DNA-Moleküle, die sich teilt
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Kurioses Experiment Unsere DNA – unkaputtbar?

Unsere DNA kriegt man kaum kaputt. Das haben jetzt Rechtsmediziner der Uni Duisburg-Essen durch einen Versuch bestätigt: Sie haben einen Tatort nachgestellt und versucht, DNA "wegzureinigen" - mit überschaubarem Erfolg.

DNA-Moleküle, die sich teilt
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Die DNA ist unser Bauplan: Wie unsere Nase geformt ist oder dass unser Herz richtig schlägt, alles steckt da drin! Ohne diesen Bauplan würde es den Menschen nicht geben. Oder noch weitergedacht: Ohne diesen Bauplan würde es überhaupt kein Leben geben. Denn jedes Lebewesen, ob Hund, Kaktus, Pantoffeltier oder selbst Viren: Alle setzen auf DNA oder zumindest der DNA sehr ähnliche Strukturen.

Die DNA enthält also die Anleitung zum Leben und ist ein echter Schatz. Und der sollte möglichst nicht kaputt gehen. Das tut er auch nicht, erklärt Marie-Theres Gansauge vom Max Planck Institut für evolutionäre Genetik in Leipzig.

"Uns, die mit Fossilien arbeiten, ist es gelungen, eine halbe Million Jahre zurückzugehen und immer noch die DNA von diesen längst ausgestorbenen Fossilien wiederzugewinnen, also die Erbinformation wieder herzustellen und da herauszuziehen. So gesehen ist die DNA extrem stabil."

Die Verpackung spielt auch eine Rolle

Die DNA liefert nämlich neben der lebenswichtigen Bauanleitung gleich noch die passende Verpackung. Und das ist - im übertragenen Sinn - kein labbriger Karton, sondern eher ein stabiles Rückgrat, pardon: nicht ein Rückgrat, zwei Rückgrate. In der Sprache der Genetiker nennt man sie Doppelhelix. Dieses doppelte Rückgrat windet und dreht sich und ergibt am Ende ein Chromosom, oder in anderen Worten: in sich nochmal sehr sehr kompakte kleine DNA-Pakete.

Kein Wunder also, dass an Tatorten heute nach DNA gesucht wird: Sie gehört eindeutig zu einer Person und hält lange - sogar, wenn man sich die Mühe macht, DNA wegzuwischen oder zu schrubben. Wasser als Reinigungsmittel ist aussichtlos, auch Essigreiniger kommt dagegen nicht an. Nachgewiesen hat das ein Team von Rechtsmedizinern der Universität Duisburg-Essen.

Schlechte Karten für den Tatortreiniger

Die Forscher hatten dafür Spuren an einem Tatort nachgestellt, mit allem was dazugehört: Blut, Spucke und Hautresten. Gerade bei den Körperflüssigkeiten brachte das Putzen wenig bis gar nichts. Die DNA blieb so intakt, dass man den Spurenleger immer noch identifizieren konnte. Das Ergebnis soll der Polizei helfen, Mörder zu finden. Das Prinzip erklärt Micaela Poetzsch, Leiterin der Studie, mit einem Beispiel:

"Eine Frage, die von der Polizei an uns herangetragen wird: Jemand hat jemand anderen in der Badewanne ermordet. Die Badewanne sieht eigentlich ganz sauber aus. Lohnt sich das, dass wir da nochmal Abriebe anfertigen? Die Antwort lautet: Ja, auf jeden Fall, wenn wir vermuten, dass da Blut oder Ähnliches gewesen ist.

Die Forscher konnten zwar keinen Mörder dingfest machen, aber sie fanden noch einen echten Übeltäter: den Putzschwamm. Der saugt nämlich nicht nur Dreck auf, sondern auch DNA, die dann beim Putzen schön über den ganzen Tatort verteilt wird. Leider gilt das allerdings auch für DNA, die da gar nicht hingehört, zum Beispiel vom Putzschwammfachverkäufer. Für Forensiker ist es also auch ein Fluch, dass DNA so stabil ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 09. Februar 2019 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2019, 12:49 Uhr