Binge Eating Uni Leipzig: Gehirntraining halbiert Heißhunger-Attacken

Eine Pilotstudie der Uni Leipzig zeigt einen verblüffenden Effekt: Mithilfe eines speziellen Gehirntrainings können Menschen mit Binge-Eating-Störung die Häufigkeit ihrer Ess-Anfälle mehr als halbieren.

Eine Frau die in einen Hamburger beißt
Heißhunger kennen sicher alle. Menschen mit Binge-Eating-Störung verlieren aber die Kontrolle über die Mengen, die sie essen. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Eine Pilotstudie der Uni Leipzig hat herausgefunden, dass sich Essanfälle mit EEG-Neurofeedback behandeln lassen. Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist eine Methode, mit der die Aktivität des Gehirns an der Kopfoberfläche gemessen wird. Menschen, die mit einer Binge-Eating-Störung leben, lernen dadurch, bestimmte Gehirnaktivitäten bewusst zu steuern. Dabei wird die EEG-Aktivität in Echtzeit analysiert und auf einem Bildschirm zum Beispiel durch einen Ball visualisiert, erklärt Studienautorin Marie Blume. "Dadurch wird die sonst nicht spürbare Gehirnaktivität erlebbar. Patientinnen und Patienten können lernen, sie gezielt zu verändern."

Wie viele Menschen leben mit dieser Ess-Störung?

Essender Mann 4 min
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Die meisten haben in ihrem Leben schon Heißhunger verspürt. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was Menschen mit der "Binge-Eating-Essstörung" durchmachen.

Mo 13.05.2019 14:36Uhr 03:53 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/Binge_eating100.html

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Menschen mit einer Binge-Eating-Störung leben mit immer wiederkehrenden Essanfällen. Sie essen in kurzer Zeit extrem viel und haben das Gefühl, ihr Essverhalten nicht selbst kontrollieren zu können. Der englische Begriff 'binge eating' steht für exzessives, übermäßiges Essen. Von 1.000 Mädchen und Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens durchschnittlich etwa 28 an einer Binge-Eating-Störung, 19 an Bulimie und 14 an Magersucht. Von 1.000 Jungen erkranken im Laufe ihres Lebens durchschnittlich etwa 10 an einer Binge-Eating-Störung, 6 an Bulimie und 2 an Magersucht. Diese Zahlen beziehen sich nicht auf Deutschland, sie wurden aus verschiedenen internationaler Studien errechnet. (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitlicheAufklärung)

Frühere Studien hatten gezeigt, dass bei Menschen mit Binge-Eating-Störung Veränderungen im Elektroenzephalogramm zu finden sind. Diese Veränderungen brachten die Forschungsgruppe in Leipzig auf die Idee, sie mit EEG-Neurofeedback zu behandeln. Getestet wurde das mit 39 Testpersonen. Sie wurden im Testverfahren zufällig einer von zwei Gruppen zugeordnet, entweder einem nahrungsspezifischen oder einem allgemeinen EEG-Neurofeedback zugeteilt. In beiden Fällen erfolgte zunächst eine Wartezeit von sechs Wochen, gefolgt von sechs Wochen EEG-Neurofeedbacktraining mit zehn Sitzungen von jeweils 30 Minuten und einer dreimonatigen Nachuntersuchungszeit.

In beiden Gruppen verringerten sich die Essanfälle bei allen Teilnehmenden um mehr als die Hälfte. Diese Veränderung bei den Testpersonen blieben über die dreimonatige Nachuntersuchungszeit hinweg stabil. Studienleiterin Professor Anja Hilbert sagt: "Bemerkenswert ist, dass beide EEG-Neurofeedbacktrainings die EEG-Aktivität nach der Behandlung veränderten, was auf spezifische Behandlungswirkungen hinweist, die über einen bloßen Placebo-Effekt hinausgehen". Allerdings sind weitere Studien mit mehr Menschen nötig, um die Wirksamkeit zu überprüfen und um zu verstehen, welche Wirkmechanismen im Einzelnen greifen.

Illustration - Junk Food und Snacks, die als Mitternachtsnack im Bett liegen
Wenn der Heißhunger kommt, fällt es Menschen mit Essstörung schwer, sich zu regulieren Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Die Studie zu dieser Forschung wurde im Fachmagazin "Neurotherapeutics" veröffentlicht. Sie können sie hier selbst lesen.

(lfw)

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