Sensationsfund Leipziger Archäologen in Kairo Wer ist der Pharao aus dem Schlamm?

Bei der Kolossalstatue, die Leipziger Archäologen in Kairo entdeckt haben, handelt es sich nicht wie zunächst vermutet um Pharao Ramses II. Die wissenschaftliche Untersuchung hat zweifelsfrei ergeben, dass es sich um Pharao Psammetich I. handelt. Ein Sensationsfund bleibt es trotzdem.

Der Koloss von Kairo stellt den Pharao Psammetich I. (664 v. Chr. bis 610 v. Chr.) dar. Das erklärte Dr. Dietrich Raue, Kustos des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig. Die wissenschaftliche Untersuchung der tonnenschweren Statue sei abgeschlossen und das Ergebnis eindeutig.

Wir haben auf der Rückseite der Statue vier Zeichen entdeckt. Sie bedeuten 'Herr des Armes'. Das ist der Inbegriff von Tatkraft und der Name, der ausschließlich für Psammetich I. verwendet wurde.

Dr. Dietrich Raue, Leiter des deutsch-ägyptischen Grabungsteams

Der Ägyptologe erklärte, dass er gemeinsam mit seinen Kollegen außerdem den Stil der etwa neun Tonnen schweren Statue untersucht habe. Die Ergebnisse haben sie demnach in einem Katalog aller Merkmale festgehalten. Der Koloss besteht aus poliertem Quarzit. Auch nach der eingehenden Untersuchung ist der Ägyptologe der Überzeugung, dass es sich um einen echten Sensationsfund handelt.

Die Krone sah aus wie 1900 v. Chr., aber die Augenpartie wie 1300 v. Chr. - diese Mischung ist typisch für diese Epoche. Es ist das erste Mal, dass etwas in dieser Größe aus der Spätzeit gefunden wurde.

Dr. Dietrich Raue, Leiter des deutsch-ägyptischen Grabungsteams

Bei dem Koloss handele es sich um die bisher größte gefundene Statue von Pharao Psammetich I. – bisher gab es von ihm nur lebensgroße Plastiken. Die Statue war ursprünglich neun Meter und ist rekonstruiert vier Meter hoch.

Ägyptologen graben weiter am Fundort

Ausgrabungen in der "Sonnenstadt" in Kairo 5 min
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Der Koloss wurde auf dem Areal des Tempelbezirks von Heliopolis im heutigen Armenviertel Martariya im Nordosten Kairos gefunden. Mit der Unterstützung der ägyptischen Armee war sie zum Ägyptischen Museum von Kairo gebracht worden, wo sie nun im Garten liegt, teilte die Universität Leipzig mit. Ägyptologe Raue erklärte, dass sich der Stein nach mehr als 1.000 Jahren unter der Erde zunächst an die Umgebung gewöhnen müsse. Außerdem werde er restauriert. Raue und sein Team wollen die Grabungen am Fundort indes fortsetzen und hoffen darauf, noch das fehlende Unterteil der Statue zu finden.

Erste Annahme: Ramses II.

Als die tonnenschwere Statue gefunden wurde, hatten die Experten zunächst angenommen, dass sie aus der Pharaonenzeit um Ramses II. (1250 v. Chr.) stammt. Grund für die Annahme war ihr Fundort: Auf eben jenem Areal wurde der frühere Tempel von Ramses II. gefunden. In einer Schlammgrube in zwei Metern Tiefe hatte das Grabungsteam den Kopf mit Krone und den Torso der Statue gefunden.

Heliopolis – die Sonnenstadt Die Stadt Heliopolis war im alten Ägypten ein besonders heiliger Ort. Sie steht nämlich nach der ägyptischen Mythologie auf dem "Urhügel“ – der Stelle, an der als erstes Land aus dem Urgewässer auftauchte und an dem die Götter entstanden sind. Als der erste "Urgott“, der alles andere erschuf, galt der Sonnengott Re (oder Atum-Re). Diese Schöpfungsgeschichte sorgte dafür, dass Heliopolis zum größten Tempelbezirk Ägyptens wurde. Eine Fläche von einem Quadratkilometer umschlossen Umfassungsmauern von bis zu 17 Metern Stärke und mehr als zehn Metern Höhe. In ihrer Mitte bauten alle ägyptischen Herrscher den Göttern zu Ehren Tempel, Statuen und Obelisken. Allerdings durfte kein Herrscher in der heiligen Stadt wohnen. Den Namen Heliopolis – "Stadt der Sonne“ – verliehen dem Ort allerdings die Griechen. Die "Sonnenstadt“ gehörte bis in die Spätzeit zu den religiösen Zentren des ägyptischen Reiches. Heute befindet sich auf dem Areal das Armenviertel Matariya im Nordosten der ägyptischen Hauptstadt Kairo.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 17.03.2017 | 01:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 14:41 Uhr