Sahara-Sand Godzilla-Staubwolke schiebt sich über den Atlantik

Bei Godzilla denken die meisten Leute natürlich zuerst an das japanische Filmmonster. Doch Godzilla gibt es tatsächlich und das "Monster" ist nicht weniger riesig: Forschende nennen eine Wolke aus Sandpartikeln der Sahara nämlich so. Die schiebt sich eigentlich jedes Jahr in Richtung Westen, fällt in diesem Jahr aber besonders heftig aus, wie Satellitenbilder der Europäischen Raumfahrtagentur ESA zeigen.

Animation von ESA-Satellitendaten, die eine gelb bis rot eingefärbte Fläche über dem Atlantik zeigt, die bis Nordafrika reicht.
So haben sich die Aerosole aus der Sahara-Staubwolke am 19. Juni 2020 nach Westen über den Atlantik bewegt. Bildrechte: ESA Earth Observation

Eine große Wolke aus Sahara-Sand gibt es häufiger: Jeden Sommer bläst der Wind große Mengen Wüstenstaub aus der heißen und trockenen Sahara nach Westen über den Atlantik. Doch dieses Jahr ist die Staubwolke, die auch Godzilla genannt wird, besonders monströs. Das zeigen der ESA zufolge Daten der Copernicus Sentinel-Satelliten und des Aeolus-Satelliten.

Bis zu 70 Prozent staubiger

Besonders ungewöhnlich an der Staubwolke im Juni war laut ESA neben ihrer Größe auch die Entfernung, die sie zurückgelegt hat. Dem atlantischen und meteorologischen Labor der NOAA zufolge war sie 60 bis 70 Prozent staubiger als sonst. Sie sei damit das staubigste Ereignis seit Beginn der Aufzeichnungen vor 20 Jahren.

Außerdem habe die Godzilla-Wolke rund 8.000 Kilometer bis in die Karibik und den Süden der Vereinigten Staaten zurückgelegt, so die ESA. Normalerweise verteilten sich die Sahara-Staubwolken in der Atmosphäre und sinken in den Atlantik, bevor sie Amerika erreichten.

Satellitenaufnahme der Karibik um Kuba, auf der deutlich rote Staubpartikel zu sehen sind.
Satellitenbilder zeigen, dass der Staub auch auf Kuba angekommen ist. Bildrechte: ESA Earth Observation

Wichtige Nährstoffe im Sahara-Staub

Für den Menschen ist der Staub nicht ungefährlich: Er schadet der Gesundheit, trübt den Himmel ein und verschlechtert die Luftqualität.

Surfer im Sandsturm an einem Strand von Fuerteventra
Für Menschen sind die Sahara-Sandstürme eher nervig, für einige Ökosysteme aber sehr wichtig. Bildrechte: imago images / Agencia EFE

Die Natur jedoch ist dringend auf ihn angewiesen: Der reisende Sahara-Staub ist eine wichtige Nährstoffquelle für Phytoplankton im Atlantischen Ozean - also mikroskopisch kleine Meerespflanzen, die an der Meeresoberfläche schwimmen. Durch die Mineralien aus dem Staub bildeten sich Phytoplanktonblüten auf der Meeresoberfläche aus, die wiederum anderen Meeresbewohnern als Nahrung dienten. Außerdem liefert der Staub der ESA zufolge auch wichtige Nährstoffe für die Regenwaldböden am Amazonas. Die würden sonst durch die häufigen Regenfälle in der tropischen Region aufgebraucht.

Sahara, Wüste
Staubig und trocken: Bodennahe Winde wirbeln die Staubpartikel nach oben. Bildrechte: imago images/ingimage

Der Sahara-Staub wird auch als Sahara-Luftschicht bezeichnet. Sie bildet sich typischerweise zwischen dem späten Frühling und dem frühen Herbst mit einem Höhepunkt von Ende Juni bis Mitte August. Dies geschieht, weil starke Winde in der Nähe des Bodens und Gewitter große Mengen Staubpartikel aus der nordafrikanischen Wüste aufwirbeln. Je nachdem wie trocken, schnell und turbulent die Luft ist, können die aufgewirbelten Partikel tage- oder gar wochenlang schweben. Höher liegende Winde tragen sie dann auf den Atlantik hinaus.

Der ESA zufolge können die trockenen und staubigen Luftschichten auch die Entwicklung von Hurrikanen und Stürmen auf dem Atlantik bremsen. Denn tropische Stürme bräuchten warmes Meerwasser und feuchte Luft, um sich zu bilden. Würde sich also ein Sturm entwickeln, würde er mit der Godzilla-Wolke kollidieren und so gestoppt werden.

(kie)

0 Kommentare