Virus-Träger Vorsicht Rötelmaus: Gefährliches Hantavirus auf dem Vormarsch

Der Hantavirus ist weltweit gefürchtet. In Deutschland wird es hauptsächlich durch Nagetiere übertragen. In diesem Jahr gibt es auffällig viele Ansteckungsfälle. Woran liegt das? Und wie kann man sich schützen?

Rötelmaus, auf Waldboden sitzend, eine Nuss fressend. 3 min
Bildrechte: imago/blickwinke

Eigentlich sind Rötelmäuse ganz niedliche Tiere. Aber man sollte sie nicht unterschätzen: viele von ihnen übertragen das sogenannte Hantavirus. In diesem Jahr gibt es von diesen Mäusen sehr viele, sagt Mirko Faber, Arzt und Epidemiologe vom Robert Koch Institut. Wie kommt das? Ganz einfach, das hat mit den Buchen zu tun - die machen alle paar Jahre ein sogenanntes Mastjahr durch, produzieren viele Bucheckern und das freut die Rötelmäuse. Die kommen dadurch gut durch den Winter und können sich im Frühjahr stark vermehren.

2018 war so ein Mastjahr. Die logische Folge: Mehr Mäuse. Wenn es mehr Mäuse gibt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir Menschen mit dem Virus in Kontakt kommen und uns selbst infizieren.

Aber die sind ja gar keine Kuscheltiere?!

Die Ansteckung passiert meistens über die Ausscheidungen der Mäuse, denn die sind voll mit Viren. Sogar wenn der Mäusekot zu Staub zerfällt, ist er für uns noch gefährlich. Mirko Faber schildert einen typischen Infektionsweg:

Ganz häufig berichten uns Patienten, dass sie im Frühjahr in ihren Gartenschuppen gegangen sind und dass sich da eine Rötelmaus eingenistet hat. Dann manchen sie das Nistmaterial großzügig mit dem Handfeger weg und wirbeln dabei ganz viel Staub auf und atmen dabei das Virus mit dem Staub ein.

Mirko Faber

Krank wird man Faber zufolge nach etwa zwei bis vier Wochen. Das fühlt sich meist wie eine Grippe an, mit Fieber und Gliederschmerzen. In einigen glücklichen Fällen bleiben die Symptome auch aus, erklärt Mirko Faber. Aber oft und typischerweise sind vom Hantavirus die Nieren betroffen. Das kann bis zum akuten Nierenversagen gehen, so dass man ein paar Tage an die Blutwäsche oder an die Dialyse muss. Viele Patienten brauchen dem Wissenschaftler zufolge mehrere Wochen oder Monate bis sie wieder fit sind. Doch immerhin werden sie wieder fit. Todesfälle sind sehr selten, zumindest bei den den Infektionen, die vom einheimischen Hantavirus ausgelöst werden.

Hantavirus = Hantavirus? Falsch!

Es gibt einen ganzen Blumenstrauß verschiedener Hantaviren in unterschiedlichen Ländern und die verursachen zum Teil auch ganz unterschiedliche Symptome. Es gibt in Amerikas oder in Asien zum Beispiel Stämme, bei denen bis zu ein Drittel der Infektionen tödlich verlaufen. Der Virenvertreter, der in Europa auftritt, ist hier schon lange heimisch und eine vergleichsweise milde Variante. Es handelt sich also nicht um eine eingeschleppte Krankheit aus Asien oder einem anderen Erdteil.

Trotz mildem Virus: Augen auf, Nase zu und Finger weg

Aber weil auch dieser Virus genügend Ärger machen kann, sagt Mirko Faber, sollte man im Garten, beim Joggen oder Zelten achtsam sein und Rötelmäusen oder deren Ausscheidungen aus dem Weg gehen. Kotspuren beseitigen ohne dass es staubt, ist eigentlich ganz einfach: Handschuhe an, den Mäusedreck so anfeuchten, dass beim Wegmachen kein Staub entsteht und das Ganze in eine Plastiktüte verpacken und im Hausmüll entsorgen. In Mitteldeutschland trifft das vor allem für die Bewohner Westthüringens zu. In Sachsen und Sachsen-Anhalt gibt es zwar auch viele Rötelmäuse, diese tragen den Hantavirus derzeit aber nicht in sich.

Feldmaus, Rötelmaus: Ist da ein Unterschied?

Maus ist nicht gleich Maus

Rötelmaus, auf Waldboden sitzend, eine Nuss fressend.
Die Rötelmaus Myodes glareolus ist größer als die Hausmaus, man erkennt sie an ihrer rötlich braunen bis fuchsroten Oberseite. Sie frisst Samen, Kräuter, Früchte und Baumrinde, aber auch Insekten und Würmer. Außerdem ist die Rötelmaus Haupt-Überträger von Hantaviren. Bildrechte: imago/blickwinke
Rötelmaus, auf Waldboden sitzend, eine Nuss fressend.
Die Rötelmaus Myodes glareolus ist größer als die Hausmaus, man erkennt sie an ihrer rötlich braunen bis fuchsroten Oberseite. Sie frisst Samen, Kräuter, Früchte und Baumrinde, aber auch Insekten und Würmer. Außerdem ist die Rötelmaus Haupt-Überträger von Hantaviren. Bildrechte: imago/blickwinke
Gelbhalsmaus, auf dem Waldboden sitzend und eine Buchecker fressend.
Die Gelbhalsmaus Apodemus flavicollis ist auf dem Rücken rostbraun und auf dem Bauch blendendweiß. Sie hat ein gelbes "Halsband" und ihr Schwanz ist länger als ihr Körper. Sehr unbeliebt in Gebäuden, denn sie zerfrisst mit Vorliebe Leitungen. Außerdem überträgt auch sie das Hantavirus. Bildrechte: imago/blickwinke
Eine Feld-Waldmaus mit Eichel im Maul
Die Feldmaus Microtus arvalis. Frisst am liebsten Wurzeln, schädigt besondes Hain-, Rotbuche und Wildobstbäume am Stamm. Zyklische Massenvermehrung alle drei bis vier Jahre. Hauptspeise für Eulen, Taggreifer und Säuger. Bildrechte: IMAGO
Haselmaus
Die winzige Haselmaus Muscardinus avellanarius ist in etwa so breit wie eine Geld-Karte und gar keine Maus, sondern ein Nagetier aus der Familie der Bilche, also verwandt mit den Sieben-, Garten- und Baumschläfern. Sie liebt Brombeergestrüpp, frisst Insekten, Würmer, Vogeleier, oder Früchte im Sommer, Haselnüsse, Eicheln, Bucheckern im Herbst. Bildrechte: imago/imagebroker
Eine Schermaus (Wühlmaus)
Die Wühlmaus heißt auch Schermaus, lateinisch Arvicola terrestis. Sie nagt sich ihre Gänge in den Boden und das kann man auch sehen. Sie verursacht rillenartige Fraßspuren an Wurzeln und Baumrinden. Sehr unbeliebt in Weinbergen, Getreidefeldern, Gärten und Obstplantagen. Außerdem kann sie die Hasenpest übertragen. Bildrechte: Colourbox.de
Eine Fledermaus der Gattung Kleines Mausohr in einer Nahaufnahme die den Kopf der Fledermaus zeigt.
Verliebte Hausmaus zeigt Kollegin Foto ihres Verlobten: "Zu mir hat er gesagt, er ist Pilot". Unverwechselbar - die Fledermaus der Gattung "Kleines Mausohr". Bildrechte: imago stock&people
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Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 11. Juni 2019 | 17:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 13:44 Uhr