Timothy Ray Brown
Der erste Mensch, der von HIV geheilt wurde: Timothy Ray Brown ist der "Berliner Patient" Bildrechte: imago/GlobalImagens

HIV-Patient frei von Viren nach Knochenmarkstransplantation Heilung für HIV-Infektion in Sicht?

In London wurde ein HIV-Patient offenbar von dem tödlichen Virus "geheilt". Genau genommen war er virenfrei, nachdem man ihm Stammzellen transplantiert hatte. Das Verfahren klappte damit jetzt schon zum zweiten Mal. Sind die Wissenschaftler also auf dem Weg, HIV-Infektionen zu heilen?

von Karolin Dörner

Timothy Ray Brown
Der erste Mensch, der von HIV geheilt wurde: Timothy Ray Brown ist der "Berliner Patient" Bildrechte: imago/GlobalImagens

"HIV gestoppt! Ein Meilenstein der Medizin!" Das ist die Meldung, auf die wir alle Jahrzehnte gewartet haben. Frank Buchholz, Professor für Medizinische Systembiologie an der TU Dresden, klingt optimistisch in seiner Einschätzung: "Darauf hat die Fachwelt auch gewartet. Deswegen ist dieser zweite Patient auch so wichtig, dass man halt sieht: Es ist tatsächlich möglich, dass HIV auch mal heilbar sein wird."

Aber warum sagt Buchholz "wird"? Weil bei aller Euphorie immer noch Skepsis angesagt ist. Nicht nur bei ihm. Denn noch ist es nicht soweit, sagt auch Dr. Gero Hütter - Ärztlicher Leiter des Cellex Center in Dresden. Denn es ist momentan noch paradox: Um die HIV-Infektion zu stoppen, muss man auch noch schwer an Krebs erkrankt sein.

In der Regel ist das Leukämie oder eine andere Lymphom-Erkrankung, die behandelt werden muss und bei der die Stammzellentransplantation die Option für die Heilung ist. Das ist sozusagen die Voraussetzung.

PD Dr. Gero Hütter, Cellex Center Dresden

Um von Leukämie geheilt zu werden, braucht es Stammzellen von einem fremden Spender. Und das ist sehr gefährlich. Da kommt nämlich das Immunsystem ins Spiel. Das mag fremde Zellen nicht und stößt sie ab. Am HI-Virus erkrankte Krebspatienten bekommen ganz spezielle Stammzellen, nämlich solche, die gleich noch gegen HIV immun machen sollen. Es ist also eine Art Nebeneffekt der sehr riskanten Krebstherapie. Elf solcher Versuche gab es bisher, die meisten sind gescheitert. Der Erste aber war erfolgreich: 2007 in Berlin. Gero Hütter war damals behandelnder Arzt.

Es ist jetzt mit diesem Londoner Patienten wirklich zum ersten Mal gelungen, diesen Berliner Patienten zu reproduzieren. Die Fälle davor sind zum Teil an frühen Komplikationen der Stammzellentransplantation oder an Rückfällen ihrer Leukämie-Erkrankung verstorben.

PD Dr. Gero Hütter, Cellex Center Dresden

So einer Gefahr muss sich ein HIV-Patient nicht aussetzen. Mit den modernen Medikamenten können die Meisten heute alt werden. Warum also so ein Risiko eingehen? Müssen sie auch nicht, sagt Frank Buchholz von der TU Dresden. Er erforscht eine Möglichkeit, die alles verspricht: Heilung mit weniger Risiko und man muss auch keinen Krebs haben. Der Ansatz ist ein ganz ähnlicher: Es sind auch Stammzellen, die immun machen sollen. Der Unterschied: Es sind körpereigene. Die wurden vorab genetisch verändert. Dazu werde mit einer Genschere das HIV-Genom aus der Gensequenz herausgeschnitten.

Und man würde die Stammzellen dann dem gleichen Patienten, dem man die entnommen hat, wieder zurückgeben.

Prof. Dr. Frank Buchholz, Technische Universität Dresden

Dazu startet in Deutschland dieses Jahr die erste Studie am Menschen. Und auch die haben Krebs. Aber danach soll die Therapie auch an Nicht-Krebs-Patienten getestet werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 05. März 2019 | 23:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 09:21 Uhr