MDR Wissen Doku "Wie klingt der Urknall?" Gravitationswellen-Pionier Heinz Billing aus Salzwedel

Die Entdeckung von Gravitationswellen 2015 war ein Meilenstein der Wissenschaft. Außerhalb der Fachwelt kaum bekannt: Einer der wichtigsten Wegbereiter dieses Fortschritts war der gebürtige Salzwedler Heinz Billing.

Als erstes wurden Forscher in Deutschland auf die sonderbaren Messwerte aufmerksam: Als im September 2015 die beiden LIGO-Observatorien zum ersten Mal Gravitationswellen maßen, war in den USA gerade Nacht. Die meisten Wissenschaftler vor Ort schliefen. Allerdings konnten die kooperierenden Partner in Deutschland die Aufzeichnung sehen. Sie klingelten ihre Kollegen aus dem Schlaf und die Arbeit an der aufregenden Entdeckung begann.

Die MDR Wissen Doku "Wie klingt der Urknall" erzählt die ganze Geschichte am Sonntag (20.01.2019, 22:20 Uhr) im MDR Fernsehen:

Es dauerte einige Monate, bis alle möglichen Fehlerquellen überprüft und ausgeschlossen waren, bevor sich die Wissenschaftler sicher sein konnten: Mit ihren präzisen Laser-Inferometern war es ihnen tatsächlich gelungen, eine der letzten Vorhersagen von Einsteins Relativitätstheorie zu beweisen: Gravitationswellen existierten wirklich. 2017 erhielt unter anderem Rainer Weiss vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) für diese Arbeit den Nobelpreis für Physik.

Prototyp in München

In der Öffentlichkeit kaum bekannt ist die Vorgeschichte dieser Entdeckung, an der ein gebürtiger Salzwedeler einen entscheidenden Anteil hatte. Der 1914 in der Altmark zur Welt gekommene Heinz Billing hatte nach dem Krieg bei Werner Heisenberg geforscht und sich einen Namen als Computerpionier gemacht.

Prof. Heinz Billing (l) vom Münchner Max-Planck-Institut steht im März 1973 neben dem Aluminiumzylinder, mit dem die von dem amerikanischen Wissenschaftler Weber im Jahr 1969 aufgezeichneten Schwerkraftwellen gefunden und gemessen werden sollen.
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Ab den 1970er-Jahren beschäftigte er sich am Münchner Max-Planck-Institut für Astrophysik mit der Entwicklung von Detektoren für die Einsteinschen Gravitationswellen. Zunächst wiederholte er Experimente des amerikanischen Physikers Joseph Weber, der mit einem Metallzylinder den Gravitationswellen auf die Spur gekommen sein wollte. Durch ihre präzise Arbeit wiederlegten Billing und seine Mitarbeiter Webers Ergebnisse.

Ab 1975 griff Billing dann den Vorschlag von Rainer Weiss vom Massachusetts vom MIT in Boston auf, ein Laser-Inferometer zu entwickeln, mit dem die Messung der winzigen Energien möglich werden sollte. 1980 bauten die deutschen Forscher in München Garching einen Prototypen mit jeweils 30 Meter langen Armen. Ohne diese Vorarbeit wäre LIGO nicht möglich gewesen, das bestätigte auch der spätere Nobelpreisträger Weiss.

Als Billing 1982 emeritierte, sagte er seinen Kollegen: Er bleibe so lange am Leben, bis die Gravitationswellen entdeckt seien. Das hat er geschafft. Er starb 2017, ein Jahr nach der offiziellen Bekanntgabe der Gravitationswellen, im Alter von 102 Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Dokumentation: Wie klingt der Urknall | 20. Januar 2019 | 22:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2019, 14:21 Uhr