Internationale Studie Herz-Kreislauf häufigste Todesursache

Weltweit sterben Menschen am häufigsten an Herzinfarkten, Schlaganfällen oder anderen Herz-Kreislauferkrankungen - trotz moderner Medizin und Risikoaufklärung. Das bestätigt eine internationale Studie, an der auch die Martin-Luther-Universität Halle (MLU) beteiligt war. Sie zeigt auch, wo die Sterberate am höchsten ist und was man dagegen tun kann.

Patient mit Notarzt
Bildrechte: IMAGO

Bei aller Dramatik zeigte die Studie aber auch positive Trends. Das internationale Forscherteam wertete Daten aus 195 Ländern aus, um zu zeigen, wie sich das Ausmaß der Herz-Kreislauf-Erkrankungen jeweils zwischen 1990 und 2015 entwickelt hat. Zwischen 1990 und 2010 war die Sterberate von 0,345 auf 0,219 Prozent deutlich zurückgegangen, vor allem in Deutschland, anderen EU-Ländern, Nordamerika, Südkorea und Japan. 0,219 bedeutet 219 Todesfälle pro 100.000 Menschen.

Das lässt sich darauf zurückführen, dass sich die Methoden der Früherkennung, der Prävention und die Behandlungsmöglichkeiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den letzten Jahren verbessert haben.

Dr. Toni Meier, Koautor der Studie Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU Halle

In den letzten Jahren ging die Sterberate nur noch geringfügig zurück, von 0,219 auf 0,203 Prozent. So starben 2015 weltweit etwa 18 Millionen Menschen an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, davon allein 357.000 in Deutschland. In vielen anderen Ländern ist die Situation ähnlich, wie die Autoren der Studie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Journal of the American College of Cardiology" berichten.

Höchste Sterberate in Ländern mit mittleren oder niedrigen Einkommen

Die Forscher beobachteten, dass in Osteuropa, Zentralasien, im Nahen Osten, in Südamerika, Subsahara-Afrika und Ozeanien besonders viele Menschen an den Folgen einer Herz-Kreislauferkrankung sterben. Dort sind es immer noch 0,299 Prozent. Auffallend ist, dass es sich dabei um Länder mit mittleren oder niedrigen Einkommen handelt.

Dass vor allem in vielen ärmeren Ländern noch immer so viele Menschen daran sterben und auch in den Industriestaaten die Sterberate nicht mehr deutlich sinkt, stellt nationale als auch internationale Gesundheitsorganisationen vor neue Aufgaben.

Dr. Toni Meier, Koautor der Studie

Denn auch wenn die Sterberate insgesamt gesunken ist, sind die absoluten Zahlen gestiegen. 1990 starben weltweit 12,6 Millionen Menschen an den Folgen einer Herz-Kreislauferkrankung, 2015 waren es ganze 18 Millionen. Das sei vor allem durch drei Faktoren zu erklären, so Meier: Die Bevölkerung wächst, die Menschen werden immer älter, und auch die Risikofaktoren zum Beispiel für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall sind immer stärker ausgeprägt.

Wie kann man sich schützen?

Die größten Gefahren für unser Herz-Kreislaufsystem sind z.B. ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung, Stress, Alkohol und Nikotin. Auch wer unter Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen oder starkes Übergewicht leidet, ist besonders gefährdet.

Diese Risiken können wir durch ein gesundheitsbewußtes Verhalten und medikamentöse Therapien minimieren und Herz-Kreislauferkrankungen in vielen Fällen vermeiden.

Dr. Toni Meier, Koautor der Studie

Wie das genau aussehen kann, daran arbeiten derzeit die Universitäten Halle-Wittenberg, Jena und Leipzig unter der Marke "nutriCARD". Mithilfe der grundlagennahen und angewandten Ernährungsforschung sollen wirksame Konzepte erarbeitet werden, wie gefährdete Patienten ihr Risiko verringern können.

Wenn man gefährdet oder schon betroffen ist ....

Über dieses Thema berichtet HAUPTSACHE GESUND! auch im MDR Fernsehen | 20.04.2017 | 21:00 Uhr