Gemeine Hauswinkelspinne
Sieht furchterregend aus, ist aber harmlos: Die gemeine Hauswinkelspinne. Bildrechte: IMAGO

Sieht gruselig aus, ist aber nützlich Keine Gefahr: Die Hauswinkelspinne

Auf der Suche nach einem Winterquartier kommen im Herbst einige Insekten und Spinnentiere in unsere Häuser. Dort werden sie von der Hauswinkelspinne gejagt, die sich das ganze Jahr bei uns wohl fühlt. Über das nützliche Tier kursieren einige Irrtümer.

Gemeine Hauswinkelspinne
Sieht furchterregend aus, ist aber harmlos: Die gemeine Hauswinkelspinne. Bildrechte: IMAGO

Eine große deutsche Boulevardzeitung warnt: Deutschen Häusern drohe eine akute Invasion. Die Hauswinkelspinnen kommen! Mit einem Zentimeter haben die Tiere der Gattung einen relativ großen Körper, ihre Beine können sogar eine Spannweite von bis zu acht Zentimetern erreichen. Bissig sei sie auch, heißt es in dem Bericht, der freilich einige Missverständnisse nahelegt. Denn Hauswinkelspinnen kommen nicht im Herbst in unsere Häuser, sie leben das ganze Jahr dort, sagt Spinnenexpertin Birgitt Balkenhol vom Senckenberg-Museum für Naturkunde in Görlitz.

Die Hauswinkelspinnen brauchen Feuchtigkeit, deswegen leben sie meist im Keller oder höchstens noch in Bädern. In den viel zu trockenen Wohnräumen sterben sie, vor allem, wenn im Winter geheizt wird. Sie sind unheimlich nützlich für Menschen, denn sie fangen alle möglichen Tiere weg, die man nicht im Haus haben will, etwa Mücken, Fliegen und Kellerasseln.

Dr. Birgitt Balkenhol, Zoologin

Aufgrund ihrer Größe gruseln sich Menschen schnell vor der Hauswinkelspinne. Dabei haben vor allem die Tiere jeden Grund, Angst vor uns zu haben, sagt die Expertin: "Aus Sicht der Spinnen sind wir die Riesen." Und besonders Staubsauger seien eine akute Gefahr. Umgekehrt seien keine Fälle bekannt, in denen Hauswinkelspinnen Menschen gebissen hätten. Das drohe hierzulande lediglich von Wasserspinnen oder vom Ammen-Dornfinger und auch deren Bisse seien nicht lebensbedrohlich sondern höchstens etwas schmerzhaft, vergleichbar einem Wespenstich.

Birgitt Balkenhol beschäftigt sich seit 35 Jahren mit Spinnen und ist von den Tieren fasziniert. Die Haare, die auf Körper und Beinen wachsen, erfüllen viele unterschiedliche Funktionen. Die einen Borsten helfen den Spinnen, zu klein werdende Häute loszuwerden. Andere Haare enthalten Geschmacksnerven, mit ihnen gehen Spinnen auf Nahrungssuche. Ein dritter Typ dünner Härchen wird von kleinsten Luftbewegungen gelenkt. Mit ihnen nehmen die Tiere Schall war.

Den Hauswinkelspinnen fehlen allerdings bestimmte Hafthaare an den Beinen. Anders, als andere Gattungsgenossen, können sie nicht an glatten Oberflächen wie Badezimmerfließen emporklettern. Balkenhol rät daher: "Wenn Sie die Tiere loswerden wollen, stülpen Sie einen Glas darüber und schieben dann ein glatter Papier darunter. So können Sie sie sicher ins Freie bringen."

Umbringen soll man sie dagegen nicht, denn für die Ökosysteme sind sie sehr wichtig. Deshalb bittet auch die Naturschutzorganisation NABU: Nicht mit Pantoffeln oder Staubsauger traktieren, lieber einfangen und ins Freie bringen.

Über dieses Thema berichtete MDR Fernsehen: LexiTV | 23.08.2016 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2017, 17:05 Uhr