Ein kleines Mädchen beim Zähneputzen.
Bildrechte: IMAGO

Zahngesundheit Macht uns Fluorid in der Zahnpasta krank?

Immer wieder kursieren Meldungen, die behaupten, dass Fluoridhaltige Zahnpasta schädlich und für Kinder sogar sehr giftig ist. Trotzdem wird es im Kampf gegen Karies täglich benutzt. Macht uns Zahnpasta wirklich krank?

Ein kleines Mädchen beim Zähneputzen.
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Beinahe jede Zahnpasta enthält Fuorid. Es soll die Zähne stärken und Karies vorbeugen. Doch immer wieder kursieren Meldungen, die den Wirkstoff als hochgiftig beschreiben. Vor allem Kinder seien gefährdet.

Ein Missverständnis

Kaum eine Substanz ist so gut untersucht wie Fluorid. Zudem ist es laut Zahnmedizinern der Schlüssel zur Kariesbekämpfung, denn sie macht den Zahnschmelz resistenter gegen die Mikroorganismen und Säuren, die sich natürlicherweise im Mund befinden, oder die wir mit der Nahrung aufnehmen. Außerdem hemmt Fluorid das Wachstum von Bakterien.

Die Angst vor dem Wirkstoff in der Zahnpaste beruht vor allem auf einem Missverständnis, denn viele Menschen verwechseln Fluorid und Fluor. Beim letzteren handelt es sich tatsächlich um ein sehr aggressives und hochgiftiges Gas, das sich durch alle Materialien fressen kann. Doch dieses Gas wird erst bei Minus 180 °C flüssig.

Fluoride, die in Form von Mineralien überall in der Natur, auch in verschiedenen Nahrungsmitteln wie etwa Fisch, schwarzem Tee oder Mineralwasser vorkommen, können bei zu hoher Dosierung gefährlich sein. Und die Befürchtung, dass zu viel Fluorid die Zähne bröckeln lässt und Knochen, Nieren oder Nervensystem angreift, ist nicht grundsätzlich falsch. Doch um den bedenklichen Grenzwert von Fluorid zu erreichen, müssten wir täglich mehrere Tuben Zahnpasta verzehren.

Die richtige Dosierung macht's

Also Entwarnung? Nicht ganz, sagt die US-Gesundheitsbehörde CDC. Ein bisschen weniger Zahnpasta darf es sein. Denn laut einer aktuellen Studie des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) halten sich die wenigsten Menschen an die empfohlenen Mengen. Gerade Kinder übertreiben es gern. Laut Studie verwenden 40 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren deutlich zu viel Zahnpasta. Empfohlen ist für Kinder unter drei Jahren eine reiskorngroße Menge, bei Kindern ab drei Jahren reicht eine erbsengroße Menge Zahnpasta vollkommen aus. Ein übermäßiger Gebrauch kann bei Zähnen in der Entwicklung zu Verfärbungen führen, weil sich das Fluorid im Zahnschmelz ansammelt.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat im vergangenen Jahr eine ähnliche Empfehlung herausgegegen. In der Stellungnahme zur "Fluorid-Vorbeugung bei Säuglingen und Kleinkindern" heißt es: "Wichtigstes Ergebnis: Das BfR rät, nur eine Form der Fluoridprophylaxe anzuwenden. Sobald mit dem Zähneputzen mit fluoridierter Zahnpasta begonnen wird, sollten keine Fluoridpräparate mehr eingenommen werden." Und dafür sei bei Kleinkindern auch ein Fluoridgehalt von 0,05 Prozent ausreichend.

Keine Mangelerscheinungen

Im übrigen wird Fluorid auch nur im Zusammenhang mit der Vorbeugung gegen Karies empfohlen. Wer auf fluoridhaltig Zahnpasta verzichtet, entwickelt deshalb noch lange keine Mangelerscheinungen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Zahnarzt beim nächsten Besuch zum Bohrer greift, steigt rapide an.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP | 13. Juli 2016 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 08:52 Uhr