Alkohol stimmuliert Heißhunger im Gehirn
Bildrechte: Colourbox.de

Neurologie Alkohol regt Heißhunger im Gehirn an

Eigentlich enthält Alkohol mehr Energie als Fett, trotzdem bekommen Menschen während einem Trinkgelage irgendwann Heißhunger. Englische Neurologen haben jetzt herausgefunden: Die Droge stimuliert die "Agrp"-Neuronen im Gehirn. Die reagieren sonst auf Nahrungsmangel.

Alkohol stimmuliert Heißhunger im Gehirn
Bildrechte: Colourbox.de

Dem Vollrausch folgt die Völlerei: Landläufigen Theorien zufolge bekommen Menschen deshalb nach Trinkgelagen Heißhunger, weil sich der Körper die verloren gegangenen Nährstoffe möglichst schnell zurückholen will. Englische Hirnforscher präsentieren jetzt aber eine neue Theorie. Ihnen zufolge stimuliert das Nervengift Alkohol die sogenannten Agrp-Neuronen im Hypothalamus. Diese Zellen steuern den Appetit.

Alkohol
Bildrechte: Colourbox

Wie die Wissenschaftler um Denis Burdakov vom Londoner Francis Crick Institute im Fachblatt "Nature Communications" berichten, konnten sie bei Experimenten mit Labormäusen einen eindeutigen Effekt nachweisen. Die Forscher verabreichten den Nagetieren Alkohol in Dosen, die einem feuchtfröhlichen Wochenende entsprechen würden. Durch die Anwesenheit des Nervengifts wurden die Agrp-Nervenzellen aktiviert und zwar unabhängig davon, ob die Mäuse noch volle Mägen oder einen hohen Blutzuckerspiegel hatten. Üblicherweise reagieren die nämlich sonst auf fallende Zuckerspiegel oder leere Bäuche.

Menschen und Mäuse haben ähnliche Gehirne

Die Untersuchung liefert eine Teilerklärung für den paradoxen Heißhunger beim Alkoholkonsum. Denn alkoholische Getränke sind sogar energiereicher als Fett. Deshalb müssten sie eigentlich sättigen, frei nach dem Motto: Sieben Bier ersetzen ein Schnitzel. Das ist jedoch nicht der Fall. Bislang erklärten die Mediziner das damit, dass die enthemmende Wirkung der Droge auch die Selbstkontrolle des Hungergefühls außer Kraft setze. Nun sieht es aber eher so aus, als fordere das alkoholisierte Gehirn aktiv die Aufnahme neuer Nahrung.

Offen ist noch, ob der bei Mäusen festgestellte Effekt auch beim Menschen eintritt. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber hoch. "Die Grundprinzipen des Aufbaus des Nervensystems und auch die Eigenschaften von Nervenzellen im Mausgehirn sind denen im Menschengehirn sehr ähnlich", sagt Prof. Nils Brose vom Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen. Auch er und seine Forscherkollegen nutzen das für ihre Arbeit zum Verständnis von Krankheiten wie Alzheimer, Schizophrenie oder Demenz.

Heißhunger ist nützlich

So oder so – der Heißhunger erfüllt in jedem Fall eine nützliche Funktion: Fettreiches Essen hemmt die Aufnahme von Alkohol und verzögert so die Wirkung. Wer nebenher viel Mineralwasser trinkt, kann auch den Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Beides mildert den Kater am Morgen danach.

Über dieses thema berichtet MDR Jump im Radio | 12.01.2017 | 15:45

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 13:20 Uhr