Influenza Grippe: Aktuell kaum Influenza-Fälle – aber für Entwarnung noch zu früh

Die gegen Corona eingeführten Abstands- und Hygieneregeln verhindern weiterhin eine breite Rückkehr der Grippe. Das Robert Koch-Institut will aber noch keine Entwarnung geben, das dicke Ende könnte noch kommen.

Influenzavirus Grafik
Schematische Darstellung eines Influenzavirus. Im Gegensatz zu Corona haben Influenzaviren eine eher längliche Form. Bildrechte: imago/StockTrek Images

Seit Anfang September vergangenen Jahres sind 1.530 Grippeinfektionen durch Labore bestätigt worden. So steht es im aktuellen Influenza-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts für die letzte Januarwoche. Das liegt zwar über dem Niveau zur gleichen Zeit im Vorjahr. Während der durch den langen Winterlockdown praktisch ausgefallenen Grippesaison 2020/2021 wurden bis Ende Januar gerade mal 387 Grippefälle in Deutschland gezählt. Aber das Niveau vor der Coronakrise wird noch lange nicht erreicht. Denn im Januar 2020 waren es weit über 20.700 Fälle gewesen. Fällt die Grippesaison also ein zweites Mal aus?

Gefahr der Supergrippewelle noch nicht vorbei

Silke Buda, Epidemiologin und Grippeexpertin am Robert Koch-Institut, will noch keine Entwarnung geben. Die Erreger könnten sich auch in den kommenden Wochen noch stark ausbreiten. Gewöhnlichen Grippewellen erreichten ihren Höhepunkt meist erst Ende Februar oder Anfang März. "Die Besonderheit in dieser Saison ist, dass ein größerer Teil der Bevölkerung wegen der ausgefallenen Grippesaison 2020/21 nicht durch eine natürliche Infektion geboostert wurde. Dadurch lässt sich weniger gut abschätzen, was passieren wird", sagt Buda.

Bei den wenigen Grippeviren, die in Europa derzeit zirkulieren, dominiert aktuell die Variante Influenza A(H3N2). Das zeigen die Stichproben im sogenannten Sentinelsystem, bei dem einzelne Arztpraxen Virusproben von Patienten in das nationale Referenzlabor schicken. So kann sich das RKI einen Überblick über die zirkulierenden Viren verschaffen. Die H3N2-Grippeviren hatten im Dezember für Ausbrüche in den brasilianischen Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro gesorgt. Würden Maskenpflichten und Abstandsgebote nun völlig aufgehoben, könnte es zu einer Art nachgeholter Super-Grippewelle kommen. Davor warnen verschiedene Forscher seit langem.

Das RKI und seine Expertin Silke Buda raten Patienten mit hohem Risiko (insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren/hochaltrige Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen) daher weiterhin zur Grippeschutzimpfung. Die könne in diesem Jahr von H3N2 wahrscheinlich einen guten Schutz bieten. "Die ersten Laborergebnisse zur Passgenauigkeit des Impfstoffs sehen nicht schlecht aus", sagt Buda.

RSV-Saison seit Dezember offiziell beendet

Vor allem bei dem für Kinder gefährlichen RS-Virus war vergangenes Jahr ein solcher Effekt beobachtet worden. Mit der Öffnung vieler Schulen und Kitas im Frühsommer konnte der eigentlich im Herbst zirkulierende Atemwegserreger plötzlich zahlreiche Kinder anstecken, die noch keine Immunität aufgebaut hatten. Das brachte viele Kinderintensivstationen im vergangenen Herbst teilweise an ihre Belastungsgrenze. Inzwischen gilt die RSV-Welle allerdings als überstanden. In der aktuellen Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins des RKI heißt es, die Zahl der RSV-Nachweise sei seit Anfang November Schritt für Schritt zurückgegangen. Seit Mitte Dezember sei die Saison deshalb offiziell für beendet erklärt worden.

(ens/dpa)

Quellen

Eine Mutter steht mit ihrer Tochter unter Regenschirmen im Regen. 2 min
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4 Kommentare

MDR-Team vor 34 Wochen

Hallo part,
dass die umfangreichen Schutzmaßnahmen vor SARS-CoV-2 auch dazu geführt haben andere Infektionskrankheiten einzudämmen, ist doch jetzt keine neue Information. Abstand, Hygiene, Mundschutz oder die Kontaktreduktion vermindern natürlich auch die Infektionen mit anderen Viren.
Die Empfehlung zum Lüften ist nicht gleichzusetzen mit einer Verordnung von permanenten Durchzug, wie sie behaupten. Mal davon abgesehen, dass nicht der Durchzug eine Bronchitis oder Angina verursacht, sondern Viren und Bakterien.

part vor 34 Wochen

Die richtige Grippe oder der grippale Infekt, beides wird oft in einen Topf geworfen. Festellen konnte ich beides in meiner Umgebung seit zwei Jahren recht wenig, oder wurde auch hier einiges verwechselt? Auch Rhinoviren waren weniger unterwegs und verbreiteten sich höchstens über ständig überfüllte Wartezimmer. Allein schon das Niesen auf der Straße machte die Person verdächtig. Weniger rechtswissenschaftlich ging es mit der Thüringer Corona-Verordnung zu, die permanenten Durchzug an den Arbeitsstätten empfohlen hatte, obwohl die Arbeitsstättenverordnung als Bundesgesetz etwas andere vorsieht zum Schutz der Arbeitnehmer, die dann sich schneller mal eine Bronchitis oder Angina einhandelten.

MDR-Team vor 34 Wochen

Hallo @Kurzkommentator, das bedeutet nur, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass sich Menschen ohne Grippeschutzimpfung, Masken oder Abstandsregeln mit der Grippe infizieren und sich diese sehr schnell ausbreiten könnte. Denn aktuell sind wir noch mitten in der Grippe-Saison. Beste Grüße vom MDR Wissen Team

grippe 5 min
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