Insekten Heuschreckenplage: Kann man die Tiere essen?

Pakistan und Ostafrika leiden unter Heuschreckenplagen. Die Insektenschwärme vernichten die Landwirtschaft. Könnten die Menschen eine Hungersnot abwenden, indem sie einfach die Tiere selbst essen? Ja und nein, sagen Forscher.

Zwei Heuschrecken werden hochgehalten.
Wanderheuschrecken fallen gerade in Schwärmen über Felder in Pakistan her. Bildrechte: imago images / Pacific Press Agency

Heuschrecken vermehren sich stark, wenn die Temperaturen hoch sind und es viel regnet. Beides ist in Pakistan und den ostafrikanischen Ländern Kenia, Somalia, Äthiopien und Eritrea kürzlich passiert. Deswegen ziehen dort gerade gewaltige Schwärme mit teilweise hundert Millionen einzelnen Insekten über das Land und vernichten die Ernte. Die UN Landwirtschaftsorganisation FAO spricht von der schwersten Plage seit 25 Jahren.

Heuschrecken haben Angst vor Heuschrecken

Der Verhaltensbiologe Iain Couzin forscht am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie zu Gruppenverhalten von Tieren. Vor einigen Jahren hat er das Schwarmverhalten der Heuschrecken selbst untersucht. Er glaubt, es ist vor allem die Angst der einzelnen Tiere davor, von Artgenossen gefressen zu werden, die sie in Schwärmen vorwärts treibt.

Wenn die Heuschrecken dabei ganze Landstriche verwüsten und Ernten vernichten, wäre es dann nicht eine Möglichkeit für die Menschen, die Tiere selbst einzufangen und zu verzehren? Ja und nein, sagt Couzin. Grundsätzlich seien die Tiere zwar ess- und genießbar. Aber das hänge davon ab, was sie selbst gegessen haben. "Wenn sich große Schwärme bilden, dann fressen die Heuschrecken einfach alles, auch giftige Pflanzen. Dadurch werden die Tiere dann selbst giftig", sagt Couzin.

Wanderheuschrecken als Superfood - nur theoretisch

Schwar-weißes Porträtfoto des Verhaltensforschers Iain Couzin
Professor Iain Couzin Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er selbst sei bei seinen Studien in Kenia schon von solch giftigen Heuschrecken gebissen worden. Dabei sei es zu Schwellungen gekommen. Ein Kollege habe ein Tier gegessen und auch das sei ihm nicht gut bekommen. Ihm seien die Lymphknoten angeschwollen.

Theoretisch sei es möglich, die Tiere vor dem Fangen mit nicht giftigen Pflanzen zu füttern. Aber das dürfte bei den großen Schwärmen, die derzeit durch Ostafrika ziehen, technisch ziemlich schwierig werden. Aus den Wanderheuschrecken kann also theoretisch zwar ein Superfood werden. Praktisch ist es aber eher nicht möglich.

(ens)

Vorschaubild für den Podcast Meine Challenge, Folge 2: Essen, damit die Welt nicht hungert. Reporterin Daniela Schmidt hält eine Gabel, auf der eine Heuschrecke steckt. 39 min
Bildrechte: MDR Wissen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 11. Februar 2020 | 08:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2020, 17:05 Uhr

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