Zukunftstag bei MDR WISSEN Girls' und Boys'Day: Zahnforschung trifft Zukunft

Wie arbeiten eigentlich Journalisten? Mit wem haben es Wissenschaftsredaktionen zu tun? Wie stellt man gute Fragen? Drei junge Leute haben MDR WISSEN beim Zukunftstag virtuell besucht und einer Wissenschaftlerin auf den Zahn gefühlt.

Menschen in einer Videoschalte
Hochkonzentriert: Vanessa, Len und Pirmin (v.l.) beim virtuellen Zukunftstag von MDR WISSEN. Bildrechte: Liane Watzel

Normalerweise wären wir beim Zukunftstag bei Zahnforscherin Dr. Ellen Schulz- Kornas in Leipzig ins Labor spaziert, hätten uns ihre Kaumaschinen und Zahnbürsten-Vergleichsapparate angeschaut, und dabei vielleicht ein Video gedreht, Fotos oder Aufnahmen fürs Radio gemacht. Das wäre so ein ganz praktischer Einblick in die Arbeit für MDR WISSEN geworden. Aber 2022 ist der Zukunftstag bei MDR WISSEN noch mal virtuell, wir treffen uns auf einer Videoplattform, Pirmin aus Bonn, Len aus Hamburg und Vanessa aus Landsberg. Die Lieblingsfächer der drei sind Englisch, Deutsch, Physik und Chemie, Forscherin Dr. Ellen Schulz-Kornas hatte es früh mit Biologie und hat als Kind schon immer gern Fossilien gesammelt

Die drei Jugendlichen sind dank Homeschooling routiniert, fummeln sich geduldig durch die Technik, bis wir uns alle gleichzeitig sehen und hören. Wir ackern uns durch ein gewaltiges Programm, die verschiedenen Ausspielwege, auf denen MDR WISSEN verschiedenste Zielgruppen erreicht, wir hören in einen Podcast aus der Reihe Big Bäääm rein, das jüngste Kind der MDR WISSEN-Redaktion, Thema "Ab wann sollte man wählen dürfen?" und werten aus: "Spannend, ansprechend, aber ganz schön viele Soundeffekte", sind sich die drei Jugendlichen einig. (Witzig, hätte ich auch gesagt, wenn ich gefragt wäre.)

Ein Handwerkszeug im Journalismus: Fragen. Aber richtig!

Dann wird es praktisch, wir unterhalten uns über die Arbeit bei MDR WISSEN. Was wohl unser Hauptgeschäft als Journalist, Journalistin ist? "Interviews führen oder von vor Ort berichten", vermutet Pirmin. Korrekt, das geht nicht ohne entsprechendes Handwerkszeug. Schließlich ist's Essig mit den Antworten, wenn man ungeschickt oder zu ungenau fragt. Kennt man ja als Kind, kommste heim, fragen die Eltern, "Na, wie war' s in der Schule?" - "Schön." Das muss man anders anstellen, nur wie fragen wir richtig, damit wir nicht mit "ja" oder "nein" bedient werden? Das üben wir gleich mal, wir simulieren eine Interviewsituation, wir tauschen die Rollen, ich bin die Interviewte, sie die Journalisten. Und wir werten auch gleich aus, was gut lief oder nicht, wann man zum Beispiel Gesprächspartner auch mal "einfangen" muss, wenn sie sich ewig über etwas ausbreiten, wonach sie nicht gefragt haben, weil sie vom Thema ablenken wollen.

Was macht eine Zahnforscherin?

Und dann geht´s ab in die Praxis. An Dr. Ellen Schulz-Kornas, Zahnfroscherin am Universitätsklinikum Leipzig testen die drei aus der 8. Klasse ihr frisches Wissen in Sachen Fragetechnik. Die drei machen das sehr souverän, ich selbst würde nach dem Gespräch prompt selbst gern Zahnforscherin werden. Aber das geht mir immer so, wenn Menschen ihren Job oder ihre Forschungen anschaulich erklären, springt oft ein Funke über. Dr. Schulz-Kornas unterrichtet und forscht, leitet ein Labor, sie bereitet Vorträge und Seminare vor, beurteilt Forschungsarbeiten von Studierenden. Die Fragen, die sie beschäftigen, sind spannend: "Warum sind unsere Zähne, die wir heute haben, so wie sie sind? Ich muss dazu auch verstehen, wie sie früher mal waren, bei unseren Menschenvorfahren. Deshalb arbeite ich auch viel mit anderen Anthropologen oder Archäologen zusammen und auch natürlich mit Tierärzten. Ich rekonstruiere zum Beispiel die Ernährung, wenn ich die Abriebspuren an den Zähnen sehe." Das klingt glatt nach Detektivarbeit? "Ist es auch", bestätigt die Forscherin. Aber auch ganz praktische Fragen kreuzen ihr im Alltag den Weg, finden die Jugendlichen heraus: "Ein Kollege kommt zu mir, der Zahnarzt ist und fragt, 'ich weiß nicht, warum fliegen die Füllungen immer raus?' Dann bin ich diejenige, die sagt, okay lass mal überlegen, wie wir herausfinden können, warum. Dann kann ein Zahnarzt auf einmal viel besser behandeln, weil ich eine Methode entwickelt habe, die er dann anwendet." Können Sie Leute noch angucken, ohne deren Zähne zu analysieren? Dr. Schulz-Kornas lacht: "Das ist eine Berufskrankheit."

Virtueller Zukunftstag bei MDR WISSEN
Zahnforscherin Dr. Ellen Schulz-Kornas (Mitten unten) im Interview mit Vanessa, Pirmin (o.r.) und Len (u.r.). Liane aus der MDR WISSEN Redaktion (o.l.) staunt über die guten Fragen. Bildrechte: MDR WISSEN

Ab in die Praxis: 30 Minuten Gespräch, was bleibt hängen?

Nach einer halben Stunde beenden wir die Fragerunde, die Jugendlichen machen jetzt das, was Journalisten auch tun würden: Zusammenfassen, was sie Neues erfahren haben und was sie überrascht hat. Alle drei sind darüber verblüfft, dass die Zahnforscherin selbst gar nicht an Zähnen und Gebissen von lebendigen Menschen arbeitet. Darf sie nämlich gar nicht, weil sie keine Zahnärztin ist. Pirmin ist die Kaumaschine im Gedächtnis geblieben, von der Dr. Schulz-Kornas berichtet hat. "Die Kaumaschine hilft der Zahnforscherin bei ihrer Arbeit. Durch die kann man beispielsweise sehen, was der Mensch zuvor ungefähr gegessen hatte, anhand der Abriebe und Kratzer auf der Zahnoberfläche. Allerdings beschäftigt sich diese Forscherin nicht nur mit Zähnen von Menschen, sondern auch mit Zähnen im ganzen Tierreich bis in die Zeit vor mehreren Millionen Jahren." Pirmins Fazit: "Die Arbeit einer Zahnforscherin hat eine große Spannweite, weshalb man als Zahnforscherin keinen Routinejob hat. Als Zahnforscher/in kann man echte Skelette von Menschen betrachten und untersuchen, die vor mehr als tausenden Jahren gelebt haben." Jahrtausende alte Objekte von Menschen und Tieren, die der Öffentlichkeit meist verborgen bleiben, auch mit denen hat Dr. Schulz-Kornas schon gearbeitet. "Ohne Interesse für Biologie geht das nicht", stellt Len abschließend fest, "da man auch viel mit Zähnen und Gebissen von Tieren arbeitet." Vanessa fasst ihre Eindrücke so zusammen: "Ich fand es sehr interessant, dass sie Zähne von Dinosauriern bearbeiten durfte und dass ihr Beruf so weit gefächert ist. Die Wissenschaftlerin hat uns einen richtig detaillierten Einblick in ihren Arbeitsalltag gegeben, wo man sich dann richtig reinversetzen konnte. Ihr Leben klang auch sehr spannend, denn sie hat auch an einer Universität in den USA gelehrt und geforscht."

Mal nachdenken: Journalismus = spannend?

So kann also ein Leben in der Wissenschaft aussehen. Und was nehmen die drei mit aus dem journalistischen Geschäft? Für Vanessa ganz klar: "Journalist zu sein bedeutet für mich, sich mit vielen Quellen auseinanderzusetzen und das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden zu können. Außerdem haben sie einen abwechslungsreichen Beruf, denn man kann über alle Themen etwas berichten. Mich hat begeistert das Journalismus sich in alle möglichen medialen Kanälen verbreitet hat (Podcast, Social Media etc.)." Was ist bei Len hängengeblieben? "Ich finde den Beruf des Journalisten sehr interessant und kann mir vorstellen mich auch in Zukunft mit dem Thema zu beschäftigen. Der Beruf hört sich sehr spannend an, ich kann mir aber auch vorstellen, dass es manchmal anstrengend ist und man viel schreiben muss. Trotzdem finde ich es schön, jeden Tag etwas Neues zu lernen." Auch Pirmin stellt fest: "Ein Redakteur zu sein - aus meiner Sicht ein guter Job, der aber auch stressig sein kann. Einen Artikel zu schreiben über ein bestimmtes Thema stelle ich mir sehr spannend vor, da man am Ende das fertige Endprodukt sieht und stolz darauf sein kann, anderen Leuten Informationen zu übermitteln." Und er vermutet: "Der stressige Teil könnte die viele Arbeit und die ständige Konzentration sein. Aber trotzdem stelle ich mir den Job als Redakteur für den MDR oder andere Medien spannend und gut vor, da man täglich mit neuen Fakten konfrontiert wird."

Fazit: Forschung oder Journalismus?

Und dann die Frage aller Fragen, nach diesem Kurzausflug in zwei Berufswelten via Videomeeting: Wenn ihr euch entscheiden müsstet, würdet ihr eher Forscher/in werden oder eher Journalist/in? Len tendiert eher Richtung Medien, Pirmin schüttelt abwägend den Kopf, "Das ist schwer zu entscheiden, Forscher kann vieles sein, da wäre ich gern Astronom, aber Journalist ist vermutlich spannender." Für Vanessa ganz klar: eher die Medienwelt. "Ich finde es interessant, viel von Menschen zu erfahren und Prozesse mitzuerleben." Und für uns in der Redaktion bleibt die spannende Frage: Was sehen wir später mal von den dreien, wissenschaftliche Studien oder vielleicht Artikel?

Ausbildung beim MDR

Die nächste Möglichkeit, den MDR kennenzulernen, gibt es übrigens schon am 11. Juni. An diesem Samstag laden MDR und MDR Media zum 7. Ausbildungstag ein. Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien können sich an diesem Tag von 10 bis 15 Uhr im Foyer des MDR-Produktionshochhauses in der Leipziger Kantstraße über neun verschiedene Berufe, duales Studium sowie Redaktionsvolontariat an Praxisinseln, bei Führungen und zahlreichen Workshops umfassend informieren.

Links

Die Homepage für den Girls' und Boys' Day - Zukunftstag 2022.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 28. April 2022 | 21:45 Uhr

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