Illustration eines Hippocampus
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Denkste Auch im Alter erneuert sich unser Gehirn

Da wächst nichts nach! Wir müssen mit den Zellen auskommen, die wir bis zum Erwachsenenalter bekommen haben. Das war lange Zeit die Meinung, wenn es um unsere Nervenzellen im Gehirn ging. Inzwischen wissen wir, dass Neuronen nachwachsen können. Zwei neue Studien legen jetzt nahe, dass das auch bis ins hohe Alter möglich ist. Vor allem im Hippocampus, einer zentralen Schaltzentrale unseres Gehirns. Und das könnte eine Waffe gegen Alzheimer sein.

Illustration eines Hippocampus
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Lebenslange Hippocampus-Neurogenese, so beschreiben  die Forscher um Guo-li Ming  und Hongjun Song von der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania die Ergebnisse ihrer Studie, die im Fachblatt "Cell" veröffentlicht wurden. Das Team hatte mit Mäusen geforscht und herausgefunden, dass es eine Reihe sogenannter neuronaler Vorläuferzellen im Hippocampus gibt, die dazu beitragen, dass unser ganzes Leben lang Neurogenese möglich ist, also neue Nervenzellen entstehen können.

Gehirnzellen von Mäusen
Die Forscher markierten die Nervenzellen im Hippocampus der Maus, um ihre Entwicklung verfolgen zu können. Bildrechte: Berg. et. al./Cell

Unser Gehirn besitzt also die Fähigkeit "zur kontinuierlichen Verbesserung, Anpassung und Integration neuer Zellen", sagt Hongjun Song.

Dies stellt sich als sehr wichtig heraus, weil der Hippocampus bekanntermaßen für das Lernen, das Gedächtnis und die Stimmungsregulation wichtig ist.

Hongjun Song University of Pennsylvania

Frühere Studien hätten bereits gezeigt, so Song weiter, dass bestimmte Teile des Gehirns wie die Riechknolle und der Hippocampus Neuronen bilden können. Dem Forscherteam der University of Pennsylvania gelang nun erstmals der Nachweis, dass dieser Prozess ein Leben lang andauert. "Wenn wir diese Fähigkeit und diesen Mechanismus nutzen könnten, könnten wir möglicherweise auch Teile des Gehirns reparieren und regenerieren", so die leitende Autorin der Studie Guo-li Ming.

Neue Nervenzellen gegen Alzheimer?

Welche Bedeutung die Bildung neuer Neuronen etwa bei der Alzheimer-Forschung hat, zeigt die neue Untersuchung von Forschern der Autonomen Universität Madrid. Für ihre Studie nutzten die Neurowissenschaftler Hippocampus-Gewebeproben von 13 gesunden Personen und 45 Alzheimer-Patienten, die ihr Gehirn nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung gestellt hatten. Ergebnis: In den Gehirnen der gesunden Patienten fanden sie tausende unterschiedlich entwickelte Neuronen, die eine Neurogenese ermöglichen. Selbst bei Probanden im Alter von 90 Jahren waren sie vorhanden, wenn auch in leicht abnehmender Zahl.

Dagegen zeigte sich in den Proben der Alzheimer-Patienten, dass die Fähigkeit neue Neuronen zu bilden mit fortschreitender Krankheit immer stärker abnahm. Dies belege, so die Forscher in ihrer Veröffentlichung im Fachblatt "Nature", dass die Beeinträchtigung der Neurogenese ein wichtiger Mechanismus ist, der den Gedächtnisdefiziten bei Alzheimer zugrunde liegt. Und im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn wir den Prozess verstehen und beeinflussen können, ergeben sich möglicherweise neue therapeutischen Strategien gegen die Demenzerkrankung.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 27. März 2019 | 05:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2019, 11:20 Uhr