Dermatologie: Online-Umfrage Schätzung: 7,3 Millionen Menschen in Europa haben Hautkrebs

Mit der Haut ist es wie mit dem Klima: Wenn wir sie schützen, mit Klamotten oder Sonnencreme, sagt sie blöderweise auch nicht laut "Dankeschön". Europas Dermatologen mahnen jedoch: Millionen Hautkrebs-Erkrankungen könnten bei entsprechender Bildung und Vorbeugung vermieden werden.

Eine Hautärztin untersucht den Rücken eines Patienten.
Hautveränderungen auf dem Rücken: Auch mit Spiegeln ist der Selbsttest nicht so effektiv wie das Fachpersonal mit geschultem Blick. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Etwa 7,3 Millionen Menschen in Europa haben Hautkrebs, schätzt die Europäische Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV). Dem Expertengremium zufolge sind das 1,71 Prozent der Erwachsenen auf dem Kontinent, heißt es in einem Statement der Akademie auf ihrer Frühjahrstagung in Ljubljana.

Malignes Melanom
Wird ein Muttermal größer und/oder dunkler, es zeigt verschiedene Brauntöne oder juckt, blutet, nässt oder wächst: Dann ist eine Untersuchung wichtig. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Bei entsprechender Bildung der Bevölkerung ließe sich die Zahl der Erkrankungen stark verringern, meint Professorin Marie-Aleth Richard vom Uniklinikum Marseille, die der EADV angehört. Sie sagt: Diese Zahlen zeigten, wie nötig es sei, Hautkrebs vorzubeugen. Es müsste EU-weit breitflächig in entsprechende Bildung der Bevölkerung investiert werden. Bislang gelte Hautkrebs landläufig als lebensbedrohlich. Dabei zähle Hautkrebs zu den 40 Prozent Krebsarten, bei denen Vorbeugung möglich sei, und bei dem, wenn rechtzeitig erkannt, Heilung möglich sei.

Ärztin schaut bei der Untersuchung eines Patienten auf einer Monitor.
Die akkurate Untersuchung durch Fachpersonal kann Leben retten. Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Die Akademie hatte in einer multinationalen Online-Umfrage im Zeitraum Oktober 2020 bis September 2021 knapp 45.000 Erwachsene aus 24 EU-Staaten, plus Großbritannien, Schweiz und Norwegen zu Krebserkrankungen befragt. Bei Hautauffälligkeiten oder -verletzungen werden der Umfrage zufolge immerhin in einem Drittel der Fälle direkt Dermatologie-Praxen aufgesucht, gefolgt von Hausarztpraxen und Chirurgien.

Weißer Hautkrebs, schwarzer Hautkrebs

Ein Hinweis für weißen Hautkrebs sind zum Beispiel neu aufgetretene Hautveränderungen, die gegebenenfalls bluten, lange Zeit nicht heilen oder größer werden. Beim schwarzen Hautkrebs stirbt man nicht an dem Krebs, sondern an den Metastasen. Die Überlebens-Chancen hängen davon ab, in welchem Tumorstadium diese Krebsart erkannt wird. Der weiße Hautkrebs, das Basalzellkarzinom, wächst zwar in umliegendes Gewebe ein, bildet aber keine Metastasen. Gefährlich wird es, wenn es in wichtige Organe hineinfrisst.

Muttermale im Blick behalten mit der ABCDE-Regel


A - Asymetrie: Der Fleck ist unregelmäßig
B - Begrenzung (unregelmäßig): Das Mal ist unscharf, oder franst am Rand aus
C - Colorit, also die Farbe: Hat sich die Farbe verändert, der Fleck ist ungleichmäßig gefärbt?
D - Durchmesser: Das Mal ist größer als 5 mm.
E - Erhabene Hautveränderung: Wird es dicker, ist es höher als die Hautumgebung?

Nur ein Muttermal checken? Besser gleich den ganzen Körper!

Wer in einer Dermatologie-Praxis wegen einer konkreten Hautstelle vorspreche, sollte die Gelegenheit unbedingt für einen Ganz-Körper-Check nutzen lassen, rät der US-Dermatologe Dr. Murad Alam von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago. Er hatte in einer Studienarbeit gezeigt, dass Hinweise auf Hautkrebs-Erkrankungen zu 52 Prozent von Fachleuten erkannt werden, die Laien selbst nicht an sich entdeckt hatten. Bei Patienten, die wegen einer kleinen Hautveränderung in die Praxis kämen, sollten die Spezialisten den kompletten Körper in Augenschein nehmen. Denn früh genug erkannt, könnte der Ganzkörper-Check Leben retten. Ab 35 Jahren sollte die Haut am ganzen Körper alle zwei Jahre beim "TÜV" in der Dermatologie-Praxis untersucht werden, das Hautkrebs-Screening ist eine Kassenleistung. Der Termin fürs Hautscreening sollte genauso selbstverständlich gemacht werden wie für die Zähne.

Ein Muttermal am Hals.
Muttermale am Nacken: Veränderungen kann man hier leicht übersehen Bildrechte: IMAGO / YAY Images

(lfw)

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