Equal Pay Day 18 Prozent: So groß ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bis heute

Wenn es ums Geld geht, hört nicht nur die Freundschaft auf, sondern auch die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Das Statistische Bundesamt hat errechnet: Frauen verdienen unverändert 18 Prozent weniger als Männer. Der Equal Pay Day macht am 7. März 2022 symbolisch auf diese Lücke aufmerksam. Denn es ist der Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland unentgeltlich arbeiten müssten, wenn sie ab diesem Tag die gleiche Summe wie die Männer bekommen würden.

Frau- und Mannfiguren auf unterschiedlich hohen Geldstapeln
Gleiche Arbeit, gleiches Geld? Bildrechte: IMAGO / IlluPics

Über den kleinen Unterschied bin ich vor gut zehn Jahren eher zufällig gestolpert. Ich werde mal wieder für einen Workshop angefragt. Als ich sage, "gut, mache ich gerne, ich nehme so viel wie Kollege X," kontert mein Gegenüber mit hochgezogenen Augenbrauen: "Wieso, du hast doch schon deinen Tagessatz?" "Genau," sage ich, "deshalb, nehme ich diesmal für den Workshop genauso viel wie der Kollege." Ich mache den gleichen Job, bin gleich qualifiziert, ich habe gleich viel Erfahrung. "Das geht überhaupt nicht," beharrt mein Auftraggeber. "Warum nicht?" beharre ich und hake spontan nach: "Ist das der kleine Unterschied?" Mein Gegenüber ist sichtlich empört: "Jetzt komm mir mal nicht so!" - Ich schweige und warte, mein Gegenüber verschwindet, berät sich, kommt wieder und sagt mürrisch: "Na gut." Ein Moment, den ich nie vergessen habe und der damals 200 Euro ausmachte.

Frauen verdienen weiter 18 Prozent weniger

Gut zehn Jahre ist das her. Heute, im Jahr 2022, ist so etwas Geschichte, könnte man meinen. Das Thema Geschlechtergerechtigkeit kocht gesellschaftlich in vielen Töpfen über. Das kann doch nicht spurlos an unseren Konten vorübergehen? Tut es aber doch, wie die jüngste Bestandsaufnahme des Statistischen Bundesamtes zur Lohnschere zwischen Mann und Frau zeigt: Auch 2021 haben Frauen pro Stunde durchschnittlich 18 Prozent weniger verdient als Männer. Der Stundenlohn für Frauen beträgt demnach durchschnittlich 19,12 Euro, und damit 4,08 Euro weniger als der der Männer mit 23,20. 2020 betrug der Unterschied noch 4,16 Euro. Das ist die rechnerisch unbereinigte Lohnlücke, die alle Gehälter ungeachtet von Gehaltsstufen, Eingruppierungen und Karrierepositionen einbezieht.

Ist das neu oder ein alter Hut?

Wenn man weiter zurückschaut, 15 Jahre zum Beispiel, ist zwar in Bezug auf 2022 eine Tendenz zur Angleichung sichtbar, damals bekamen Männer durchschnittlich 23 Prozent mehr Lohn als Frauen. Also eine Angleichung im Schneckentempo, könnte man sagen, wenn man Deutschland als Ganzes betrachtet. Wer genauer hinschaut, sieht einen kleinen Unterschied. Im Osten Deutschlands beträgt der unbereinigte Gender Pay Gap seit 15 Jahren unverändert sechs Prozent. In den "alten" Bundesländern ist dagegen die unbereinigte Lohn-Lücke zwischen Frauen und Männern um fünf Prozentpunkte von 24 Prozent auf 19 Prozent im Jahr 2021 gesunken.

Wie erklärt sich der Unterschied im Portemonnaie?

Was steckt hinter dem Einkommensunterschied? 71 Prozent des Verdienstabstands lassen sich darauf zurückführen, dass Frauen häufiger in schlechtbezahlten Branchen und Berufen arbeiten, in denen sie seltener Führungsposten übernehmen. Aber was ist mit den restlichen 29 Prozent? Auch bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation verdienten Arbeitnehmerinnen laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt im Jahr 2018 pro Stunde sechs Prozent weniger als Männer. Vielleicht wäre der Unterschied noch kleiner, wenn man mehr Informationen hätte, Angaben über Erwerbsunterbrechungen wegen Schwangerschaft, Geburt oder Angehörigen-Pflege von Angehörigen.

Links

Hier sehen Sie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
Mehr Information zum Equal Pay Day finden Sie beim Business and Professional Women (BPW) Germany e.V.

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Bildrechte: MDR

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