Überblicksstudie Rauchen: Glücklich sind die, die aufhören

Wer raucht, hat meist viele Argumente für den kräftigen Zug an der Zigarette parat: Man ist in Gesellschaft, es hilft gegen Stress, es gehört zur Entspannung. Eine Cochrane-Studie hat nun mehr als 100 Studien systematisch ausgewertet und wiederlegt all diese Mythen.

Drei Personen stehen rauchend zusammen.
Ein Bild aus der Vor-Covid-19-Ära. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Welche negativen Folgen das Rauchen hat, ist ihn unzähligen Untersuchungen belegt. Raucher sterben früher, auch die "eine Zigarette" ist schädlich. Raucher hinterlassen überall Spuren in der Luft oder geben Schadstoffe sogar mit ihrer Haut weiter. Wem das alles noch nicht reicht, um die letzte Kippe auszudrücken, für den kommt jetzt das ultimative Argument:

Wer Schluss macht mit Rauchen, wird glücklich.

So könnte man die Quintessenz einer britischen Cochrane-Studie zum Rauchen zusammenfassen. Die Überblicksstudie ging der Frage nach, wie wirkt es sich auf die Psyche aus, wenn jemand aufhört zu rauchen.

Grundlage für die systematische Übersichtsarbeit waren Studien aus der Zeit zwischen April 2014 und Januar 2016, die nach seelischen und körperlichen Auswirkungen des Rauchstopps gesucht hatten, wie Angst-, Depressions- und Stress-Symptomen. 102 Studien mit derlei Fragestellungen wurden gefunden, 63 schließlich benutzt, die miteinander kombiniert und verglichen wurden.

Dabei kam zum Beispiel heraus: Menschen, die ihren Tabakkonsum mehr als sechs Wochen einstellten, erlebten weniger Depressionen, Ängste und Stress als diejenigen, die weiter rauchten.

Sie erlebten mehr positive Gefühle und fühlten sich körperlich besser. Die Befürchtung, man wäre einsamer, bestätigte sich nicht, ebensowenig wie die, dass sich durch Rauchentwöhnung psychische Probleme verschlimmern würden. Es wurde sogar ein leichte Verbesserungen der physischen Gesundheit festgestellt - sowohl in Studien mit zufällig ausgewählten Populationen als auch bei Forschungen, die Menschen mit und ohne psychische Krankheiten erfasst hatten.

portrait einer jungen blonden frau mit zigarette
Wer mit Rauchen aufhört, verschlechtert nicht seinen psychischen Zustand. Bildrechte: imago images/Rolf Kremming

Hier lesen Sie die Cochrane-Review-Studie im Original.

Was ist eine systematische Übersichtsarbeit

Cochrane Reviews sind systematische Übersichtsarbeiten, in denen die Forschungsergebnisse zu Fragen der Gesundheitsversorgung und -politik zusammengefasst werden. Diese Reviews sind international als Qualitätsstandard in der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung anerkannt. Sie befassen sich mit der Wirksamkeit von Interventionen zur Prävention, Behandlung und Rehabilitation. Andere Reviews bewerten die Genauigkeit von diagnostischen Tests bei einer gegebenen Erkrankung in bestimmten Patientengruppen oder Settings. Sie werden online in der Cochrane Library veröffentlicht.
Quelle: Cochrane.de

(lfw)

6 Kommentare

lausbub vor 9 Wochen

Liebes MDR-Team, bitte genau lesen. Ich sprach nicht davon, die Raucher zu ächten, sondern das Rauchen. Das ist ein Unterschied. Und nein, es ist nicht ähnlich wie beim Alkohol. Zu einem guten Essen gehört ein Glas Wein und gegen das gelegentliche Feierabendbier ist auch nichts zu sagen. Da gilt Maß und Bewusstsein. Aber nicht beim Tabakkonsum. Da ist auch schon die eine Zigarette in der Woche auf Dauer gesundheitsschädlich. Also nichts mit Maß. Es ist dabei völlig egal, ob sich der Raucher der Gesundheitsgefahren durch Nikotinkonsum bewusst ist oder nicht. Das Tabakwerbeverbot ist bestenfalls halbherzig. Die Tabakwarenproduktion in Deutschland und die Einfuhr von Tabak und Tabakerzeugnissen nach Deutschland gehören verboten. Zudem sollten Handel und Besitz von Tabak wie bei Betäubungsmitteln unter Strafe gestellt werden. Das meine ich mit Ächtung.

MDR-Team vor 9 Wochen

@lausbub,
gesellschaftliche Ächtung ist unserer Meinung nach nicht der richtige Weg. Auch wenn Rauchen der Gesundheit schadet, ist das keine Rechtfertigung dafür, Raucher zu diffamieren bzw. zu ächten. Es ist - ähnlich wie bei Alkohol - das Maß und das Bewusstsein, die einen Unterschied machen könnten.

part vor 9 Wochen

Menschen, die aufhören mit Rauchen können sich einfach nur psychisch besser fühlen, da ihr Körper nicht mehr mit als über 193 Giftstoffen überschwemmt wird und die physische Gesundheit schon in sehr kurzer Zeit beginnt sich auf ihr ursprüngliches Niveau zu entwickeln. Eine Sucht zu überwinden, stellt immer ein Glücksgefühl für die Psyche dar, anders als der Sucht ständig zu unterliegen. Die Sucht beim Tabak ist einerseits stoffgebunden aber wesentlich Verhaltens-gebunden, ob Rauchen in der Gruppe oder zur Tasse Kaffee, wer es schafft aufzuhören, wird immer stolz auf sich selbst sein. Der Süchtige ist sich seiner Sucht bewusst, er ist zu schwach sein Verhalten zu ändern leidet er deshalb daran, irgendwann, wenn auch nicht immer sofort...