Welttag der Handhygiene Das Händeschütteln: freundschaftliches Ritual oder Ansteckungsgefahr?

Das Händeschütteln gilt als Symbol der Sympathie, als Beweis friedlicher Absichten. Seit jedoch bekannt ist, dass dieses Ritual ansteckenden Krankheiten den Weg frei macht, behalten viele von uns ihre Hände lieber bei sich. Werden die Handreichungen eines Tages aussterben?

Das Händeschütteln ist ein in vielen westlichen Ländern gängiges nonverbales Begrüßungs- und Verabschiedungsritual. In anderen Kulturen ist es hingegen auf gleichgeschlechtliche Kontakte – insbesondere unter Männern – beschränkt oder gar unüblich. Seinen Ursprung hat die Handreichung vermutlich im Winken, das dazu diente, dem Gegenüber die leere Waffenhand zu präsentieren. Deshalb reicht man sich bis heute die Rechte.

Gib mir die Hand und ich sage dir, wer du bist

Inzwischen gibt es unzählige psychologische Abhandlungen und Coaching-Literatur darüber, was ein Händedruck über einen Menschen aussagt. Doch Vorsicht! Während hier bei uns ein kräftiger Händedruck unter Männern als Zeichen für Stärke und Selbstbewußtsein gilt, wird er vor allem in asiatischen Ländern als unhöflich grob bewertet.

Schon die Griechen und die Römer reichten sich die Hände

Schon im Neuen Testament wird im Brief des Paulus an die Galater erwähnt, dass Paulus beim Abschied in Jerusalem die "rechte Hand der Freundschaft“ gereicht wurde. Dieser Brief wurde ca. 50 n. Chr. verfasst und weist darauf hin, dass sich bereits die Griechen und die Römer die Hände schüttelten. Auch auf römischen Münzen ist das Ritual als Symbol der Eintracht zu sehen.

Handreichung als Parteisymbol

In der DDR schaffte es das Händeschütteln bis in das Parteisignet der SED. Der Händedruck sollte dabei die Einheit der Arbeiterbewegung und die Überwindung der Spaltung symbolisieren. Tatsächlich erfolgte die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED gegen den Widerstand zahlreicher Sozialdemokraten. Die zeitgenössische, stilisierte Grafik wurde im Volksmund auch als "abgehackte Hände“ verspottet.

Geteiltes Deutschland - verschiedene Rituale

Durch die 68er-Bewegung ließ das Händeschüttelns im ehemaligen Westdeutschland deutlich nach, vermutlich weil es als zu formell bewertet wurde. In der ehemaligen DDR hingegen erlebte es einen regelrechten Aufschwung. Selbst wenn man zu größeren Gruppen hinzu kam, schüttelte man jedem einzelnen die Hand.

Ist der Händedruck vom Aussterben bedroht?

Auch wenn er noch so viel Gutes aussagen will, inzwischen sind wir mit unseren Handreichungen deutlich zurückhaltender geworden. Seit Studien belegen, welch große Ansteckungsgefahr in dieser wohlmeinenden Geste liegt, werden wir sogar auf Schildern in Ämtern darum gebeten, vom Händeschütteln abzusehen. Allein die Schweizer arbeiten gegen den Trend: 2016 erklärte eine Schulbehörde im Kanton Basel-Landschaft den Handschlag mit der Lehrkraft für alle Schüler zur Pflicht. Allerdings nicht aus hygienischen, sondern aus kulturellen Gründen. Zwei muslimische Schüler hatten einer Lehrerin die Handreichung verweigert. Als Begründung hatten sie angegeben, dem weiblichen Geschlecht Respekt zollen zu wollen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 05.05.2017 | 05:22 Uhr