Ein Mechaniker hält ein Stück Papier vor den Auspuff eines Dieselfahrzeugs.
Bildrechte: dpa

Hintergrund: Feinstaub Warum nur zehn Prozent vom Feinstaub gefährlich sind

Feinstaub hat viele Quellen: Landwirtschaft, das Meer, Pflanzen und Tiere. Nur zehn Prozent der Mikropartikel sind wirklich giftig, es sind die Stäube aus den Verbrennungsmotoren. Und die haben es in sich.

von Clemens Haug

Ein Mechaniker hält ein Stück Papier vor den Auspuff eines Dieselfahrzeugs.
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Unter die behördliche Definition von Feinstaub fallen alle Partikel, die kleiner als 10 Mikrometer sind. Doch darunter sind viele Stoffe, die für den Menschen völlig harmlos, ja, teilweise sogar gesund sind. Statt von Staub sprechen Wissenschaftler wie der Leipziger Professor Alfred Wiedensohler vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung präziser von Aerosolen und meinen damit alle Arten von Partikeln, die in Gasen wie der Luft schweben.

Die primäre Quellen dieser Aerosole können beispielsweise grobe Stäube sein, die durch Landmaschinen bei der Bearbeitung eines Ackers aufgewirbelt werden. Auch Pflanzenpollen fallen in diese Kategorie, ebenso wie das Meersalz, das man riecht, wenn man in der Nähe der Küste ist, sagt Wiedensohler.

Wind kann Feinstaub 1000 Kilometer weit transportieren

Bauer auf Feld mit Traktor und Egge.
Auch durch Aufwirbelung in der Landwirtschaft gelangt Feinstraub in die Luft. Bildrechte: IMAGO

Eine sekundäre Quelle seien verschiedene Salze wie Nitrat oder Sulfat, die zuvor in der Luft durch eine Reaktion mit Sauerstoff entstanden sind und die sich als kondensierte Tröpfchen an Staubpartikel anheften. Sie seien nicht giftig, ebenso wenig, wie etwa Pinene oder Terpene. "Das ist das, was im Wald so gut riecht", sagt der Forscher.

Solche Feinstäube können über weite Strecken, bis zu 1000 Kilometer weit transportiert werden. Ist es im Winter beispielsweise sehr kalt und trocken und kommt der Wind aus Osten, dann steigen die Feinstaubwerte oft stark an, weil dann viele Partikel aus Osteuropa zu uns transportiert werden.

Hochgiftige Stoffe im Ruß

Die dritte und schließlich die vor allem gefährliche Quelle sind Aerosole, die bei Verbrennungen entstehen. Vor allem, wenn Kraftstoff nicht vollständig verbrannt wird, entsteht Ruß. "Dieser Ruß selbst, der schwarze Kohlenstoff, der hat Spurenstoffe drauf, die toxisch sind", so Wiedensohle. Zum einen können das Schwermetalle sein, die aus dem Treibstoff kommen. Außerdem sind das sogenannte polyzyklische- aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen manche hochgiftig sind. Im Ergebnis sind also nur etwa 5 bis 10 Prozent des Feinstaubs wirklich gefährlich für die Menschen.

Insofern ist nach der Ansicht des Forschers Alfred Wiedensohler unproblematisch, wenn ein Großteil des Feinstaubs von der bisherigen Regulierung nicht berührt wird. Partikel aus Reifenabrieb etwa seien deutlich größer als die Rußpartikel und blieben in den körpereigenen Filtern hängen. Die Verbrennungsprodukte dagegen seien so klein, dass sie nahezu mühelos alle Barrieren im Körper überwinden und ihre giftige Fracht so in die Organe wie Gehirn und Lunge bringen können.

Daher kann die Reduzierung dieser Anteile durch strenge Vorschriften für Autohersteller tatsächlich positive Folgen für die Gesundheit der Stadtbewohner haben, die in einer Umweltzone leben.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14. Dezember 2017 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2017, 11:37 Uhr