Jahren besonders gut wachsen und überleben. Sie sind dann also in besserer Verfassung und der Bestand nimmt eher zu als ab.

Annegret Grimm-Seyfarth, UFZ
Ein ausgewachsener Gecko mit einem kleinen Rucksack, in dem ein Passivsender am Körper des Tieres angebracht wurde. Dieser kann den Aufenthaltsort und die Körpertemperatur übermitteln.
Bildrechte: UFZ/Annegret Grimm-Seyfarth

Das Ergebnis verwunderte die Forscher - zumal auch Reptilien ein gewisses Maß an Feuchtigkeit brauchen, damit zum Beispiel die Ei-Entwicklung und die Häutung richtig funktionieren. Wenn die Tiere austrocknen, wird es für sie lebensgefährlich. Und das Gleiche gilt auch, wenn sie infolge zu hoher Temperaturen überhitzen. Weshalb aber nun die gute Entwicklung in heißen Jahren? Um das herauszufinden, haben die Forscher das Verhalten der Reptilien beobachtet und ihre Körpertemperatur gemessen. Nachts mit einem Infrarot-Thermometer und tagsüber - um die Geckos auch in ihren Ruheplätzen aufspüren zu können - mit kleinen Passivsendern. Dazu haben die Wissenschaftler den nur fünf Zentimeter langen Echsen kleine Rucksäcke gebastelt. Der darin befindliche Chip verriet Aufenthaltsort und Körpertemperatur.

Das Ergebnis: Geckos wählen trotz der Wüstenhitze nicht etwa besonders kühle Stellen aus. 30 bis 35 Grad Celsius sollte das Refugium schon haben. Laut der Forscher brauchen sie diese hohen Temperaturen, um ihre Nahrung richtig verdauen zu können. Also krabbeln sie mitunter gezielt in besonders sonnenexponierte Äste. In einem eher kühlen Jahr haben die UFZ-Mitarbeiter zu ihrer Verblüffung sogar beobachtet, dass die Geckos ihren Baum verließen und Sonnenbäder nahmen. Diese Suche nach genügend Wärme aber kostet Energie. Und wenn sie nicht erfolgreich ist, funktioniert die Verdauung nicht optimal. Das könnte der Grund dafür sein, dass sich kühle Jahre eher negativ auf die Geckos auswirken.

Was heißt das jetzt in Bezug auf den Klimawandel?

Die Biologin Annegret Grimm-Seyfarth auf der Suche nach den Tagesverstecken der Geckos in einem Eukalyptusbaum. Mit einer Radiofrequenzantenne werden die Individuen, die mit einem Passivsender ausgestattet wurden, angepeilt
Bildrechte: Jean-Baptiste Mihoub

Die Ergebnisse aus den jahrzehntelang gesammelten Daten zeigen: Geckos können sowohl ein Hitze-, als auch ein Dürreproblem bis zu einem gewissen Grad kompensieren. In trockenen Jahren magern die Tiere zwar ab. Ihre Bestände aber schrumpfen trotzdem nicht. Laut der Forscher liegt das daran, dass sie in schlechten Zeiten ihr Wachstum und ihre Vermehrung zurückfahren und sich ganz darauf konzentrieren, bis ins nächste Jahr zu überleben. Da diese Reptilien mit bis zu 28 Jahren ungewöhnlich alt werden, können sie sich die eine oder andere verlorene Fortpflanzungssaison problemlos leisten. Und wenn die Zeiten wieder besser sind, holen sie das Versäumte nach.

Auch wenn der Klimawandel die Lebensbedingungen für die Geckos verschlechtert, werden sie also wohl kaum gleich aussterben. Und diese optimistische Botschaft dürfte nach Einschätzung der UFZ-Forscher durchaus auch für andere langlebige Wüstentiere gelten. Ein Freibrief, den Klimawandel einfach laufen zu lassen, ist das aber trotzdem nicht. Wenn mehrere sehr trockene Jahre aufeinander folgen, können die Tiere das nicht mehr abpuffern, sagen die Forscher. Irgendwann ist dann auch der hartgesottenste Überlebenskünstler am Ende.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 30. Januar 2018 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2019, 09:54 Uhr