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Guter Schlaf. Nicht nur die Länge auch die Qualität ist wichtig. Bildrechte: Colourbox.de

Tag des SchlafesWieviel Schlaf brauchen wir und wie bekommen wir ihn?

21. Juni 2022, 10:27 Uhr

Ob uns die Frühjahrsmüdigkeit heimsucht oder das Nachmittagstief: In solchen Momenten fragen wir uns, ob wir genug geschlafen haben. Seit Jahren versuchen Wissenschaftler das optimale Schlafmaß zu ermitteln. Experten aus Jena sagen jedoch: Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und viel wichtiger als die Anzahl der Stunden ist, wie wir geschlafen haben.

Erst vor kurzem kamen chinesische und britische Wissenschaftler zu dem Ergebnis, sieben Stunden Nachtruhe seien die ideale Schlafdauer, zumindest für Menschen mittleren und hohen Alters. Wesentlich mehr oder weniger Schlaf könne die psychischen Gesundheit und die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Für die Studie wurden Daten von fast 500.000 überwiegend europäischen Erwachsenen im Alter zwischen 38 und 73 Jahren ausgewertet, die in der "UK Biobank" gesammelt waren. Die Probanden wurden zu ihrem Schlafverhalten, ihrer psychischen Gesundheit und ihrem Wohlbefinden befragt und nahmen darüber hinaus an einer Reihe kognitiver Tests teil. Für fast 40.000 Teilnehmer lagen außerdem MRT-Bilder des Gehirns sowie genetische Daten vor.

Studienautor Jianfeng Feng räumt jedoch ein, dass diese Untersuchung in erster Linie eine statistische Häufigkeit offenlegt und den Zusammenhang von Wirkung und Ursache nicht erklärt. Die Ergebnisse könne man demzufolge in zweierlei Hinsicht interpretieren: "Wer sieben Stunden schläft, dem wird es am besten gehen" oder: "Wem es am besten geht, der wird etwa sieben Stunden schlafen". Die Wissenschaftler sehen in ihren Ergebnissen jedoch zumindest einen Hinweis darauf, dass zu viel oder zu wenig Schlaf über einen längeren Zeitraum negative Auswirkungen auf Geist und Psyche haben kann.

Experten aus Jena stellen das perfekte Schlafmaß in Frage

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) mit Sitz in Jena sieht diese Studie kritisch. Sie warnt sogar davor, sieben Stunden Schlaf als Garant für eine gute seelische und geistige Gesundheit zu betrachten, sie daher als Notwendigkeit zu betrachten und Abweichungen davon als Gefahr. Eine ursächliche Verbindung zwischen kurzem bzw. langem Schlaf und den genannten Erkrankungen bzw. Einschränkungen belege die britisch-chinesische Studie auch nicht, das hätten die Autoren sogar selbst eingeräumt. Wie viel Schlaf für jeden einzelnen optimal ist, sei individuell verschieden und ließe sich nicht auf ein Durchschnittsmaß festlegen.

Langschläfer, Kurzschläfer, Nachteule oder früher Vogel?

Ein jeder von uns hat seine eigene innere Uhr und die ist genetisch gesteuert. Der eine kommt mit wenig Schlaf aus, fühlt sich nach sechs Stunden ausgeruht, der andere braucht vielleicht acht. Wieder andere tanken während eines Mittagsschlafs Kraft, während manche nach einer Siesta überhaupt nicht wieder in Gang kommen. Die Schlafforschenden der DGSM empfehlen deshalb auch, in dieser Hinsicht seinen persönlichen Bedürfnissen zu folgen. Allerdings räumen die Experten ein, dass chronischer Schlafmangel oder dauerhaft zu viel Schlaf durchaus ein Gesundheitsrisiko darstellen können. Körperliche Erkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Störungen wie Depressionen und Angststörungen sowie kognitive Einschränkungen wie dementielle Erkrankungen im höheren Alter können die Folge sein. Andererseits können anhaltende Schlafstörungen auch ein Hinweis auf diese Beeinträchtigungen geben.

Gibt es das Rezept für einen erholsamen Schlaf?

Wie gut wir uns erholen, während wir schlafen, hängt nicht nur davon ab, wie viele Stunden wir schlafen, sondern wie gut. Auch in dieser Hinsicht gibt es kein Patentrezept für alle, aber zumindest gibt es ein paar Rahmenbedingungen, die helfen, dass wir gut ein-, durch- und ausschlafen können. Dazu gehören ein möglichst regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, ein ruhiger und gut abgedunkelter Raum und ausreichend Bewegung im Laufe des Tages, möglichst an frischer Luft. Faktoren, die unsere innere Ruhe hingegen gefährden, sind Stress und Sorgen.

Bei Hitze hilft eine warme Dusche

Man müsse sich abends "entpflichten", um in eine schlafförderliche Entspannung zu kommen, sagt Hans-Günter Weeß, Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster der dpa. "Statt spät Sport zu treiben oder schwere Mahlzeiten zu sich zu nehmen, sollte man sich etwa eine Stunde vor dem Schlaf zurückziehen." Bei den aktuellen Hitzenächten riet Weeß zu Alkoholverzicht sowie zu einer warmen Dusche und zu warmen Getränken vor dem Zubettgehen. "Wir brauchen für den Schlaf eine fallende Körperkerntemperatur, welche wir durch Erwärmung der Hautoberfläche erreichen. Und bei der Bettwäsche sollte man zu Baumwolle statt zu synthetischen Stoffen greifen."

Welche Möglichkeiten es gibt, dennoch ausreichend gut zu schlafen und was wir sonst noch tun können, um aufzutanken, diesen Fragen widmet sich die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin am DGSM-Aktionstag "Erholsamer Schlaf" am 21. Juni.

krm/dpa

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Geprüft am
14.01.2022

krm