Flat-Earth-Theorie Erde als Scheibe - "Mad Mike" Hughes verunglückt beim Nachgucken

Er starb für seinen Traum: Der US-Amerikaner Mike Hughes, bekannt geworden als "Mad Mike" oder "Rocketman". Der Selfmade-Astronaut wollte auf eigene Kosten ins All fliegen und nachschauen, ob die Erde eine Scheibe ist. Was wäre eigentlich, wenn es eine wäre? Und wie sähe das Leben auf der Erde dann aus?

Was wäre eigentlich, wenn die Erde eine Scheibe wäre, platt wie ein Frisbee oder eine Flunder? Manche glauben so fest daran, dass sie die verrücktesten Sachen machen. Wie Mike Hughes, der Selfmade-Astronaut aus den USA, der jetzt beim Versuch nachzuschauen, ob er Recht hat, ums Leben gekommen ist.

Flache Erde? Wir hätten ein Schwerkraftproblem

Dabei ist es ziemlich eindeutig, warum die Erde in Form einer Scheibe das Leben auf ihr ziemlich kompliziert machen würde - der Grund dafür ist die Schwerkraft. Im Zentrum der Scheibe wäre es wie jetzt, aber je weiter weg, desto problematischer: Die Architektur müsste ihre Fundamente der Gebäude ganz anders anlegen, damit die Gebäude nicht wegbrächen. Die Schwerkraft würde auch dafür sorgen, dass sich Salzmeere und Süßwasserseen im Zentrum vermischen würden, an den Rändern der Erde blieben nur noch Wüsten übrig. Und trotzdem - allem physikalischen Wissen zum Trotz glauben viele an die Scheibenform der Erde, so wie eben Michael Hughes, der am 22.02.2020 mal wieder aufbrach, sich die vermeintliche Scheibe anzuschauen.

Mojave-Wüste in Südkalifornien
Mojave-Wüste in Südkalifornien Bildrechte: imago/ZUMA Press

Es war ein überwiegend sonniger Februartag in der kargen Mojave-Wüste, bis 24 Grad warm, vereinzelt Wolken am blauen Himmel über der Wüsste nahe Barstow in Kalifornien. Ein einsamer Truck steht in der Landschaft, von der Ladefläche zeigt eine leiterartige Rampe schräg nach oben, auf ihr liegt oder lehnt eine Art Rakete: der Wind knarzt im Mikrofon der Kamera, dann schießt das selbstgebaute Flugobjekt von "Rocketman" Mike Hughes an Bord in die Luft. So zeigt es die Filmaufnahme des Journalisten Justin Chapman, der den Start dieser Privatrakete in der Wüste filmte.

Nach etwa drei, vier Sekunden löst sich etwas von dem Geschoss, offenbar ein Fallschirm, der zur Erde zurücksegelt, während die Rakete in einem weiten Bogen gen Himmel steigt und schließlich aus dem Blickfeld verschwindet. Was danach mit der Rakete passiert, zeigen die Aufnahmen nicht mehr. Sicher ist, dass die Rakete zur Erde zurückstürzt und das Gefährt mit der Spitze voran auf dem Wüstenboden zerschellt, etwa 800 Meter entfernt von ihrer mobilen Startrampe auf dem Truck. Das San Bernardino County Sheriff Department informierte in seinen Pressemitteilungen am Sonnabend über den Tod eines Mannes nach einem Raketenabsturz in der Wüste.

Mike Hughes
Die Reste der Rakete - und eines Traumes Bildrechte: imago images/ZUMA Press

An Bord der Rakete war Michael "Mad Mike" Hughes, ein Selfmade-Astronaut, der mit seiner selbstgebauten Rakete auf etwa 1.500 Meter Höhe aufsteigen wollte. Was zu dem Absturz seines Flugobjekts führte, ist bislang noch unklar. Chapman, der den Start gefilmt hatte, sagte zur Presseagentur AP, die Rakete schien sich an der Abschussrampe gerieben zu haben, wodurch sich vielleicht die Fallschirme gelöst haben könnten.

Wer war Michael "Mad Mike" Hughes?

Es war nicht das erste Mal, dass Hughes hoch hinaus wollte: Zuletzt war er am 24.03.2018 mit einer anderen Rakete Marke Eigenbau und Dampfantrieb in der kalifornischen Wüste bis auf 570 Meter abgehoben und schließlich zum Erdboden zurückgeschwebt. Im Januar 2014 war er nach eigenen Angaben schon einmal auf einem Privatgelände in Arizona abgehoben, allerdings gab es davon keinerlei Filmaufnahmen.

Durfte der das? Kann jeder irgendwo Raketen in die Luft schicken? Hughes hatte sich bei den jeweiligen privaten Landbesitzern deren Erlaubnis zur Nutzung ihres Landes eingeholt. Eine offizielle Startgenehmigung der US-Luftsicherheitsbehörde FAA gab es deren Sprecher Ian Gregor zufolge nicht, genausowenig wie das entsprechende Sicherheitszertifikat der Luftfahrtbehörde.

Über das Motiv des eigenwilligen Amerikaners für seine Expeditionen kann man jetzt nur noch spekulieren: Wollte der inzwischen 64-Jährige tatsächlich Beweise für die "Theorie von der flachen Erde" sammeln? Oder wie er sagte, die Erde sei "flach wie ein Frisbee", weil er es aber nicht genau wisse, wolle er sich das vom All aus ansehen. Oder nutzte Hughes einfach den Rummel um die Flat-Earth-Theory, um Aufmerksamkeit und Geld für seine außergewöhnlichen Ambitionen und Pläne zu generieren?

In einem Werbevideo eines TV-Kanals, der Hughes Flug-Versuch für einen Dreiteiler über ihn und andere "Homemade-Astronauts" begleitet, sagt Hughes: "Die Leute fragen sich, warum ich solche Dinge tue. Hauptsächlich um den Leuten klarzumachen, dass man außergewöhnliche Dinge mit seinem Leben anstellen kann, und vielleicht inspiriert das den einen oder anderen Dinge zu tun, die er sonst nicht gemacht hätte."

Mike Hughes
Mike Hughes Bildrechte: imago images/ZUMA Press

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