Janett Eger steht mit einer Frau und einem Mann in einem Labor und begutachtet einen mit Technik ausgestatteten Rucksack zur Messung der Luftbelastung.
Tropos-Forscher Wiedensohler in der MDR-Sendung "Einfach genial" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Highly Cited Researchers 18 Mitteldeutsche unter einflussreichsten Forschern der Welt

Alle Jahre wieder veröffentlicht der kanadische Medienkonzern "Thomson Reuters" seine Liste der "Highly Cited Researchers" - eine Liste der meistzitierten Wissenschaftler. Darauf stehen knapp 3.400 Forscher aus der ganzen Welt, die am häufigsten in der Fachliteratur zitiert werden. Kurz gesagt: Die Liste soll die einflussreichsten Forscher der Welt enthalten. Auch 18 Namen aus Mitteldeutschland stehen drauf - unter anderem Alfred Wiedensohler.

von André Seifert

Janett Eger steht mit einer Frau und einem Mann in einem Labor und begutachtet einen mit Technik ausgestatteten Rucksack zur Messung der Luftbelastung.
Tropos-Forscher Wiedensohler in der MDR-Sendung "Einfach genial" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Professor Alfred Wiedensohler steht etwas unter Druck. Es ist sein letzter Arbeitstag in diesem Jahr, nur noch eine Stunde, dann beginnt der Weihnachtsurlaub. Gleich hat er noch eine Skype-Konferenz mit anderen Wissenschaftlern. Viel Zeit für Interviews mit Journalisten bleibt ihm nicht. Alfred Wiedensohler ist Abteilungsleiter im Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig, kurz Tropos. Schon zum vierten Mal hat er es auf die Liste der "Highly cited researchers", also der international einflussreichsten Wissenschaftler, geschafft.

Ja das ist natürlich immer ne Auszeichnung, jedes Jahr. Man muss immer sagen, das ganze ist eine Teamfrage, das ist richtig. Ich muss mich da ganz klar auch bei meiner Arbeitsgruppe bedanken.

Prof. Alfred Wiedensohler, Leibniz Institut für Troposphärenforschung

Alfred Wiedensohler und sein 20-köpfiges Team messen Miniteilchen wie Feinstaub, Rußpartikel oder Pollen. Dabei interessiert sie besonders deren Wechselwirkung mit der Umwelt, vor allem in der Luft oder in Wolken. Ganz konkret liegt zum Beispiel ein Schwerpunkt des Wiedensohler-Teams darin, die Wirksamkeit der Leipziger Umweltzone zu erforschen.

Was wir gesehen haben, ist, dass durch die Umweltzone selber, durch die Einführung der Umweltzone, aber auch durch die Modifikation der Fahrzeugflotte mit Dieselpartikelfilter die Emissionen dann für diese Rußpartikel und für diese ultrafeinen Partikel deutlich zurückgegangen ist. 

Prof. Alfred Wiedensohler, Leibniz Institut für Troposphärenforschung
Moderatorin
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Leipziger Umweltzone hat sich also ausgezahlt, die Luft in der Messestadt ist sauberer, zeigten die Messungen von Prof. Wiedensohler.

Der 62-Jährige, der in Jülich in Nordrhein-Westfalen aufwuchs, arbeitet seit 1994 in Leipzig am Leibnitz-Institut. Auch an Universitäten in Schweden und China hat er schon gelehrt und geforscht. Um auf die Liste der Topforscher zu kommen, sei vor allem eines wichtig, so Alfred Wiedensohler: eine gute Vernetzung mit Forschern anderer Universitäten, die möglichst oft aus eigenen Fachartikeln zitieren.

Hinzu komme aber auch die Popularität seines Fachgebiets, sagt Wiedensohler. "In den letzten 20 Jahren war die Feinstaubforschung weltweit von hoher Bedeutung, weil eben mit der zunehmenden Globalisierung und Industrialisierung eben die Luftverschmutzung immer akuter wird oder wurde", erklärt der Forscher.

Bei uns in Deutschland geht sie momentan runter, durch die Maßnahmen, die getroffen wurden. Aber weltweit haben wir noch sehr starkes Problem. Und deshalb ist das im Bewusstsein der Bevölkerung, aber auch der Wissenschaft.

Prof. Alfred Wiedensohler, Leibniz Institut für Troposphärenforschung

Neben Prof. Wiedensohler stehen noch 17 weitere Forscher aus Mitteldeutschland in der Liste des kanadischen Medienkonzerns "Thomson Reuters". Darunter sind z.B. auch zwei Materialwissenschaftler von der TU Dresden, ein Physiker der TU Chemnitz, drei Forscher vom Max-Planck-Institut Jena und ein Agrarwissenschaflter der Universität Halle-Wittenberg.

Allerdings: In Mitteldeutschland handelt es sich dabei ausnahmslos um Männer. Insgesamt sind auf der knapp 3.400 Namen umfassenden Liste der einflussreichsten Forscher der Welt nur etwa zehn Prozent Frauen. 

Diese Wissenschaftler gehören zu den meist zitierten der Welt
Name Fachbereich Forschungseinrichtung
Klaus Kaiser Agrarwissenschaft Universität Halle-Wittenberg
Ingolf Kühn Umweltwissenschaft / Ökologie Universität Halle-Wittenberg, zugleich berufen ans Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig
Xinliang Feng Materialwissenschaft TU Dresden
Stefan Kaskel Materialwissenschaft TU Dresden
Hans Ulrich Wittchen Klinische Psychologie TU Dresden
Jürgen Rehm Sozialwissenschaften Universität Toronto, zugleich TU Dresden
Karsten Kalbitz Agrarwissenschaft TU Dresden
Thomas Seyller Physik TU Chemnitz
Markus Reichstein Agrar-, Geo- und Umweltwissenschaft Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena
Andreas Hochhaus Klinische Medizin Universitätsklinikum Jena
Ulrich Schubert Materialwissenschaft Friedrich Schiller Universität Jena
Ian T Baldwin Botanik / Zoologie Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, Jena
Jonathan Gershenzon Botanik / Zoologie Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, Jena
Alfred Wiedensohler Geowissenschaften Leibniz Institut für Troposphärenforschung
Korbinian Strimmer Informatik Universität Leipzig
Matthias C. Angermeyer Psychiatrie Universität Leipzig, seit 2006 in Pension
W. Stanley Harpole Umweltwissenschaft/ Ökologie Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig
Jean-Jacques Hublin   Sozialwissenschaften Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 21. Dezember 2017 | 09:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2017, 15:02 Uhr