Immunsystem Grippeimpfung verhindert einige schwere Covid-19-Folgen

US-Forscher haben Daten von über 30.000 Covid-19-Patienten weltweit analysiert und verglichen. Ergebnis: Wer kurz zuvor gegen Grippe geimpft wurde, hatte seltener Thrombosen, Schlaganfälle oder Sepsis.

Arzt hält mehrere Packungen Grippeimpfstoff in  den Händen.
Grippeimpfstoff: Eine Impfung gegen Influenza stimuliert das Immunsystem so, dass Covid-Erkrankte seltener schwere Folgen der Infektion erleiden, meinen US-Forscher. Bildrechte: imago images/Cord

Impfungen rufen neben einer spezifischen Schutzreaktion gegen den jeweiligen Krankheitserreger auch eine allgemeine Aktivierung der angeborenen Immunabwehr hervor. Und von dieser Aktivierung profitieren Menschen offenbar, wenn sie an Covid-19 erkranken. Dieser Effekt wurde bereits für die Masern-Mumps-Röteln- und die Polio-Impfung beschrieben und wird jetzt von US-Forscherin Susan Taghioff von der University of Miami und ihrem Team auch für die Grippe-Impfung bestätigt.

Obwohl Coronaviren nicht mit Grippeviren beziehungsweise der Influenza verwandt sind und auch sonst wenig Gemeinsamkeiten zwischen beiden Erkrankungen bestehen, kann die Grippe-Impfung auch bei einer Covid-19 hilfreich sein, einfach, weil das Immunsystem in eine Art allgemeine Alarmbereitschaft versetzt wird.

Über 30.000 Untersuchte aus Amerika, Europa und Asien

Taghioff und Kollegen griffen auf die TriNetX Datenbank zurück, in der anonymisierte Daten von über 70 Millionen Patienten aus zahlreichen Ländern gesammelt werden. Darin suchten die Forscherinnen und Forscher nach Covid-19 Patienten und filterten diese nach Alter, Geschlecht, sozialem Status sowie nach beschriebenen schweren Komplikationen durch Covid-19, wie Diabetes, Übergewicht und COPD. So konnten sie zwei Gruppen zusammenstellen mit insgesamt 37.377 Personen aus USA, dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Italien, Israel und Singapur.

Die Untersuchungsgruppe war mindestens zwei Wochen und maximal sechs Monate vor der Covid-Diagnose gegen Grippe geimpft worden, die Kontrollgruppe nicht. Klares Ergebnis des Vergleichs: Wer die Grippeimpfung erhalten hatte, hatte ein geringeres Risiko innerhalb von 120 Tagen nach einem positiven Test auf Sars-CoV-2 Schlaganfälle und Herzinfarkte, eine Sepsis oder einen tiefe Venenthrombose zu erleiden.

Influenza-Impfung senkt Klinikaufnahme um 58 Prozent

Wer gegen die Influenza geimpft worden war, hatte laut der Auswertung ein bis zu 58 Prozent geringeres Risiko, in der Notaufnahme zu landen und musste auch bis zu 20 Prozent seltener auf einer Intensivstation behandelt werden. Das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen im Zusammenhang mit Covid-19 sank ebenfalls um 58 Prozent, das einer Sepsis um 45 Prozent und das von tiefen Venenthrombosen um 40 Prozent.

Die Studie wurde vorgestellt beim europäischen Kongress für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten. Die Ergebnisse sollen in einem Journal veröffentlicht werden, aktuell gibt es aber noch keine schriftliche Veröffentlichung.

(ens)

14 Kommentare

Ernst678 vor 20 Wochen

Gießkanne und Regen sind voll Wasser und tatsächlich nässen beide den Boden, das haben sie richtig erkannt. Und der Pflanze ist es egal wo das Naß herkommt.

Ines W. vor 21 Wochen

@Anni22:
Dann könnte man auch schließen, dass ein aufgeschlagenes Knie so etwas wie eine Grippe ist, denn auch gegen eine bakterielle Infektion bei so einer Verletzung hilft ein gutes Immunsystem.

Ines W. vor 21 Wochen

@wo geht es hin:
Nur weil sie etwas behaupten wird daraus noch lange keine Wahrheit.

Ein gutes Immunsystem schützt vor vielen Krankheitserregern und macht deren Abwehr für den Körper leichter. Da endet dann aber auch schon die Gemeinsamkeit zwischen einer bakteriellen Infektion bei einem aufgeschlagenen Knie, einer Virusgrippe und Covid-19.
Nur weil eine Grippeimpfung das Immunsystem so pusht, dass es auch teilweise schwere Verläufe von Covid-19 verhindern kann, wird aus einer Grippe noch lange kein Kovid-19 und umgekehrt.