20 Jahre Dolly Kompliziertes Klonen: Keine Rückkehr der Dinos

Vor 20 Jahren erfuhr die Öffentlichkeit von Dolly, dem ersten Klonschaf der Welt. Sofort wurde aufgeregt debattiert über nun möglich scheinende Wunderheilungen, die Rückkehr der Dinos und gewissenlose Klonarmeen. Heute wissen die Forscher: Klonen ist komplizierter.

Als im Juli 1996 im Roslin-Institut nahe Edinburgh in Schottland das Schaf Dolly geboren wurde - passierte für lange Zeit gar nichts. Denn den Forschern gelang es, diese Geburt geheim zu halten. Zumal sie selbst nicht wussten, wie sich das kleine Lamm entwickeln würde. Erst im Februar 1997 kamen BBC-Reporter dahinter. Die Forscher mussten ihre Ergebnisse fast überstürzt veröffentlichen. Doch die waren wie Sprengstoff. Denn Dolly war weltweit das erste aus einer Zelle geklonte Säugetier. Es löste Ängste und Aufregungen gleichermaßen aus: Mammuts à la Jurassic Park könnten wieder auferstehen, hieß es, aber auch Klonkrieger ohne moralische Barrieren gezüchtet werden.

Gleichzeitig würden neue Organe Menschen immer länger leben lassen, und überhaupt: Babys würden nun nicht nur geboren, sondern perfekt designt werden. Was vor 20 Jahren zu kontroversen Diskussion führte, ist ein sachlicher Forscherdisput geworden. Denn der Hype um das Klonen selbst ist ernüchtert. Und Dolly selbst ist schon seit 14 Jahren tot. Bill Ritchie, einer der beteiligten Wissenschaftler, schaut zurück.

Es ist wie ein Spiel, man braucht jede Menge Konzentration, so viel kann schiefgehen. Ich bin immer wieder überrascht, dass aus einem so winzigen Zellkern, den wir so grob behandeln, ein neues Lebewesen entstehen kann. In diesem Kern steckt die gesamte Information, um ein neues Tier aus altem Erbmaterial zu erschaffen.

Bill Ritchie, Roslin-Institut

Die Aufregung um Dolly erreichte medial globale Ausmaße. Der Biologe Heiner Niemann vom Institut für Tierzucht und Tierverhalten in Mariensee bei Hannover hält das Experiment nach wie vor für sehr bedeutend: „Das ist ein Markstein der Wissenschaft, und ich denke mal zusammen mit den geschriebenen humanen Stammzellen hat das die Biologie in dramatischer Weise verändert.“

Doch was mit Dolly möglich geworden war, produzierte auch Ängste. Ausgestorbene Tiere wie Dinosaurier, Mammuts oder auch Säbelzahntiger, hieß es, könnten wieder auferstehen. Diese Vision war drei Jahre zuvor im Film Jurassic Park bebildert worden. Auch eine andere Vision rückte in greifbare Nähe, wie die Tagesschau am 15. Mai 2013 meldete.

US-Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, einen menschlichen Embryo zu klonen. Dem Fachmagazin „Cell“ zufolge, tauschten sie das Genmaterial einer Eizelle gegen das einer Hautzelle aus. Bei der Zellteilung seien embryonale Stammzellen entstan-den. Den Forschern gehe es darum, dass das Klonen zu therapeutischen Zwecken genutzt werden könne.

Tagesschau

Beim Klonen wird aus der Zelle eines Lebewesens der Kern mit den Genen entnommen. Dieses Material mit der Erbinformation wird dann eingesetzt in eine zuvor entkernte und unbefruchtete Eizelle. Sie wird von einer Leihmutter ausgetragen. Es entsteht ein neu geschaffener Embryo als genetische Kopie des ursprünglichen Lebewesens.

Dolly beflügelte die Phantasie: Klont man Menschen, könnten so Armeen mit vollkommen amoralischen Kämpfern entstehen, oder Mozart-Kopien würden die Musikwelt eventuell beglücken, das Gleiche könnte für die Physik gelten, wenn Einstein-Klone erneut nach der Weltformel suchen würden, Marylin Monroes kämen noch in Scharen dazu, und, und, und.

Doch so einfach wird es wohl nicht werden, sagt Sir Ian Wilmut, der ebenfalls zum Forscherteam gehört, das Dolly erschuf.

Dr. Ian Wilmut
Dolly-Schöpfer Ian Wilmut Bildrechte: IMAGO

Die jetzigen Klonverfahren sind leider ziemlich ineffizient. Unsere Forschungen haben gezeigt, dass nur aus einem kleinen Teil Embryos überhaupt lebend geborene Tiere werden. Und nun scheint sich auch abzuzeichnen, dass einige der geklonten Tiere auch für bestimmte Krankheiten empfänglich sein könnten.

Ian Wilmut

So war es auch bei Dolly. Sie starb im besten Alter von nur sechs Jahren an einer Lungenkrankheit. Schafe können aber 20 Jahre alt werden. Und auch als es gelang, Erbinformationen eines acht Monate alten Kindes aus dessen Hautzellen zu entnehmen, und sie erfolgreich in eine Eizelle einzupflanzen, waren zwar die theoretischen Möglichkeiten zum Klonen geschaffen, doch es funktionierte nicht. Die Qualität der Eizellen ist bis heute ein Problem. Zumal inzwischen durch das Embryonenschutzgesetz in Deutschland per Klonen erzeugte Embryonen verboten sind.

Bliebe nur noch das therapeutische Klonen, etwa um Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Demenz, Diabetes und so weiter zu behandeln. Der Vorteil wäre, dass neues Gewebematerial nicht abgestoßen würde. Doch wegen medizinischer Risiken sowie ethischer Bedenken ist in Deutschland das therapeutische Klonen verboten. Geklont werden aber Nutztiere in den USA, eine Kennzeichnungspflicht dieses Klonfleisches ist schwer in der derzeitigen Diskussion.

Das berühmteste Schaf der Welt, "Dolly“, steht seit 2002 ausgestopft im Royal Museum in Edinburgh in einer Vitrine. Und ist dort seitdem eine Hauptattraktion.

Über dieses Thema berichtet MDR Kultur in einem Spezial im Radio | 22.02.2017 | 18:00-19:00 Uhr