Die Glasarche 3 von innen angestrahlt bei Nacht im Mondlicht
Bildrechte: Landschaftspflegeverein "Mittleres Elstertal" e.V. / MDR

Verbindung zwischen Kunst und Natur Ein Boot aus Glas geht vor Anker

Tiere wie der Feldhamster, das Rebhuhn, der Feuer-Salamander oder Pflanzen wie Arnika gehören zu den rund 5.000 Arten, die in Mitteldeutschland als stark gefährdet gelten. Darauf wird immer wieder hingewiesen - auf ganz unterschiedliche Weise. Ab Mittwoch geschieht das auf faszinierende Art durch ein ganz besonderes Kunstobjekt - eine Arche, die komplett aus Glas ist. Sie wird uns nun 3 Jahre lang an 20 unterschiedlichen Standorten in Mitteldeutschland an die Zerbrechlichkeit der Natur erinnern.

von MDR-Wissenschaftsredakteur Karsten Möbius

Die Glasarche 3 von innen angestrahlt bei Nacht im Mondlicht
Bildrechte: Landschaftspflegeverein "Mittleres Elstertal" e.V. / MDR

Die Arche als Herz des Projektes wurde vom Glaskünstler Ronald Fischer gemeinsam mit den Künstlern des Ateliers „Männerhaut“ Stefan Stangl, Jo Joachimsthaler und Alexander Wallner geformt und zum Leben erweckt. Gehalten wird das gläserne Kunstobjekt in einer rund fünf Meter großen Holzhand, die vom Künstler Christian Schmidt erdacht und gestaltet wurde. Die Arche ist bereits die dritte ihrer Art. Die erste Glasarche lief schon im Jahr 2003 im Bayerischen Zwiesel vom Stapel.

Die Idee für die Mitteldeutsche Glasarche kam Rainer Helms vom Landschaftspflegeverein "Mittleres Elstertal" vor über 10 Jahren, als er so ein Modell im tschechischen Nationalpark Sumava sah. Bei einer Schitour stand das Boot plötzlich vor ihm. Eine Glasarche, die Schicht für Schicht aus dünnen Glasscheiben zusammengeklebt ist:  

Es hat mich total umgehauen dieses Kunstwerk dort tief verschneit am Waldrand zu sehen, glitzernd im Sonnenschein. Ich bin dorthin, mußte sie unbedingt anfassen. Es hat mich auch deshalb berührt, weil ich sofort diese Botschaft verstanden habe.

Rainer Helms

Projektleiter Rainer Helms mit der fertiggestellten Glasarche am Sportplatz Haidmühle
Projektleiter Rainer Helms mit der fertiggestellten Glasarche am Sportplatz Haidmühle Bildrechte: Landschaftspflegeverein "Mittleres Elstertal" e.V. / MDR

Die gläserne, zerbrechliche Arche ist 5 m lang. Sie liegt leicht schräg, fast schon rutschend in einer menschlichen Hand aus Holz - so beschreibt Silke Lerche, von der halleschen Agentur ö-konzept, was da zu sehen sein wird:

Also die Arche schimmert, wenn das Sonnenlicht sie trifft, in einem ganz zarten Türkis und durch diese Schichtenlage sieht das auch tatsächlich aus wie Holz.

Silke Lerche

Die Glasarche 3
Am Heckbereich der Glasarche ist die besondere Beschaffenheit der gläsernen Schichtenlagen gut zu erkennen. Bildrechte: Landschaftspflegeverein "Mittleres Elstertal" e.V. / MDR

Die Botschaft der Arche lautet: Wir müssen Acht geben, dass wir das zerbrechliche Gleichgewicht in der Natur nicht zerstören. Es liegt in unserer Verantwortung. Zu diesem Thema sind schon zu viele Flyer gedruckt und achtlos weggeworfen worden, bedauert Rainer Helms. Die Arche soll tiefer gehen, quasi unter die Haut:

Ich möchte eigentlich, dass sich die Leute Ihre eigenen Gedanken machen zu diesem Objekt und ich möchte auch, dass die Arche entschleunigend wirkt. Wo man einfach mal stehen bleibt, ohne dass man von aussen bombardiert wird mit dem ganzen medialen Pi-Pa-Po und den einen oder anderen dazu bewegt mit dem Thema etwas sensibler umzugehen.

Rainer Helms

Wie beispielsweise im Dreiländereck von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt in der Elsteraue, wo Landwirtschaft die Artenvielfalt bedroht. Und genau an solchen sensiblen Orten soll sie festmachen, die Arche, sagt Silke Lerche, von der Agentur ö-konzept:

Sie wird ankern an 20 ausgewählten Stationen, immer zwischen 4 und 6 Wochen. Sie wird durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen reisen.

Silke Lerche

Heute beginnt ihre Reise durch Mitteldeutschland im Schlosspark Zeitz. Wer Glück hatte, konnte sie schon vorgestern auf der A9 kurz sehen. Auf dem Transport vom bayrischen Zwiesel, dort wo sie hergestellt wurde. Nach Zeitz werden weitere Stationen unter anderem die erwähnte Elsteraue und der Nationalpark Harz sein. Die Route ist zunächst bis Sommer nächsten Jahres durchgeplant.

Die Glasarche 3 in einer Berglandschaft im Bayerischen Wald
Die Glasarche in der sanften Berglandschaft des Bayerischen Waldes. Bildrechte: Landschaftspflegeverein "Mittleres Elstertal" e.V. / MDR

Zuletzt aktualisiert: 01. Juni 2016, 12:13 Uhr