Genforschung in Gatersleben Früher globaler Handel – wie Paprika zum Weltstar wurde

Wenn man sich die Geschichte des Welthandels betrachtet, dann spielt Paprika darin eine bisher vielleicht unterschätzte Rolle. Das können Forscher jetzt ändern. Genuntersuchungen zeigen das Bild eines schon vor Jahrhunderten weltweit gehandelten Gemüses.

Ein Korb voller Paprika in verschiedenen Größen und Farben
Bildrechte: Pasquale Tripodi

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Nils Stein vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, hat über zehntausend Paprikaproben aus der ganzen Welt untersucht. "Diese Daten haben wir genutzt, um die Geschichte dieses Gemüses und Gewürzes zu untersuchen", sagte Pasquale Tripodi vom italienischen Forschungsinstitut CREA, einer der beiden Erstautoren der Studie. Paprika, die aus Südamerika stammende Pflanze, wurde insbesondere ab dem 16. Jahrhundert weltweit gehandelt. Spanisch-portugiesische Schiffsrouten, arabische oder asiatische Handelswege, der Sklavenhandel von Afrika in die Welt – immer war auch Paprika mit dabei, so die Studie.

Zehntausend Sorten untersucht

"Die Ergebnisse zeichnen ein Bild von Paprika als einem sehr begehrten Kulturgut, das sich schon früh entlang der großen Handelsrouten zu Land und zu Wasser über den gesamten Globus verbreitete", sagt Dr. Mark Timothy Rabanus-Wallace vom IPK Leibniz-Institut Gatersleben, der zweite Erstautor der Studie. Paprikasorten aus 130 Ländern auf fünf Kontinenten haben die Forscher dafür untersucht.

Für die Untersuchung entwickelte Rabanus-Wallace ein ganz neues Werkzeug, das er ReMIXTURE nannte. ReMIXTURE nutzt die genetischen Daten, um die Ähnlichkeit zwischen Paprikas aus einer Fokusregion und denen aus anderen Regionen zu quantifizieren. Dabei fanden die Forscher zum einen heraus, dass es die größte Paprika-Vielfalt in der Ursprungsregion Südamerika gibt und das vorhandene Sorten in anderen Regionen immer wieder mit neuen gekreuzt wurden.

Warum gerade Paprika?

Auch auf Frage, warum die Gemüsepflanze zu einem Welterfolg wurde, haben die Paprika-Experten eine Antwort. Sie ist leicht zu produzieren, zu konservieren und zu transportieren (getrocknet auch über weite Strecken). Außerdem wird Paprika nur in sehr kleinen Mengen zum Würzen von Speisen benötigt. Ein Vorzug, der vor allem in Europa zum Tragen kam, "wo scharfe Gewürze früher selten und importierter schwarzer Pfeffer sehr teuer war", so IPK-Forscher Rabanus-Wallace

gp/idw

Link zur Studie

Tripodi, Rabanus-Wallace et al. (2021), Global range expansion history of pepper (Capsicum spp.) revealed by over 10,000 genebank accessions. (PNAS).

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