Forschung in Jena Hallimasch-Toxin kann extreme Immunreaktion dämpfen

Noch ist kein Kraut gegen entzündliche oder Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1 oder Neurodermitis gewachsen - aber vielleicht ein Pilz. Forscher der Uni Jena und Frankfurt am Main haben herausgefunden, dass der Hallimasch einen Stoff produziert, der Überreaktionen der körpereigenen Immunabwehr ausbremst.

Hallimasch
Doktorand Maximilian Dörfer vom Institut für Pharmazie der Uni Jena betrachtet Petrischalen mit Pilzkulturen des honiggelben Hallimasch (Armillaria mellea). Bildrechte: Jan-Peter Kasper/FSU

Sobald Krankheitserreger in unseren Körper eindringen, stürzen sich Immunzellen auf die Eindringlinge und machen sie unschädlich. Wenn aber die Immunzellen überreagieren und nicht mehr zwischen körpereigenen und Fremdstoffen unterscheiden, greifen sie auch körpereigene Zellen an. Das kann der Auftakt sein für schwere chronische Autoimmunerkrankungen wie multiple Sklerose, rheumatoide Arthrosis, Diabetes Typ 1oder chronische Darmerkrankungen. Deutschlandweit leiden etwa vier Millionen Menschen an Autoimmunerkrankungen. Noch ist kein Kraut gegen diese extremen Körperabwehrmechnismen gewachsen - aber möglicherweise ein Pilz.

Ein Pilzstoff bremst Botenstoffe

Forscher der Uni Jena haben jetzt haben herausgefunden, dass ein Hallimasch-Toxin die Bildung von Leukotrienen im menschlichen Immunsystem hemmen kann. Leukotriene sind Botenstoffe der menschlichen Immunzellen, die das körpereigene Abwehrsystem in Gang setzen. Werden allerdings dauerhaft große Mengen dieser Botenstoffe ausgeschüttet, kann das eben zu chronischen Entzündungen und Autoimmunkrankheiten führen.

Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Kollegen aus Frankfurt/Main arbeiteten urspünglich mit Melleolid, einem Stoff, den der Hallimasch bildet. Professor Dr. Oliver Werz erklärt, wie die Forscher auf die unerwartete Wirkungsweise dieser Pilzsubstanz stießen:

Ursprünglich wollten wir herausfinden, was passiert, wenn wir dieses Melleolid mit einer menschlichen Immunzelle in Verbindung bringen. Dabei beobachteten wir, dass der Pilzstoff gezielt mit dem Enzym 5-Lipoxygenase in der Immunzelle reagiert und damit die Leukotrienbildung hemmt.

Dr. Oliver Werz

Die Forscher sehen großes Potential in Wirktsoffen auf der Basis von Melleloid. Die neuen Hallimasch-Forschungsergebnisse könnten der Arzneimittelentwicklung gegen entzündliche und Autoimmunerkrankungen neue Impulse geben.

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Hallimasch 2 min
Bildrechte: BissenWissen_Hallimasch

Wir stellen vor: Das größte Lebewesen der Welt! Es ist kein Baum und auch kein Wal, sondern: Ein Pilz! Der unglaubliche Hallimasch.

Di 04.07.2017 13:17Uhr 02:01 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. November 2018 | 21:00 Uhr